Gott will

Römer 11, 25-31

Damit ihr nicht überheblich werdet, liebe Brüder, möchte ich euch anvertrauen, was mir Gott offenbart hat. Ein Teil des jüdischen Volkes ist zwar blind für die Botschaft von Jesus Christus. Aber das wird nur so lange dauern, bis alle Heiden, die Gott dafür ausersehen hat, den Weg zu Christus gefunden haben.  

Danach wird ganz Israel gerettet, so wie es bei den Propheten heißt: «Aus Jerusalem wird der Retter kommen. Er wird Israel von seiner Gottlosigkeit bekehren.  

Und das ist der Bund, den ich mit ihnen schließe: Ich werde sie von ihren Sünden befreien.»  

Indem sie das Evangelium ablehnen, sind viele Juden zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorväter erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk.  

Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er seine Zusagen.  

Früher habt ihr als Heiden Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen.  

Jetzt wollen die Juden nicht glauben, daß Gott jedem Menschen in Christus barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen jetzt Gottes Barmherzigkeit erfahren.

Gott will

Manche überlegen erst noch, ob sie wollen sollen oder lieber nicht. Es dauert Stunden, Tage oder Jahre, bis es soweit ist.

Neulich hatte ich einen Kunden, der hat 15 Minuten überlegt, ob er für seine Frau im Krankenhaus lieber eine Rose für 50 cent oder lieber 10 Stück nimmt. Er hat sich dann für die einzelne Rose zu 50 cent entschieden, um nach weiteren 10 Minuten zurückzukehren und mitzuteilen, daß er sich unterwegs die Sache nochmal überlegt hat und er jetzt doch lieber alle zehne  nimmt.

Schön, wenn`s gut ausgeht.

Gott braucht nicht lange, um zu wissen, was er will.

1.Väterliche Zuneigung

durchbricht

2.Das Schwanken der Welt

in

3.Jesus Christus

1.  Väterliche Zuneigung

Gott selber ist und war von Anