Unser Blog

Die täglichen „Mut-mach-Worte“ von Bruder Theophilos und weitere aufbauende Perlen aus dem Kloster.

Bleib wachstumsfreudig

Jer. 26, 8-13

Die Corona-Pandemie spiegelt ein wunderbares menschliches Problem. Das was bisher jahrhundertelang im Privaten, Gesellschaftlichen und Politischen funktioniert hat, funktioniert auf einmal nicht mehr. Ein Gastwirt hat gutes Personal, schön gerichtete Räume, eine super Speisekarte und ein leeres Lokal. Er ist motiviert seine Gäste zu verwöhnen, steht jedoch fast allein hinter seiner Schanktheke. Allgemeines Stöhnen geht durch die Geschäfte und in den Wirtschaftsnachrichten steht: Die Kassen klingeln selbst an Weihnachten nicht.   Weltuntergangsstimmung auch nach der Heiligen Nacht.    Eingespielte Systeme warten auf die große Veränderung und denken, die Welt da draußen müsse sich verändern, damit es uns wieder besser geht.

 Jeremia will uns heute in die umwerfendste Veränderung aller Zeiten mitnehmen.

1. Das blockierte System

Es ergriffen ihn die Priester, Propheten und das ganze Volk und sprachen: Du musst sterben! Und die Priester und Propheten sprachen vor den Oberen und allem Volk: Dieser Mann ist des Todes schuldig; denn er hat geweissagt gegen diese Stadt, wie ihr mit eigenen Ohren gehört habt.

Jeder der aufsteht, alte Systeme infrage stellt und zu erneuertem Denken auffordert erntet Widerstand. Warum sollte, was jahrzehntelang richtig war und funktioniert hat, auf einmal nicht mehr gehen? Wir lieben, was uns ans Herz gewachsen ist, mit dem wir vertraut waren und identifiziert sind. Es kratz uns, wenn da einer kommt und sagt, das muss jetzt anders gehen. Es ist ungemütlich, wenn das, was mir bisher Sicherheit gegeben hat, auf einmal wegbricht. Unser natürliches Denken bekommt die Krise, wenn es nicht mehr läuft wie bisher.

Extremer, wie wir das zurzeit in unserer Gesellschaft erleben, kann es kaum mehr sein. Bei der Angst vor Veränderung rollen die Köpfe. Ein Prophet, der vor der drohenden Katastrophe zum Umdenken animieren will, ist eine Bedrohung. Er geht damit ans Eingemachte und trifft den wunden Punkt in meiner Grundeinstellung. Wo ich aufgefordert werde, das Vertraute loszulassen, bebt mein ganzes Sicherheitskonzept. Ich soll das, was mich bisher getragen hat, aufzugeben, für etwas, was ich überhaupt nicht kenne.

Glauben ist die Herausforderung zum vollen Risiko. Es ist der Lockruf ins Vertrauen, der einem eingefahrenen System zuwiderläuft. Wo ich nicht bereit bin, mein bisheriges Denken infrage zu stellen, um einen Schritt ins Ungewisse zu wagen, muss ich die rufende Stimme zum Schweigen bringen. Mein Verlangen nach Sicherheit, muss die Stimme, die zum Glauben ruft, mundtot machen.

2. Durchbreche Gewohnheiten

Aber Jeremia sprach zu allen Oberen und zu allem Volk: Der HERR hat mich gesandt, dass ich dies alles, was ihr gehört habt, weissagen sollte gegen dies Haus und gegen diese Stadt.

Wo Gott ins Vertrauen ruft, will er aus drohendem Unheil herausretten. In der Einladung zum Glauben liegt die ganze Macht der Erlösung. Da will der Schöpfer herrlich hinausführen. Mit ganzer Macht kämpft Gott gegen unsere Festlegungen.

Leidenschaft für das Leben hat die eine Absicht, in der Nacht die Weihnachtskrippe aufzustellen. Das Kind, das in der Widrigkeit von Bethlehem geboren wurde, ist das Zeichen für Veränderung. Ärmliche Verhältnisse sind Gottes Plattform, wie er die ganze Welt verändert. Diese Geburt wendet das Unglück dieser Welt. Unglück flieht nicht, wenn wir an dem was ist festhalten, sondern wenn wir anfangen etwas Neues zuzulassen.

Begrenztes, menschliches Denken muss immer wieder erschüttert werden. Wir brauchen Erlebnisse, bei denen wir erfahren, dass es keine Sicherheit gibt, die dauerhaft trägt. Ohne die Erfahrung von Ohnmacht, kann es nicht Weihnachten werden. Dieses unscheinbare Jesuskind ist Revolution. Es durchbricht unsere Vorstellung vom Heil der Welt.

Darin liegt die Botschaft: Du bist die Veränderung, die die Welt verändert. Du bist die Liebe, die ich auf die Welt bringe. Warte nicht auf Veränderung, wehre dich nicht gegen die Umgestaltung, die in dir geschehen will. Ich will dich mit meinem Geist geschmeidig machen, der deine Gewohnheiten durchbricht. Ich will dich von den Formen lösen, die du dir zu deiner Sicherheit aufgerichtet hast.

3. Sei offen für Veränderung

So bessert nun eure Wege und euer Tun und gehorcht der Stimme des HERRN, eures Gottes, so wird den HERRN auch gereuen das Übel, das er gegen euch geredet hat.

Ist Veränderung schwierig oder einfach? Veränderung kann sehr schwierig sein. Am bisherigen Denken festhalten, erfüllt immer einen wichtigen Zweck. Es zeigt, wer wir bisher waren und was uns ausmachte. Darauf konnten wir uns verlassen.  

Doch Festhalten geht gegen die Natur, weil Leben immer ein Kommen und Gehen, ein Blühen und Verwelken ist. Um den dynamischen Prozessen des wachsenden und erneuernden Lebens zu begegnen, kommt es auf die persönliche Verwandlungsfähigkeit an. Um drohenden Unheil gegenüberzutreten, ist ein ständiges offen sein für Erneuerung gefragt.

Bessert eure Wege und euer Tun ist der Wachstumsprozess des Glaubens, der heute andere Wege geht als gestern. Der Stimme des Herrn gehorchen ist das hellwache Aufmerken, was die augenblickliche Situation mir sagen möchte und was sich vom Höchsten, durch mich ereignen will. Da kann es sein, dass ich einen ganzen Aufgabenbereich beenden muss, den ich jahrelang erfolgreich geführt habe. Alles was auf mich zukommt, dient dem Wachsen und Gedeihen von Herrlichkeit.

Daher kann das, was für mich bis jetzt richtig war, ab morgen der Untergang sein. Übel können wir ohne Umdenken nicht abwenden. Die Christusgeburt ist konstantes Hinterfragen des Bisherigen. Weihnachten hat einen Erneuerungsgeist in die Krippe gelegt. Die Herausforderungen unserer Tage warten auf Menschen, in denen der Christusgeist geboren wurde.

Dein Vertrauen ist eine Wachstums-Freude, die den Himmel auf die Erde bringt.

Du bist ein heiliger Krieger

Br. Theophilos 31.10.21 – Jes 44, 21-23

Wir sind hier, weil wir einen inneren Ruf verspüren, dem wir folgen wollen. Wir sind für höchste Ideale aufgebrochen und wollten uns auf das verrückteste Wagnis unseres Lebens einlassen. Wir haben den tiefsten Wunsch, unser Leben nicht zu vergeuden, sondern mit Haut und Haaren Gott und den Menschen zu dienen. Wir ahnen, da hat einer viel mehr mit uns vor, als wir uns je denken können. In kindlichem Glauben sind wir aufgebrochen, bis wir im menschlichen Miteinander merkten, hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Die Geschichte hat ihre Brandspuren hinterlassen und Glasscherben säumten unseren Weg. Inzwischen lernten wir, wie viele Erfahrungen mehr nach Erde riechen, als wir geglaubt und gehofft haben. Hohe Ideale sind der alltäglichen Machbarkeit gewichen. Der äußere Druck und unsere Zwänge haben uns verstehen gelehrt, wo die Grenzen aller schöngeistigen Gedanken liegen.

Doch was wäre, wenn unser leidenschaftlicher Ruf, in allen Grenzen lebendig sein will?

 

1. Vom lähmenden Kampf

 Gedenke daran, Jakob, und du, Israel, denn du bist mein Knecht. Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!

Wo es schwer geworden ist, wo die Verhältnisse uns an den Rand unserer Kräfte bringen, wo die Perspektive in die Zukunft mehr als düster aussieht, werden wir eingeladen, das Album aus unserer Kinderzeit anzuschauen. Wenn’s dick kommt, ist Erinnern angesagt. Wir werden ermutigt, auf unsere Gedächtnislücken zu schauen.

Jakob und Israel sind Gottes Herzblatt. Es sind die vom Leben Auserwählten. Hier dürfen wir uns höchst persönlich angesprochen fühlen. Wir sind diese Auserwählten, die aufgrund der Erschütterungen nicht mehr wissen wer die sind. Unsere menschliche Wahrnehmung, hat das Göttliche, das sich an uns ereignen will, zugedeckt. Die christliche Kirche läuft wie ein Altenheimbewohner durch die Flure und sucht hier im schwäbischen Dettingen, den Weg in die hessische Heimatstadt. Aufgrund der christlichen Erziehung und der täglichen Erfahrung hat sich ein Glaube entwickelt, der sich vorbetet:

  • Ich bin nicht gut genug, um das zu leben, was Gott wollte
  • so wichtig bin ich gar nicht, und bleibe lieber bescheiden
  • Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Der Alltag hat uns auf ein menschliches Mittelmaß heruntergedimmt. Erinnere dich daran, wer du wirklich bist.

Du bist mein Knecht, dazu habe ich dich gemacht. Im Englischen steht das Wort Knecht = knight für einen Ritter. Jesaja sieht in dem „leidenden Gottesknecht“ den Christus. Gott wählt uns zu „Christus-Rittern“. Darauf will er uns besinnen. Gott will uns aus dem traurigen Menschenbild, mit dem wir uns abgefunden haben, herauslösen. Die Umkehr will uns loslösen von dem, uns nur in unserer Menschlichkeit zu begreifen. Kehre dich zu mir, will uns in den Adelsstand erheben, zu dem wir gemacht sind.

Es stellt uns vom lähmenden Kampf, uns rein menschlichen zu betrachten, der unfähig ist, Reich Gottes zu bauen…

 

2. …in eine neue Selbstwahrnehmung

Israel, ich vergesse dich nicht! Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Jauchzet, ihr Himmel, denn der HERR hat’s getan! Jubelt, ihr Tiefen der Erde! Ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen, der Wald und alle Bäume darin!

Gott ist aus unserer Sicht utopisch. Er glaubt gegen jedes bessere Wissen, gegen menschliche Abgründe an Herrlichkeit. Er bezieht den Menschen radikal in sein Handeln ein und ist doch nicht von Menschlichkeit abhängig. Für ihn ist der Mensch in ihm gegenwärtig. Ich vergesse dich nicht, ist die immerwährende Gottespräsenz.

Gott trennt nicht, was wir gerne auseinanderdividieren. Er sieht sich untrennbar von uns. Wo wir sagen, da ist Gott und hier bin ich, sagt er, – du bist in mir bewahrt und ich bin in dir gegenwärtig. Gott gebraucht meine Existenz für seine unendlichen Zwecke. Er kommt durch mich zur Welt.

Wo ich mich als reiner Mensch begreife, löse ich mich von dem Gott, der in mir wohnt. Ich distanziere mich von dem Geist, der sich in mir ihre Wohnung bereitet hat. Wir betreten hier die Pfade alter Mystiker.  Die englische Mystikerin Juliana von Norwich kam im 14. Jahrhundert zu der für uns unfassbaren Erkenntnis: „Seht! Ich bin Gott; seht! Ich bin in allen Dingen; seht! Ich wirke in allen Dingen!“

Mir wird dabei schwindelig, wie nah Gott ist, wie ich als Gefäß den handelnden Gott an mir zulasse und sogar zum handelnden Gott werde. Ich bin eins mit Christus und andauernde Lebensäußerung Gottes. Wenn Gott dieses zweigeteilt auflöst, tilgt er dieses Missverständnis von – hier er, dort ich. Er zieht den Nebel weg, von der Vorstellung,- ich bin von Gott getrennt, ich bin ein sündiger Mensch. Jesus ist das sichtbare Zeichen, wie Gott und Mensch eins, und dadurch Licht der Welt ist. Damit hat er die Sünde aufgelöst und dem Menschen sein Vermächtnis zurückgegeben.

Jauchzet, ihr Himmel, denn der HERR hat’s getan! Jubelt, ihr Tiefen der Erde! Leben ist in allem Gottesoffenbarung. Gott ist in allen Höhen, in allen Tiefen, in allen Menschen. Er ist in allem und wirkt in allem. Zu dem dürfen wir zurückkehren und uns in menschlichen Tiefen als Jubel Gottes in Person erkennen. Gott feiert sich selbst durch uns.

Wo wir uns in dieser Selbstwahrnehmung erkennen…

3. …werden wir zu befreienden Adeligen

Denn der HERR hat Jakob erlöst, an Israel verherrlicht er sich.

Gott erlöst uns davon, nur Menschen dieser Erde zu sein und sagt uns: du bist ich. Ich verherrliche mich durch die Knechte und Ritter, die ich geschaffen habe, um mich zu zeigen. Damit bin ich der Christus-Ritter, den er auf den Thron setzt, um über die Erde zu herrschen. Dort wo ich meinen königlichen Stuhl einnehme, bin ich autorisiert dem Frieden zu dienen. Meine Worte haben Macht, gegen das Unrecht dieser Welt anzugehen. Meine Autorität liegt nicht in mir, sondern in dem, der sich an mir verherrlicht.

Wo ich diese Gnade nicht annehme, wird aus Herrlichkeit Gottes, der Nebel des von Gott-getrennt-Seins. Belastete werden nicht frei sind und bleiben in menschlichen Belangen gefangen.

Ein heiliger Schauer durchzuckt mich, wenn ich meine ein Diener der ganzen Schöpfung zu werden und dabei feststelle, dass mir das ganze Leben dient. In dem Moment, wo mir diese Heiligkeit bewusst wird, erkenne ich, wie alles was im Leben geschieht, vor mir auf die Knie geht und mir dient. Mich erfasst ein wildes Beben, dass alle Krankheiten, Schicksalsschläge, und Schmerzen, die mir zu Füßen liegen, durch mich zum Jubel verwandelt werden wollen. Meine Kreuzwege, wollen meinem Heil dienen und willkommene Wegbegleiter sein, die einen neuen Himmel und eine neue Erde in dieser Welt sichtbar werden lassen. Wir sind Menschen dieser Erde, die sich Gott zu heiligen Kriegen in dieser Welt gemacht hat.

An diese tiefe Wahrheit will uns dieses Wort erinnern.  Wir dürfen uns gegenseitig daran erinnern, dass wir zum heilenden Christus für eine wunde Erde gerufen sind. Gott hat dich und mich erwählt, eine Pipeline zu sein, Wohnung Gottes zu sein, durch die er die Welt erlöst.

 Ich verneige mich vor deiner Heiligkeit, die von dir zu mir kommt und den Jubel Gottes vermehrt.

Der intergalaktische Dreisprung

2.Korinther 9,6-8

In der Schule lernten wir stolz, mathematische Wahrheiten, wie den Satz des Herrn Pythagoras. Katheten und Hypotenuse in einem rechtwinkligen Dreieck stehen in einer ausgeglichenen Beziehung zueinander. Die am rechten Winkel liegenden Seitenlängen im Quadrat zusammengezählt, haben den gleichen Flächeninhalt, wie die Fläche der gegenüberliegenden Seite. Ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Herrlich!

Im späteren Leben lernten wir die gehobene Finanzmathematik: Wer mehr ausgibt als er hat, sieht rot, oder irgendwann sogar den Gerichtvollzieher. Mathematik hat klare Gesetze. Haben sind gleich Einnahmen, Soll sind gleich Ausgaben. Wer ausgeben will muss im Plus stehen oder braucht einen Kredit. Wer mehr ausgibt als er hat, bekommt bald ein neues Zuhause: Unter der Brücke 5.

An diesem Gott-Vater-Dank-Fest wollen wir den intergalaktischen Dreisprung üben.

1. Weggeben = Überfluss

Er wird euch alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. Ihr werdet nicht nur selbst genug haben, sondern anderen von eurem Überfluss weitergeben können. 

Gott kennt den intergalaktischen Dreisprung. Er gibt sich hin und die Schöpfung läuft über. Das heißt: Full Service für über 7,5 Mrd. Menschen auf der Erde. Unser Planet ist prall gefüllt mit einem Willen zum Schenken. Da sind Schätze vorhanden, die eine ganze Weltbevölkerung nicht verbrauchen kann. Überflusses, und Reichtum für Alle. Alles trägt die Spuren von Verschwendung.

Der arbeitende Mensch steht in seinem Weinberg staunt über jede gesunde Traube. Es ist doch nicht selbstverständlich, dass die Fässer voll sind. Bei allem Mühen, das wir investiert haben, bleibt der Ertrag ein Geschenk. Welch ein Wunder ist jede Geburt. Solch ein kleines Menschenkind bringt den gottlosesten Atheisten in Verzückung. Nur der Narzisst käme auf den Gedanken zu sagen, das habe ich doch klasse gemacht. Bei allem was der Mensch schafft, offenbart sich etwas viel Größeres, das da wirkt. Auf allen Früchten und Lebensmitteln müsste eigentlich der Hinweis stehen: “Kann Spuren eines großartigen Machers enthalten.“ Oder „Achtung, das ist eine fromme Banane.“ In allem Arbeiten und Mühen ist mehr Gott drin, als draufsteht.

Auf geheimnisvolle Weise sind die Abläufe der Natur und der Schaffenskraft der Menschen, Ausdruck von Gottes Wirken. Das was wir haben und verbrauchen, haben wir, weil es in uns hineininvestiert wurde. Wir leben in einem natürlichen Kreislauf von empfangen und tun.  Voigt sagt: „Nichts, was wir tun, entsteht aus dem Nichts; alles ist ein Aufnehmen von dem, was Gott hineingelegt hat.“ Am Erntedank müssen wir mit Überfluss rechnen, mit dem, dass mehr rauskommt, als wir reinstecken.

2. Wenig = Nichts

Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten.

Mangeldenken bäckt kleine Brötchen. Kleine Ernte ist die Frucht von kleinem Denken. Wo Armut und Reichtum aufeinanderprallen, hat die Menschheit ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Wir könnten schnell die Kapitalisten für das Elend der Welt verantwortlich machen, die raffgierig alles an sich ziehen, doch die Problematik ist vielschichtig. Viele können nicht mit Überfluss umgehen.

Eine Studie besagt, wenn das gesamte Vermögen der Welt auf alle Menschen aufgeteilt würde, und jeder 5000,- erhielt, würden gleich nach ein paar Tagen wieder Unterschiede auftreten. Nach einem Monat hätten einige bereits wesentlich mehr und andere ziemlich wenig. Nach ca. einem Jahr wären die Verhältnisse wieder wie am Anfang.

Wenig säen ist wenig Vertrauen an das, was aus dem Leben zufließt. Wenig säen geschieht aus Angst, die Witterung könnte nicht passen. Wenig säen ist ein Festhalten an dem was ich habe, um das nicht auch noch hergeben zu müssen. Wenig säen, kommt aus einem armen Herzen, das ein armes Leben schafft. Wir bleiben bei dem was wir haben und bringen es recht und schlecht über die Runden. So rechnen Sorgen, nicht aber die Hoffnung. Wir können an einem Geist, der nur auf Sicherheiten pokert, zugrunde gehen.

Säen ist die totale Hingabe, ist das mit Leidenschaft austeilen für Neues, da kann nur reiche Frucht entstehen, wenn nicht zugehalten wird. Wer eine Kartoffel in den Boden steckt, braucht sich nicht wundern, wenn der restliche Acker voll Unkraut ist, wo Gott eigentlich eine satte Ernte hineinlegen wollte. Hingabe riskiert sich selbst und rechnet in der Ungewissheit, dass die Fässer überlaufen. Wir würden uns selbst betrügen, wenn wir das zurückhalten, was Gott vermehren will. Mit der Rechenart der Vorsicht und der Bedenken, erschaffen wir unsere eigene Armut.

3. Verschwendung = Vermehrung

wer aber viel sät, der wird auch viel ernten. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.

Nicht haben, sondern Geben schafft Leben. Wo Gott sät, fliegen Millionen Fallschirme von Pusteblumen im Frühjahr durch die Luft. 50 Millionen Samenzellen stehen für ein Baby am Start. Jesus Christus gießt einen Geist aus, im dem die Informationen der ganzen Schöpfung in uns verankert. Jesus schließt aller Welt die unendliche, himmlische Schatzkammer auf. Mit diesem Kapital dürfen wir wuchern.

Wir dürfen uns als Saatgut; für eine große Ernte betrachten. Wir selbst sind das Geschenk für die Erde, um sie mit Segen zu überfluten. Mit meiner Totalhingabe, mit meinem mich selbst loslassen, beschenkt Gott diese Welt. Erntedank ist Dankbarkeit über dem, dass alles da ist, um es zu verschwenden.

Wenn Überfluss nicht fließt, entsteht Minus. Wo wir aus der Angst, wir hätten selbst zu knapsen uns zurückhalten, halten wir auch den sich verschwendenden Christus zurück, der die Welt segnen will. Wo wir auf das schauen, was wir haben und leisten können, rechnen wir nur mit dem kleinen Einmaleins. Doch Erntedank lädt uns zu einer Verschwendungs-Rechenart ein. Wir säen ein Saatgut, aus dem viel mehr rauskommt, als wir von uns selbst wahrnehmen.

Marianne Williamson beschreibt traumhaft dieses reichlich säen:

„Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen, nützt der Welt nicht. Es zeugt nicht von Erleuchtung, dich zurückzunehmen, nur damit sich andere um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir alle werden ermutigt, wie Kinder zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in unserer Saat liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht nur in einigen, sie ist in jedem. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.“

Dieser intergalaktische Dreisprung will uns zur glaubensvollen Hingabe einladen. Gott-Vater-Dank will uns inspirieren, selbst die größte Gabe für diese Welt zu sein.

Spring ins kalte Wasser

Luk. 17, 5-6

In meinem Urlaub war ich 14 Tage im Kloster Helfta, um unter anderem an einem viertägigen Stille Seminar teilzunehmen. Das Frühstück gab es an einem reichhaltigen Buffet im angrenzenden Hotel. In den letzten Tagen meines Aufenthaltes gesellte sich eine fremdländische Gesellschaft an den Nachbartisch, die mich immer freundlich begrüßte. Von den Schwestern des Klosters erfuhr ich, dass am diesem Samstag eine deutsch/spanische Hochzeit in der Kirche stattfindet. Neugierig wie ich bin, wollte ich als Zaungast dabei sein, und erlebte dabei die freundlichen Leute vom Frühstück. Vor der Trauung kam plötzlich der diensttuende Priester durch den Mittelgang ganz nach hinten auf mich zu und wollte mich mit bei der Feier engagieren. Dankend lehnte ich ab, weil ich die Form nicht kannte und nur als Beobachter dabei sein wollte. Später ärgerte ich mich über mein Nein und die verpasste Gelegenheit, diesem Brautpaar noch etwas mitgeben zu dürfen.

1. Mir schlottern die Knie

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!

Es stresst uns, wenn immer neue Herausforderungen in unseren eh schon brechend vollen Tagesablauf hereinplatzen. Wir haben ein Problem damit, Wege zu gehen, bei denen wir hinten und vorne nicht absehen, wie das ausgehen wird und funktionieren soll. Wir scheuen, wenn wir vor eine große Menschenmenge treten sollen und mit dem sichtbar werden, mit dem wer wir sind. Immer ist da diese Angst, der Situation nicht gerecht zu werden. Die Angst zu versagen, überfordert zu werden oder das Gesicht zu verlieren. Wenn Ungewohntes kommt, ist da immer dieser Schreckmoment in uns, der uns kneifen lässt.

Als Jünger mit Jesus unterwegs zu sein ist der pure Stress. Da kommt so vieles, von dem sie keine Ahnung hatten, wie das gehen soll. Lahme aufstehen lassen, Dämonen austreiben, Sünden vergeben, Licht zu sein und den Blinden die Augen zu öffnen. Alles faszinierende Aufgaben, für die es menschlich keine Referenzerfahrungen gibt. Dinge, bei denen der Verstand rotiert und fragt: Wie geht das? Es entsteht der Eindruck, dass Reich Gottes etwas revolutionäres auf dieser Erde ist, doch für Menschen nicht machbar. Bei diesem Programm wird der normale Mensch mit seiner Ohnmacht, mit seiner Angst, mit seiner Hilflosigkeit konfrontiert.

Jesus operiert hier in einer Dimension, die für uns jenseits von Gut und Böse ist. Da geschehen Dinge, die gehen eigentlich gar nicht. Da steht selbst der mutig Glaubende mit dem Rücken an der Wand. Jesus betrachtet etwas für selbstverständlich, wo bei mir die Knie schlottern. Lieber Gott, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht mitgekommen. Du stresst mich total, mit dem was du von mir erwartest. Das kann dann nur mit dem verzweifelten Hilfeschrei enden: „Stärke meinen Glauben.“

2. Lass dich fallen

Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!

Hoppla, was ist das für eine Antwort? Er führt die Unmöglichkeit vollends ins Absurdum. Kinder, was habt ihr nur für eine Vorstellung von Glauben? Ihr verwechselt da gerade etwas gewaltig. Wenn ihr von großem und kleinem Glauben sprecht, seid ihr voll in eurem Verstand. Ihr versucht mit Logik zu erfassen, was nur mit Vertrauen funktioniert. Ihr definiert das was Gott ist, mit etwas, was in eure Ratio passt. Merkt ihr nicht, dass ihr gerade das Unendliche in euer irdisches kleines Schema presst? Das weltbewegende Gottesereignis, ist doch nicht von eurem Tun abhängig. All das was von Gott im Leben möglich ist, unterliegt keinerlei menschlichen Begrenzungen.

Bleibe nicht bei dem stehen, was du abschätzen kannst und für möglich hälst. Höre auf mit deinem Rechnen und Kalkulieren, wo es um mein Reich geht. Jesus nimmt aus allem Leistungsdenken den Dampf raus. Im Senfkorn liegt die Gewalt eines Vulkans. Dein minimaler Beitrag erschafft die ganze Welt. Es braucht einen Klacks, um Berge zu versetzen. Durch dich geschehen Wunder auf der Erde. Vergiss dabei, dass du dazu viel beizutragen hast. Du brauchst dich nicht verrückt machen. Du brauchst dir nicht alle Beine herausreißen. Du brauchst dir nicht in die Hose machen, ob das geht und du das schaffen wirst.

Das Einzige was dazu nötig ist, ist ein winziger Glaube. Es ist die schlichte Kunst, dem Leben zu vertrauen. Gib dich hin und vertraue, das andere wird schon. Wenn du dich fallen lässt, fällt dir alles Leben zu. Das Unfassbare im Leben geschieht, wo ein Herz vertraut und losgeht. Atemberaubende Schöpfungsereignisse sind die Antwort auf eine Seele, die sich hat fallen lassen.

3. Du wirst Wellen schlagen

…und er würde euch gehorsam sein.

Gott ereignet sich im glaubenden Herz. Alles was Gott von der Erschaffung der Erde, bis zum Ende der Welt möglich ist, ist durch uns möglich. Dem Glauben gehorcht die Schöpfung. Das vertrauende Herz kann sagen: Es werde und es ward. Das wird der Verstand nie kapieren, nur ein glaubendes Gemüt erleben.

Jesus legt uns die ganze Welt zu Füßen. An anderer Stelle sagt er: ihr werdet viel größere Dinge tun, als ich sie getan haben. Wir haben vor 50 Jahren mit nichts angefangen und heute steht hier ein Millionenprojekt. Am Anfang war es hirnverbrannter Wahnsinn, aber so geht Glaube. In dem Moment, in dem ich Gottvertrauen wage, darf ich meine Selbstzweifel hintenanstellen.

Der Glaube, zu dem wir hier eingeladen werden, ist das kühne Wagnis, dem Leben bedingungslos zu vertrauen, auch gerade da, wo mir die Wellen ins Gesicht schlagen. Jesus ermutigt uns, in den Herausforderungen des Lebens, nicht beim Knie schlottern stecken zu bleiben. Er lädt uns ein zu springen, sonst würde Reich Gottes Menschenwerk bleiben.

Die Kirchen werden leerer, weil niemand mehr da ist, der zum Vertrauen ins Leben einlädt, weil ein Geist, der über die Niederungen erheben will, ohnmächtig auf den Kirchenbänken kleben bleibt. Wo das Vertrauen in Leben fehlt, kann nicht sichtbar werden, was Gott möglich ist. Da bewegen sich die Glaubenden nur noch wie Adler, denen die Flügel gestutzt wurden. Wo dieses Vertrauen fehlt, bleiben wir in den Überforderungen des Lebens stecken, und verbieten den Schöpfungskräften, uns zum Wunder werden zu lassen.

Du bist das Senfkorn, das die Welt bewegen kann. Das ganze Leben wartet darauf, dass du die Vollmacht Gottes ergreifst, die dich über deine Ohnmacht erhebt. Es ist uns viel mehr anvertraut, als wir je zu glauben wagen. Du bist das Wunder, in dem Gott diese Erde betritt. Springe ins kalte Wasser, gegen alles bessere Wissen.

Sei wie Christus

Text: Eph. 2, 8 – 10

Große Persönlichkeiten zeichnen sich durch „Ihr Werk“ aus, das sie der Welt hinterlassen haben. Oft lässt sich dies an einem Punkt festmachen. Gandhi für die Befreiung Indiens, Mutter Theresa für ihren Dienst unter den Ärmsten der Armen, Luther für die Reformation der Kirche, Mandela für seinen Widerstand gegen die Apartheit, Albert Schweizer als der Urwaldarzt, oder Viktor Frankl für eine sinnzentrierte Psychotherapie. Was sie gemeinsam auszeichnet, ist die Idee von einer Sache, die jeder für sich im Herzen trug. Sie verzettelten sich nicht in alle möglichen Aufgaben, sondern folgten dem einen Gedanken, der sie zutiefst bewegte.

Wir spüren heute dem nach, was unser Werk ist.

1. Tritt einen Schritt zurück

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,  nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Eine gesunde Persönlichkeit hat ein starkes Ego. Wir kommen auf diese Welt und haben als Kind noch keine Vorstellung, von dem wer wir sind. Wir sind einfach da und haben noch keine Persönlichkeit. Im Laufe der Zeit entwickelt sich unser Ego, mit der Absicht, jemand zu sein. Dieser Prozess ist ungeheuer wichtig, zu einem starken, Ego zu kommen, um eine standfeste Persönlichkeit zu werden. In diesem Wunsch, jemand zu sein, erkennen wir uns selbst, was der Schlüssel zur Gotteserkenntnis ist. Wo wir diesen natürlichen Prozess der Ich-Bildung unterdrücken, kann sich keine gesunde, starke Persönlichkeit entwickeln.

In der christlichen Erziehung wurde diese Entwicklung oft als ungut gebrandmarkt. Wo sich das Ego als aufständisch zeigte, wo sich Widerstand regte, wurde es verteufelt. Das Ego darf nicht sein und ist von Grund auf schlecht. Unbewusst entstanden Menschen, die sich nie an Widerständen mit dieser Welt reiben mussten und zu frommen, ach so lieben Leisetretern wurden.

Wo jedoch ein Prozess zu einem gesunden Ego stattfindet, entstehen Menschen, die zu unterscheiden und zu stehen gelernt haben. Am Höhepunkt dieser Ego-Entwicklung geschieht die entscheidende Wende. Wo ich mich als ganzer Mensch dieser Erde wahrnehme, erkenne ich mich in einem viel größeren Zusammenhang. Das Ich erkennt die Gnade, nicht als Angelpunkt in der Welt zu stehen, sondern von einer ganz anderen Welt durchdrungen zu sein. Der Höhepunkt meiner Selbsterkenntnis wird zu Gotteserkenntnis. Ich erkenne mich nicht mehr in meinem Ich, sondern in meinem Selbst, das mit Gott in Verbindung steht. Hier wird mir bewusst, ich bin eine Gabe Gottes. Ich erschaffe nicht ein Werk, sondern Gott erschafft mit mir sein Werk.

Um so zurücktreten zu können, muss ich in der Erfahrung des ganzen Ichs gewesen sein. Ich kann mich nicht von etwas zurücknehmen, in dem ich nicht zuvor voll angekommen bin. Wo wir bewusst zurücktreten, beginnen Gottes Gaben in uns zu leuchten. Wo wir uns selbst zu wichtig nehmen, wo wir meinen, es hängt alles von meinem Einsatz ab, können wir nicht zu dem Werk werden, wozu uns der Glaube bewegen will.

 

2. Es ist alles bereit

Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat,

Wo wir uns als Gottes Werk begreifen, steht unser Dasein unter einem viel größeren Horizont. Da geht es gar nicht mehr um mich. Da geht es um den Ich bin, der über Himmel und Erde gesprochen hat: Es werde. Ich bin ein Teil von diesem Ich bin. Ich bin eine Idee, die der Schöpfer ausgebrütet hat. Ein Liebesgedanke, der von dem Allmächtigen auf die Erde geworfen wurde. Er erschafft sich dafür Hände und Füße, in denen er diese Erde betritt. Wir sind sichtbar gewordene Liebe, die im Chaos gelandet ist. Wir sind zur Materie gewordene Allgegenwart Gottes. Alles was Gott ist, was er je war und sein wird, will sich an diesem Stückchen Fleisch, das wir sind, offenbaren.

Der Gott, der ewig ist, lebt bereits jetzt in der vollkommenden Vollendung all dessen, was einmal sein wird. Für ihn ist erfüllt, was sich für uns noch im Werden befindet. Seine Weisheit kennt den Ausgang unseres persönlichen Lebens und der ganzen Welt. Für ihn gibt es nichts, was nicht schon vollkommen da wäre. Das Leben, in das wir hineingeboren wurden, trägt das heilige Motto: Es ist alles bereit. Meinem Werk muss nichts hinzugefügt werden. Es braucht nur auf die Welt gebracht werden.

Christus hat dieses Werk auf die Erde gebracht. Der Geist von Christus, will es durch uns auf die Erde bringen. Wo dieser Geist durch eine Person weht, wird sie zu Gottes Persönlichkeit. Solange wir glauben, wir müssten uns alle Beine herausreißen, um das Werk Gottes auf die Erde zu bringen, leben wir noch im Ich unserer menschlichen Persönlichkeit. Wo wir meinen, unser gnadenloser Einsatz sei es, der dieses Werk entfaltet, leben wir in unserem unerlösten Ich. Unter dem Geist Christi entspannt sich aller selbstgemachte Kampf, in dem wir lediglich das zur Welt bringen, was längst bereitet ist.

3. Brings auf die Straße

wir sind sein Werk, dass wir darin wandeln sollen.

Gesunde Persönlichkeiten sind solche, die durch sich etwas Größeres entstehen lassen als sie selbst sind. Sie treten so weit zurück, um dem Raum zu geben, was sie innerlich antreibt. Sie erkennen so stark sich selbst, dass sie darin die Gnade Gottes erfahren, die ihnen wirklich zeigt, wer sie sind. Der Geist Christi ist die zarte Stimme in unserer Seele, die die Sehnsucht nach dieser Erfahrung weckt. Was Gott zur Welt bringen will, spielt sich auf ganz feine Weise in uns selbst ab. Ein hörendes Herz spürt dem nach, wozu es der Geist drängt. Es sind die Dinge, die uns unter den Nägeln brennen. Sie liegen gar nicht so weit außerhalb von uns. Es sind die Spuren unserer Leidenschaft, die das Barometer für die Gaben Gottes ist. Wir dürfen viel mehr in uns hineinlauschen, wohin der Geist uns drängt.

Oft haben wir das, was in uns leben will so stark verdrängt, dass wir schon ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn da in uns ein Gedanke aufsteht. Wo wir den Entwicklungsprozess unseres Ichs nicht offen geführt haben, tun wir uns schwer, wenn sich in uns eine rufende Stimme regt. Wir stehen dann leicht in der Gefahr, wenn sich der Geist, durch irgendeine Gabe in uns regt, ihn als Anflug unseres Egos abzuwehren.

Christus ermutigt uns, dem tiefen Anliegen, das Gott in uns eingepflanzt hat, Raum zu geben. Er lädt uns ein, seinem Beispiel zu folgen und gegen alle Widerstände von außen und alle Anfechtungen von innen, das Heil in die Welt zu tragen. Es ist uns vorangegangen, wie Gottes Persönlichkeiten, ein Gespür dafür entwickelten, was Gott durch sie erschaffen will. Er suchte diese stillen Räume auf, in denen er sich von der Stimme Gottes durchdringen und bewegen ließ. Damit entstand in dieser Welt das einzigartige Erlösungswerk Gottes, das Menschen dazu befreien will, das Werk Gottes auf die Welt zu bringen.

Was glaubst du, was Gott durch dich geboren werden lassen will?

Sei wie Christus.

Unerschütterlich

Matthäus 7, 24-27/ Br. Markus

„Mir passiert sowas nicht“ hab ich immer gedacht. Aber – o Schreck – auch uns wurde in Frankreich das Auto gestohlen, auch uns ist das Haus abgebrannt, auch uns hat der Hagel die Gärtnerei platt gemacht.

Wer hätte das gedacht! Man kann versuchen, es zu ignorieren, zu überdröhnen oder davonzulaufen. Besser wird des davon nicht. Natürlich – ein deutscher Junge weint nicht. Heutzutage heißt es: Es lebe der Sport, er ist gesund und macht uns alle hart. Und wer richtig modern sein will, zelebriert ein Aufstehritual, das in unschlagbar macht. Im Esotherikshop gibt es hochwertige Angebote, aus ganz eigener Kraft Macht zu generieren, der keine Macht der Welt etwas anhaben kann. Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl ….

Ich predige heute das Angebot der Bibel, das deutlich preiswerter ist und vor allem besser funktioniert.

„Das kluge Angebot“ nennt es Jesus. Wer klug ist, ist
 

1. Auf Wassermassen gefasst

Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt …

Zuallererst räumt Jesus einen weitverbreiteten Irrtum aus. Es  steht nirgends geschrieben, dass man nicht nass wird an Gottes Seite. Ganz im Gegenteil. Auch der Glaube kommt in den Sturm –  nicht selten und so stark, wie alle anderen auch. Gerade wer glaubt, stärker als der Sturm zu sein, wird weggespült.

Die Autobahn A 61 ist von Meckenheim bis Kerpen gesperrt. Ein Arzt, der sich mit seiner Frau auf einen Baum retten konnte, musste zusehen, wie Frau und Kind von den Fluten mitgerissen wurden, weil sie sich nach mehreren Stunden auf dem Baum nicht mehr festhalten konnten. Dieser Tage bei Erftstadt. Unglaubliche Zerstörungskraft des Wassers. Das Schicksal schlägt so grausam zu, dass Worte fehlen, zu erklären warum oder wozu. Es muss nicht einmal die große Sintflut sein. Es gibt immer wieder Ereignisse im Leben, die eben nicht mit Parolen oder Strategien zu bewältigen sind. Die Wassermassen sind stark, nicht nur stark, sondern stärker – mindestens als ich.

Jeder, der das ignoriert, baut auf Sand. Der Glaubende ist nicht so stark wie der Sturm, in den er geraten kann. Christus predigt nicht den sanften Höhenflug, weil er weiß, wie wenig das tragen kann. Ganz sicher sind wir stark, aber wir sind nicht so stark wie der Wind, der uns ins Gesicht bläst. Wer behauptet, stärker zu sein, gleicht einem Narr, der seine Patente anpreist. Christus differenziert scharf, erschreckend und unzumutbar – wie viele meinen. Er erzählt nicht nur das Positivbeispiel vom felsigen Untergrund, sondern gleichzeitig das Negativbeispiel vom Sand, den es wegschwemmt.

Es geht nicht um Meteorologie oder Statik, es geht um unser Selbstbewusstsein. Wer ist stärker – der Sturm oder ich? „Das Gute, das ich tun will, tu ich nicht“ sagt Paulus an anderer Stelle in der Bibel. Da schimmert etwas durch von jenem klugen Bewusstsein, das Christus meint. Es drückt sich auch aus in unserem Werkssymbol, dem Bettler. Der Sturm ist stärker als ich. Ich brauche einen, der mich festhält, der mir stehen hilft, wenn der Boden unter den Füßen bebt, wenn ich mich selbst nicht halten kann. Der Sturm ist stärker als ich. Er wird mich wegschwemmen, wenn ich keinen Stabilisierungsfaktor habe, der mich hält und hebt, aus den Wassermassen heraus.

Es wäre eine Verhöhnung aller, die Durst haben nach der Gerechtigkeit Gottes, wollte man ihnen unterstellen, nicht richtig geglaubt, gelebt oder gebetet zu haben. Es wäre eine Verhöhnung der Trauernden, wollte man ihnen sagen, dass ihnen nur die richtige Einstellung fehlt. Auch in sehr, sehr frommen Kreisen kann das passieren, wenn vergessen geht, wie stark der Sturm des Lebens ist. Klug ist, wer sein eigenes Kampfgewicht richtig einschätzt.

Der christliche Glaube hilft uns, uns als Bettler zu sehen, als Leichtgewicht, als die eigentlich Unterlegenen – wie David gegen Goliath. Ich bin derjenige, der Hilfe braucht. So, und nur so, kann ich die Welt retten.

Als Bettler werde ich zum

2. Haus, auf Fels gebaut

„Wer meine Worte hört und danach handelt“ sagt Christus.

„Der Glaube ist Ernüchterung, nicht Narkotisierung“ sagt Voigt.

Genau das ist Spannungsfeld. Wer das Wort hört und versucht, zu tun wird erkennen, dass es gar nicht so einfach ist. Es ist das Wort Gottes, das uns realitätsfähig macht, die ganze Wahrheit über uns selbst zu erkennen, die ungeschminkte Wahrheit, die, die außer mir nur Gott kennt – eben darin, dass ich ein Bettler bin, einer, der Energie braucht, einer der es vergeigt hat. Das Wort ist immer Wahrheit, somit Wahrheit über mich, der sich so gerne selbst betrügt und lieber viele kleine Lügen glaubt über sich und den Rest der Welt. Kein Mensch vermag, die Ansprüche der Bergpredigt in die Tat umzusetzen. Wir bleiben dabei immer auf Unterstützung angewiesen. Den Nächsten so zu lieben wie mich selbst kann nur durch die Kraft Gottes geschehen. Hören und tun gelingt nur mit außerirdischer Kraft. Das Haus meines Lebens kann nur stabil stehen, wo Gott selber es hält.

Ich bin dazu definitiv zu sandig. Das Wort wird da zur Tat, zum Fels, wo ich mich selber zugeben kann als einer, der es nicht kann. Das Wort kann nur zum Tatwort werden, wo ich mich als den Bettler sehe, der ich bin. Das Wort will diese Klugheit in mir gründen, die Bescheidenheit wecken, nicht mehr zu sein, als ich sein kann. Es will aber auch so unbescheiden sein, all das zu ahnen, was Gott in mir und durch mich wirken kann, was soviel mehr ist, als ich im Augenblick sehe.

Hören und Tun ist ein Gemeinschaftsprogramm – so wie Stahl und Beton. Der Beton wird stabiler durch Stahl – und umgedreht. Hören und Tun ist Gottes Statikprogramm für die Welt. Natürlich fängt es mit dem Hören an. Wer nicht hört, tut vielleicht nichts oder das Falsche. Hören ist da die halbe Miete, gerade in einer Zeit, in der jeder am liebsten auf sich selber hört und auf seine innere Stimme, die man ganz bequem zur Stimme Gottes erheben kann.

Gerade hier kommt dem Gottesdienst und der Predigt eine entscheidende Aufgabe zu, dem Bruder und der Schwester, gerade darin, dass man auch mal was hört, was eben nicht aus dem eigenen Bauch kommt. Die Bibel will keine Gebrauchsanweisung sein, die im Handschuhfach des Autos verstaubt. Viel mehr ein Ratgeber, in dem man nachschlagen kann, eine Inspirationsquelle aus außerordentlichem Raum. Wort Gottes kann aber auch von jemand kommen, dem wir es gar nicht zugetraut hätten. Es gibt eben kein Schema. Das ist das Außerordentliche daran. Es sucht unsere Zustimmung und unseren Arm, um stark zu werden in der Welt, zur Tat, nicht zum Programm oder zum Traum.

Es will ganz schweißtreibend getan sein – von alleine tut es sich nämlich nicht. Wort ohne Tat und Tat ohne Wort tut leider nicht, ist nicht mehr als eine Ideologie unter vielen – oder einfach nur ein nettes religiöses Konzept. Zum Fels wird Gottes Wort mit uns und durch uns, mit unserer freundlichen Unterstützung. Wir sind der Stahl im Beton oder der Beton um das Stahlgerüst – egal, wie man es sehen will. Wort und Tat ist das Mitmachprogramm für Menschen aller Art. Es braucht weder exklusive Sitzungen noch eine spezielle Atemtechnik. Es reicht eine ganz normale Bereitschaft, mit anzupacken, wenn Gott die Ärmel hochkrempelt – zu aller erst bei ganz normaler Arbeit. Da kann es eine heiligere Handlung sein, den Hof zu kehren, als auf Wolke 7 auf höhere Inspiration zu warten. Der Glaube an Gott packt mit an am Elend der Welt, ganz egal, wo es herauseitert, wo es uns sprachlos macht, wo es uns wegfegt, den Atem raubt, die Sicht nimmt, genau dort wird es das, was es ist: das Tatwort von dem, der gesprochen hat: Licht werde! und Licht ward. Wort und Tat kann nur in ihm zur Einheit werden, die wir vermissen in unserer Zerrissenheit.

„Es geht nicht um christliche Prinzipien, nach denen die alte Welt moralisch umzufrisieren wäre“ sagt der Theologe Voigt, „weil das Neue nur darum geschieht, weil Jesu lösendes Wort an die Sünder vernehmbar wird und nun wirklich Menschen aus dem Leerlauf und Krampf ihres Daseins als Zöllner und Sünder herausholt.“

Überall, wo das geschieht, entsteht fester Boden, Fels, auf dem die Kirche steht. Es macht uns nicht unschlagbar. Es macht uns nicht unerschütterlich. Es macht uns nicht flink wie die Windhunde. Aber es macht uns gewiss, auf festem Boden zu stehen. In diesem Sinne sind wir unerschütterlich. Amen.

Du bist betörender Duft

Kor. 6, 12-15

Die Rose

Liebe ist, wie wildes Wasser

Das sich durch Felsen zwängt

Liebe ist, so wie ein Messer

Das dir im Herzen brennt

Sie ist süß und sie ist bitter

Ein Sturmwind und ein Hauch

Für mich ist sie eine Rose

Für dich ein Dornenstrauch

Doch vergiss‘, nicht den Zweig dort

Der beinah‘ im Schnee erfror

Blüht im Frühjahr eine Rose

So schön wie nie zuvor (Amanda McBroom)

Für die einen verkörpern Rosen Poesie, Sinnlichkeit, atemberaubende Schönheit und Symbol der Liebe, für den Blumenhandel sind sie Bundware, klassifiziert nach Länge, Gewicht und Reifegrad.

Wie klassifizieren wir einen Menschen in seiner wahren Bedeutung? Lassen wir uns mitnehmen in eine kleine Wertsteigerung, für das bisher gewohnte.

1. 54 gr & 70 cm

Es ist alles erlaubt«, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht alles gut. Ihr schreibt: »Das Essen ist für den Bauch, und der Bauch für das Essen. Das ist schon richtig. Aber es bedeutet nicht, dass Gott uns den Körper gab, damit wir sexuell unmoralisch leben!

Ein Liebhaber, der seiner Angebeteten eine langstielige rote Rose kauft, möchte nicht 70cm grünen Stiel mit Blättern und oben einer roten Knospe drauf, die aus hunderten Einzelblütenblättern besteht. Seine 3,50 € investiert er für die Magie, die von dieser Rose ausgeht. Ihn interessiert auch nicht, ob diese Blüte in 10 Tagen wieder verblüht, sondern es zählt der jetzige Moment, der für zwei Menschen das Leben verändert.

Wir selbst identifizieren uns jedoch ständig mit unserem Körper. Wir betrachten uns wie der Rosenhändler seine Ware, die ihm zum Lebensunterhalt dient. Wir haben einen Körper, also sind wir der Körper. Jedoch bei unserem Auto gelingt uns die Unterscheidung besser. Da geht jeder in die Garage und sagt: Ich habe ein Auto, mit dem ich jetzt von Dettingen nach Stuttgart fahre. Keiner würde sagen: Ich bin das Auto, weil es selbstverständlich einem Zweck dient. Ich gebe diesem Fahrzeug den richtigen Sprit, Öl, dass es mich optimal von A nach B bringt. Bei unserem Körper verfallen wir oft lebenslänglich der Illusion, wir sind dieser Körper, ohne zu erkennen, dass darin viel Größeres lebt.

   „Wer sich mit seinem Körper identifiziert, sieht auch andere mit ihren Körpern, schreibt Simon Bartholomé. Das Bild, das wir von uns selbst haben, übertragen wir auf die Menschen, denen wir begegnen. Das ist ein fiktives Bild, das niemals den wahren Wesenskern des Gegenübers erfasst. So sehen wir unser Gegenüber, durch den Schleier unserer Gedanken, welche durch unsere Vergangenheit geprägt, immer voreingenommen sind. Wir sind dadurch nicht in der Lage, das Wunder des Seins zu erkennen, das in jedem Menschen verborgen ist – das Wunder, das jeder Mensch ist.“ Unser Körper ist das wertvollste Geschenk von Gott, in dem er sich selbst in uns offenbaren will.

Wir dürfen nun in das größte Geheimnis unseres Daseins eintauchen.

2. Deine wahre Schönheit

Vielmehr wurde unser Körper zum Dienst für den Herrn geschaffen. Deshalb ist es Gott nicht gleichgültig, wie wir damit umgehen.

Der eigentliche Wert der Rose liegt in ihrer unorganischen Bedeutung. Es ist ihr Sinn, nicht ihre Substanz. Sie ist für die Freude, Liebe, Freundschaft, Hingabe und mehr gewachsen. Für diesen edlen Zweck wird sie gezüchtet, blüht sie auf und landet dann auf dem Kompost. Der Mensch wird geboren, entwickelt sich bis zum Altwerden und tritt dann wieder von dieser Bühne ab.

Für diesen Prozess investieren wir unsere ganze Kraft, ohne irgendwann mal die Frage zu stellen: Wem dient diese Blüte, die ich bin? Für wen oder was gehe ich über diese Erde?

Sobald ich mich selbst erkenne, erkenne ich Gott, der meinem Leben eine Bedeutung gegeben hat. Ich werde wie Maria zum Gefäß des Schöpfers: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Ich bringe Christus zur Welt. Damit offenbart sich der Lebenszweck. Ich lebe nicht für mich selbst, sondern mein Selbst wird zu Gott, der dieser Welt dient. Ich bin für die Co-Kreation des Himmels mit der Erde geschaffen. Mein Körper dient dem Ewigen.

Um dem Wert meines Körpers nachzuspüren, werden wir ermutigt, unsere Duftnote nicht mit unserer Substanz zu verwechseln. Wir sind eingeladen auf die Stimme in uns zu lauschen, die genau weiß, für was wir gedacht sind. Wo wir dem stillhalten, was in uns leben will, öffnen wir uns der Gottesoffenbarung in uns. Damit steigt die Hochachtung vor dem Heiligen, das in diesen Körper wohnt. Er atmet die Wertschätzung ein, dass er der Tempel Gottes ist.

Wer sein Heiliges Blechle pflegt und schätzt, der schüttet kein Bacardi-Cola in den Tank. Er wird sich auch hüten, ein Isolierband über die Ölkontrolllampe zu kleben, wenn sie aufblinkt. Deine wahre Schönheit erkennst du, wenn du deinen heiligen Zweck erkennst. Damit ergibt sich die Körperpflege von selbst. Da liebe ich den Körper, der mir geschenkt ist. Ich versorge ihn mit dem Besten, um ein gut funktionierendes Werkzeug zu sein. Da achte ich darauf, was ich esse, was ich trinke, wie ich mich bewege, wie ich meine Gedanken lenke, um der Lebendigkeit, dem Leben und der Hoffnung zu dienen.

3. Inspiriere lustvoll

Mir ist alles erlaubt, aber ich will mich nicht von irgendetwas beherrschen lassen.  Denn Gott wird uns durch seine Kraft vom Tod zum ewigen Leben auferwecken, so wie er Christus, den Herrn, auferweckt hat.

Wo du dich nicht als deinen Körper begreifst, sondern als die Gabe Gottes für die Menschheit, beginnt das große Erwachen. Du identifizierst dich nicht mehr mit dir, mit deiner Form, sondern wirst zur Vision Gottes, die er für das Leben hat. Wo wir uns über unseren Leib definieren, sind wir auf der Ebene des sterblichen Lebens. Wo wir aufstehen und erwachen, lebt in uns der Geist von Christus, der aus dem Leibe dieses Todes erlöst hat.

Ja, uns ist alles erlaubt, wir können unser Dasein auf der rein materiellen Ebene begreifen und gestalten. Wir können genießen und unser Schäfchen ins Trockene bringen, doch das nächste Hochwasser, stürzt dieses Dasein in die puren Existenznöte. Wenn wir von Christus auferweckt sind, können uns die rein körperlichen Belange nicht mehr beherrschen. Da kann ich mit viel oder wenig leben. Da erlauben wir uns, Inspiration zu sein. Da werden die Schritte, die wir heute gehen, die Zukunft der Menschen verändern. Damit steht mein Leben unter der ewigen Perspektive Gottes, und wird für viele heilsame Wege aufzeigen. Da trägst du und ich zur Lösung der Probleme auf dieser Welt bei.

Wie wäre es, wenn du dazu erwachst und mit Freuden das machst, wozu du gedacht bist und deine Gaben in die Waagschale wirst? Du gehörst zu dem ewigen Netzwerk des Lebens, das dich erschaffen hat, um genau in dem Design, in dem du bist, mit deinen Fähigkeiten und Erfahrungen, in dieser Welt Lichter anzuzünden. Entdecke dich als einen heiligen Wegbereiter, der ab jetzt Part der Lösung ist. Stell dir vor, wie du morgen aufwachst und nicht nur für dich lebst, sondern für alle kommenden Generationen. Du bist die Inspiration für die wahre Schönheit der Menschen in eine unvergängliche, erfüllte Zukunft.

Welches Problem will Gott mit mir lösen? Erlebe dich in deinen Körper und sieh, welchem Erwachen er dienen soll. Weil diese Zukunft Gottes in dir lebt, will sich deine Duftmarke in die Welt verströmen. Was wir bisher an Gutem und Schweren erlebt haben, sind die Schätze, die alles Leben aufatmen lässt. Wir sind eingeladen mit unserem ganzen Leib und Leben den Geist Christi zu versprühen. Spüre deinen Körper und nehme den nächsten Atemzug ganz bewusst in dem Gefühl, dass du nicht nur für dich atmest, sondern betörender Duft für alle Menschen bist.

Kreuz, ich liebe dich

1. Kor. 1, 23-25

Wir Menschen leiden. Das ist keine spektakuläre Neuigkeit, sondern eine altbekannte und völlig offensichtliche Tatsache, mit der wir immer wieder konfrontiert werden. Dabei gibt es ganz verschiede Arten von Leiden. Wenn ich abends zu viel gegessen habe, dann leide ich unter Schlafstörungen, weil mein Magen Schwerarbeit leisten muss. Wenn ich unter einer Maskenpflicht leide, leide ich unter meiner persönlichen Auffassung, die ich zu diesem Thema habe. Es gibt Leid, das wir uns selbst und anderen zufügen, das nicht mit dem Leid zu tun hat, das wir heute anschauen wollen.

1. Das verstehe ich nicht

Am Kreuz sterben, ist für die Juden eine Gotteslästerung und für die Griechen blanker Unsinn.

Wie kann ein Gott der Liebe, soviel Leid auf dieser Erde zulassen? Wer will in einem Folterwerkzeug wie dem Kreuz schon etwas Gutes erkennen? Zu allen Zeiten haben die Menschen ein Problem mit dem Kreuz. Gott und Kreuz passen überhaupt nicht zusammen. Selbst die Theologen beißen sich an der Theodizee-Frage die Zähne aus und verstummen, weil sie keine schlüssige Antwort finden. Der menschliche Geist läuft Amok, über der Vorstellung, dass Gott wohl blutrünstig ist. Unser Harmonie-Verständnis vom lieben Gott, wird auf das heftigste erschüttert.

Was soll darin für ein Sinn liegen, wenn der Sohn mit 16 vom LKW überrollt wird, zwei Jahre danach der Mann stirbt, die Schwester gerade 44 wird und ein neuer Lebenspartner 15 Jahre später, innerhalb weniger Wochen von einem Bauchspeicheldrüsenkrebs dahingerafft wird? Zurück bleibt eine kontaktfreudige Frau, die sich im Kirchengemeinderat und Prädikantendienst engagiert und tiefe Einsamkeit verspürt. Der normale Mensch kann so etwas nicht verstehen.

Selbst bei Juden und Griechen, bei Frommen und Heiden, ist das Kreuz ein Dorn im Auge. Leid ist schlecht. Leid muss bekämpft und weggebetet werden. Leid hat in einem guten Leben nichts verloren. Ein menschliches Urteil, fällt über Gott her. Ein Mensch zieht Gott zur Rechenschaft. Ein paar Gehirnzellen ermessen, wie Schöpfung zu funktionieren hat. Die Frage, warum lässt Gott den Hagel zu, zeigt, dass sich ein Mensch schwer damit tut, sich der Realität zu stellen.

Leben wird lediglich auf der rationalen Ebene betrachtet, auf der sich der Verstand bewegt. Wer jedoch den heilsamen Zugang zum Leid erfahren möchte, braucht die Kunst, einen Schritt vom natürlichen Denken zurückzutreten und sich einer ganz anderen Weisheit zu öffnen.

2. Wer stirbt, lebt ewig

Christus, der von Gott erwählte Retter, musste am Kreuz sterben. Was Gott getan hat, übersteigt alle menschliche Weisheit, auch wenn es unsinnig erscheint; und was bei ihm wie Schwäche aussieht, übertrifft alle menschliche Stärke.

Das Kreuz kann kein Mensch verstehen. Leid öffnet jedoch Türen, die über dem menschlichen Horizont liegen. Leid empfinden wir als herrlich paradox zum natürlichen Leben. Der Sinn liegt dabei nicht im Verstehen, sondern im Gott erkennen. Das was alle menschliche Weisheit übersteigt, eröffnet sich nicht im Nachdenken, sondern in der Hingabe an das was ist. Die Weisheit Gottes entfaltet sich, wo der Mensch nicht im Widerstand zu dem steht, was passiert, sondern sich dem Ereignis hingibt. Ich denke in dem Augenblick nicht mehr nach, was Gott tut, sondern ergebe mich seinem Handeln. Ich komme vollkommen in dem an, was ich nicht verstehe, sondern an mir zulasse.

Um in der Weisheit anzukommen, liefere ich mich der absoluten Gottesgegenwart aus. Das Problem, der Schmerz, der jetzt da ist, will nicht meine menschliche Stärke, mein reiß dich zusammen, sondern meine ganze Hingabe. Die Antwort, die das Menschliche übersteigt, kommt aus dem Ja zum Leid. Die völlige Akzeptanz des Unabänderlichen, ist die Türe zur Weisheit. Es geht die Türe zu einer Welt auf, die jenseits der verstandesmäßigen Intelligenz liegt, und zu einem Schauen der Welt Gottes wird. Hier fließt der Strom des Heiligen Geistes. Hier sterben die unsäglichen Fragen in mir: Gott, was tust du mir an? Warum gerade ich? Hier stirbt die Identifizierung mit der materiellen Welt, um im Leid die Quelle des Lebens zu erfahren.

Christus muss am Kreuz sterben, um der Weisheit Gottes Raum auf dieser Erde zu schaffen. Rettung liegt in der Hingabe an das Kreuz. Viktor Frankl sagt: „Es gibt in dieser Welt viel aufzuleiden.“ In der Hingabe an die Widrigkeiten im KZ, erfuhr er im bitteren Schmerz seinen Sinn. Er kam mit dem Teil seines Lebens in Verbindung, der nie sterben kann.

3. Gekreuzigt werden macht weise

Und dennoch erfahren alle, die von Gott berufen sind – Juden wie Griechen –, gerade in diesem gekreuzigten Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Eine Frau hatte eine Krankheit, bei der sie mehr und mehr ihr Augenlicht verlor. Sie akzeptierte den schmerzhaften Prozess, bald nicht mehr sehen zu können. Ein OP besserte zwar ihren Zustand. Doch wenn diese Besserung nicht eingetreten wäre, wäre es für sie nicht mehr wichtig gewesen. Die intensive Präsenz im Leid gab ihr die Kraft, die unabhängig war vom Verlauf ihrer Krankheit.

Die heilsame Herangehensweise an das Leid klingt sonderbar. Sie heißt, das Leid zu bejahen

  • Bewusst zu leiden
  • Leiden zu umarmen
  • sich erlauben, im Leiden verbrannt zu werden

Das zentrale Bild im Christentum ist ein leidender Mensch. Er verkörpert eine enorme Weisheit, die nicht ausgedrückt werden kann. Der Archetyp des Menschen ist intensives Leiden. Er gibt sich dem Leiden völlig hin. Er leidet ganz bewusst.

Das Bild des leidenden Christus lässt sich schwer in Worte fassen. Es ist die Möglichkeit, wenn einem Leiden widerfährt, bewusst zu leiden, in keinerlei Widerstand zu gehen und sich vom Leiden verbrennen lassen. Das Ego wird im Schmerz verbrannt und daraus kommt ein Mensch hervor, der frei von Leid ist. Eine Krankheit kann fort bestehen, doch viele haben sich darin ergeben und tiefgreifende Heilung erfahren. Der geistliche Zweck des Leidens ist, sich ihm zu ergeben und bewusst zu leiden. Beim Leiden zu sagen, ich leide mit Christus. Ich erlebe das Leid Christi.

Indem ich das tue, komme ich Christus näher und der Geist Christi erhebt sich in mir. Man kann das Bild vom Kreuz auf das eigene Leben anwenden. Sich selbst als diesen Menschen zu sehen, ist die vollständige Akzeptanz des Leidens, um dann in der reinen Gottesgegenwart anzukommen. Die Pforte dafür ist das Folterwerkzeug. Das Folterwerkzeug ist das Symbol, das in das Göttliche verwandelt. Das Kreuz ist beides – Folterwerkzeug und das Tor zum Göttlichen. Das Leid ist die Gnade, die den ganzen Reichtum des Himmels über der Erde ausschütten will. Es ist der heilige Engel, bei dem die schlimmste Katastrophe, die Gaben Gottes ins Leben wirft. Im Schmerz werden wir zu Neuem gebrannt.

Was ist das Geschenk, das gerade in meinem Schmerz zu mir fließen möchte?

Auf einmal macht´s plopp

Jona 1, 1-2

Eines Tages kam bei einem Gewitter ein Wasserfall durch die Holzdecke des Blumenhauses. Zig Eimer wurden in dieser Tropfsteinhöhle auf dem Boden verteilt, um diese Dusche aufzufangen. Zunächst ging es nur um Schadensbegrenzung, danach um die Ursachenforschung. Kam einfach zu viel Wasser, dass die Abflüsse nicht mehr verschafft haben? Ist irgendwo ein Rohr verstopft, dass den Ablauf blockierte? Bei näherer Kontrolle stand ein Abwasserrohr an der Wand 3 m hoch voll Wasser und wurde auch nach dem Gewitter nicht weniger. Also war im Boden etwas hackedicht. Jetzt musste der professionelle Kanalreiniger her.

Heute sitzt der Butzen beim Propheten Jona und der hundertzwanzigtausend Mann großen Stadt Ninive.
 

1. Wenn der Kanal voll ist

»Geh in die große Stadt Ninive… ihre Bosheit ist vor mich gekommen

Gottes Kanäle sind dicht. Zwei Wochen nach Pfingsten stoßen wir auf ein urmenschliches Problem. Da wurde der von Jesus angekündigte Heilige Geist ausgegossen, der alles Leben auf der Erde durchfließen wollte. Die Menschen sind wie ein fetter Feuerwehrschlauch, vorne und hinten offen und von den Ausmaßen so proportioniert, dass richtig viel Geist durchpasst. Doch dieser Schlauch ist nicht nur eine leere Hülle, sondern ein Reiz-Informations-verarbeitender-Kanal. Die Information des Geistes trifft auf den Menschen, wird dort verarbeitet und als fruchtbarer Segen wieder abgegeben. So funktioniert der organische Fluss der Schöpfung, wie Reich Gottes auf der Erde geschieht. So ist die Co-Kreation von Gott und Mensch gedacht.
 

Doch bei diesem genialen Konzept kann es zu dreierlei Verstopfungen kommen.

  1. Da ist ein Ego, das spürt was da kommt und sich dagegen wehrt.
    Ich stelle mich gegen das, was da etwas mit mir machen will.
  2.  Wir empfinden es als angenehm was da kommt und wollen es festhalten. Diese Erfahrung ist einfach zu schön, ist so erhebend, die lasse ich nicht mehr los. Nach dem Motto: Herr hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen.
  3. Wir flüchten gleich von vornherein und lassen erst gar nichts rein. Ich glaube schon im Voraus, das wird nicht funktionieren.

Der Kanal ist voll, bei Ninive geht nichts mehr rein, da brauche ich einen Kanalreiniger. Und Jona, der den Auftrag erhält, macht gleich von Anfang an dicht. „Ich will nicht, weil ich befürchte, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und dich des Übels gereuen lässt. Mit dir kann man ja keine vernünftigen Geschäfte machen, ohne dass man sich blamiert.“

Wenn der Kanal voll ist…

2. Braucht es Abflussfrei

Es geschah das Wort des Herrn zu Jona

Das Wort, das geschieht, hat eine eigendynamische Kraft. Zunächst sieht es völlig unscheinbar aus: Geh´ mal – und zwar nach Ninive. Das ist, wie wenn ich eine Flasche Rohr-Fix in den Händen halte und darin eingefärbtes rotes Wasser sehe.  Schütte ich jedoch diese rote Brühe in den Abfluss meiner Dusche, in der einfach das Wasser nicht normal abfließen wollte, dann brodelt es. Es schäumt, gluckst und gluckert, wie verrückt. Als ob da ein Kobold aus der Flasche losgelassen wurde, frisst sich das wildgewordene Etwas durch alle von Seifenschaum verklumpten Haarreste, die irgendwo festgebacken sind. Eine fette aufsteigende Blase signalisiert: Stecke frei!

Das Wort, das von Gott ergeht, hat dieselbe Wirkung. Es kennt nur die Absicht, die Verstopfung für den Geist durchzufressen. Es gibt keine Ruhe und brodelt so lange, bis es das geschaffen hat, was es sagt. Um einen Propheten wieder funktionstüchtig zu bekommen, braucht es ein Schiff, das in Seenot geriet und zur Sicherheit einen Mann über Bord wirft. Dazu einen heißhungrigen Fisch, der diesen Drückeberger als Ganzes verschlingt, um ihn wenige Tage später, unverdaut wieder ans Land zu katapultieren.

Wenn das Wort ergeht, bäumt sich das unendliche Leben zum Heil auf. Dieses Wort hat die Christus-Kraft, die Kreuzwege in die Auferstehung führt. In diesem Wort brodelt die Wucht des Geistes, die die Christus-Gegenwart in alle Auflehnung bringt. Wo das Wort ergeht, bebt der vollkommene göttliche Heilswille, der nicht Rohre zerfressen, sondern Verstopfungen durchfressen will. In diesem Wort kommt nicht die Anklage, sondern die durchschlagende Befreiung des Menschen. Mit dem Wort, löst sich für alle Zeiten die Schuldfrage der Menschen auf. Sind Christus und der Geist beim Menschen angekommen, gibt es keinen Vorwurf mehr. Wer sollte noch richten, wenn die Verstopfung weg ist?

Der befreite Prophet war nun bereit. Er brauchte nicht zu verstehen, sondern nur aufbrechen, um eine ganze Stadt zu befreien.

3. Jetzt pfeift´s wieder durch

Predige wider Ninive.

Anders ausgedrückt könnte man sagen: Werfe mein Wort gegen die Stadt. Oder, lass die Bosheit von meinem lebensschaffenden Wort auffressen. Predige wider, könnte manchen ambitionierten Verkündiger zu einem regelrechten Donnerwetter anstacheln. Wir sehen das heute an vielen „Recht-Gläubigen“, die unter den Corona-Verordnungen, gegen eine Regierung Amok laufen. Oder die besonderen Apostel, die jetzt ihre Posaune auspacken, einen zornigen Gott heraufbeschwören und zum Endgericht blasen. Sie stehen auf gegen Fehlentwicklungen, predigen gegen eine verdorbene Menschheit, der Gott mit einem kleinen Virus auf die Finger klopft. Sie sehen sich als erwählte Mahner, die mit ganzer Härte den Nonsens der Gesellschaft verdammen.

Was geschieht bei diesem heiligen Eifer? Kommt dabei ein Herz zur Besinnung? Werden da nicht die Fronten nicht eher verschärft als entspannt? Ist das der Prophetendienst, von dem hier die Rede ist, wenn sich Ehepartner wegen einer Impfdiskussion die Köpfe einschlagen? Will das „predige gegen“ nicht einen heilsamen Reinigungsprozess einleiten? Wenn wir Gottes tiefe Absicht mit Ninive betrachten, wollte er nicht die Stadt in Rauch auflösen, sondern von ihrem Knoten befreien. Hinter predige gegen, steht umwerfende Retterliebe. Dieses „Gegen“ ist das „Für“ für Erlösung.

Die Konfrontation mit Missständen sucht nicht den Schuldigen, sondern befreit ihn. Gott betrachtet den Sünder nicht als Gegner, sondern als den Kanal, der durchs Wort offen wird. Jona ist es gelungen, dass sich das Wort bei einer ganzen Stadt durchgefressen hat. Alle Schläuche waren wieder frei und völlig offen für den Geist. – Umkehr. Er ließ sich erfolgreich zu diesem Dienst gebrauchen, wenn er auch durch die Wirkung, die er auslöste, in einen persönlichen Zweifel stürzte.

Der Heilige Geist will bei uns durchpfeifen, damit sich aus diesem Fließen, die Verstopfungen in dieser Welt auflösen. Du bist ein heiliger Rohreiniger, nach dessen Worten, es rings herum auf einmal plopp macht.

Haben deine Worte die Kraft, hartnäckige Verkrustungen aufzulösen, oder bleibt der Kanal dicht?

Du bist systemrelevant

Joh. 7, 37-39

Wer systemrelevant ist, hat zumindest in Corona-Zeiten die besseren Karten. Die vielen, die nicht auf der Liste stehen, müssen von Amtswegen schon monatelang ihr Geschäft geschlossen halten und die Mitarbeiter nach Hause schicken. Anfang des Jahres waren Blumen für das Gesetz nicht wichtig. Doch inzwischen hat das Lächeln Gottes über der Erde, wieder einen Platz in den Wohnzimmern. Per Bundestagsbeschluss wissen wir endlich, wie wichtig wir für das Wohl der Deutschen sind.

Heute nimmt Jesus eine Klassifizierung für die Glaubenden vor, wie sie die wichtigste Anlaufstelle werden, für die, die nach Leben lechzen.
 

1. Fragend und ausgebrannt

»Wer Durst hat, der soll zu mir kommen…

Diesen Satz posaunt Jesus in eine bunt zusammengewürfelte, feiernde Menge. Das Volk rätselt darüber, ob er der Prophet ist, über den Mose schon gesprochen hat, die andern sehen in ihm den vermeintlichen Messias, der ihnen angekündigt war. Den Chef-Ideologen, Theologen und amtlichen Kirchenlehrern sind solche Formulierungen ein Dolchstoß in den Magen. Solche Aussagen sind absolute Anmaßung und Größenwahn. Da schicken wir doch gleich mal unseren Vollzugsdienst aus, um den da unschädlich zu machen. Doch diesen dienstbeflissenen Beamten gingen die Worte Jesu so zu Herzen, dass sie unverrichteter Dinge zurückkamen. Ihren Befehlsgebern sagten sie: Wir können ihm kein Unrecht nachweisen, daher haben wir uns nicht an ihm vergriffen. Starke Zivilcourage von Untergebenen, die hat echten Seltenheitswert.

Jesus lädt fragende und suchende Menschen einfach unbekümmert ein. Wer auf die Fragen des Lebens eine Antwort sucht, der komme. Wer nicht mehr weiß, wie er mit den Herausforderungen der heutigen Zeit zurechtkommt, der komme. Wer sein Hotel mit Restaurant schließen muss und alle seine Mitarbeiter entlassen, der komme. Wer keine Ahnung hat, wie er mit dem Schuldenberg, der ihm im Genick sitzt, fertig werden soll, der komme. Für allen Durst, für alles was euch ausbrennt und überfordert, bin ich die Anlaufstelle. Wurstel nicht einfach weiter, wartet nicht auf irgendeine Überbrückungshilfe, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosenunterstützung. Fühlt euch nicht als hilflose Opfer, die jetzt auf den großen Retter der Nation warten, der dann den Karren aus dem Dreck zieht.

Mit dieser Einladung befreie ich die einfache Frau in ihrer Überlastung in Haushalt, Familie und Beruf, sowie den hochrangigen Akademiker, der bescheiden vor eine Bevölkerung treten muss und sagen: Wir verstehen die Pandemie immer noch nicht. Mit allen was das Herz zerreißt, was an die Grenzen führt, lade ich euch ein: Kommt! Ich habe die Antwort, oder ich bin sogar die Antwort.

2. Glaube und trinke

…der soll zu mir kommen und trinken! Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt…

Logisch, dass einem klardenkenden Menschen bei solchen Thesen die Galle überläuft. Für handfeste Probleme wird da in keiner Weise ein sauber strukturierter Krisenplan auf den Tisch gelegt, sondern ein narzisstischer Egotrip veranstaltet. Frech und unverschämt verkauft sich Jesus als das Nonplusultra, für jeden Mist, der auf der Welt passiert. Klar, dass das nach Blasphemie stinkt. Wie kann er in einem frommen Rahmen, solche unverschämten Behauptungen aufstellen? Bei solch einem Berater muss man auf jeden Fall, das Kleingedruckte lesen. Wo gibt es schon in solch einer komplexen Welt, mit derart vielschichtigen Herausforderungen, ein Allheilmittel in einer Person? Solch einen hirnlosen Schwätzer gilt es mundtot zu machen und um die Ecke zu bringen.

Doch Jesus sagt völlig entspannt: Ich bin die Antwort. Trinke mich und sauge mich auf. Mache mich zu deiner körperlichen Erfahrung. Feiere mit mir ein Gemeinschaftsmahl. Glaube an mich und verinnerliche das, was mich ausmacht.  Strecke dich nach dem aus, was mich mit einer ganz anderen Welt verbindet. Das was in mir lebt soll auch in dir leben. Ich will dir zeigen, dass dein Problem nicht Corona oder Finanzkrise heißt. Das Problem, das du beklagst, ist nicht wirklich dein Problem. Du schiebst etwas vor dir her, dem du die Schuld gibst, dass es dir so dreckig geht und bist nicht bereit, dich der wirklichen Antwort zu stellen. Die Antwort, dich ich dir zu geben habe ist, dass du selbst die Antwort auf deine Überforderung und dein Burnout bist.

Dein Glaube an mich, ist der Glaube an die Quelle, die in dir sprudeln will.

3. Alle pilgern zu dir

Von deinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.« Damit meinte er den Heiligen Geist, den alle bekommen würden, die an Jesus glauben.

Jesus räumt hier mit einem gewaltig frommen Irrtum auf. Da ist nicht ein armer, hilfloser Mensch, der in seinem Elend sitzt, nicht weiß was vorne und hinten ist, und nur darum betet, dass er Hilfe erfährt. Für Jesus gibt es die Trennung nicht, dass hier der Mensch in seiner Not ist, und dort Gott, der sich gnädiger Weise über ihn erbarmt. Jesus als der Christus erlöst von diesem trennenden Denken, hier Gott, dort Mensch. Er verbindet, was zusammen gehört.

Jesus sagt: Wer an mich glaubt und mich trinkt, der nimmt den Heiligen Geist auf, der in mir lebt. Der ist von demselben Geist beseelt, der mich als sterblichen Menschen auf ewig mit der unsterblichen Welt verbindet. Dieser Geist gibt deinem Geist Zeugnis, dass du wie ich, ein Kind des ewigen Lebens bist. In dein krisenhaftes, sterbliches Sein empfängst du den Geist, der am Anfang die Welt erschaffen hat. Es ist der Geist, der aus dem Nichts, die Schöpfung in Wallung brachte und Herrlichkeit erschuf. Einen Traum von Leben in Gott.

Wenn du glaubst und mich trinkst, wirst du zu einem Kosmos bewegenden Feuerwerk. Du wirst zu einer Quelle, zu der die Durstigen pilgern. Der Geist, der dich bewegt, ist wie der Schmetterlingseffekt, den die Wissenschaft als Phänomen der nichtlinearen Dynamik bezeichnet. Edward Lorenz betrieb Forschungen für die Wettervorhersage, bei der er sich die Frage stellte: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ Er konnte nachweisen, dass sich kleine Effekte über eine Kettenreaktion, selbst bis zur Katastrophe verstärken.

„Von deinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.“

Wo der Geist, der Christus angetrieben hat, in dich eingeht, ist das ein weltbewegendes Ereignis. Da bebt eine Kraft nicht nur für deine eigenen Probleme, sondern für alles um dich herum. Scharen von Menschen werden kommen, um an das dranzukommen, was von dir ausgeht. Wo du glaubst und trinkst, wirst du zur Pilgerstätte, für eine sich durchs Leben quälende Menschheit. Dein Glaube und dein Trinken ist systemrelevant, dass Menschen unter Corona nicht verrückt werden. Der Geist, der in dir leben will, ist die Vollmacht, die Menschen sagt: Steh auf und sei frei.

Glaube und trinke, dass Durstige aufatmen.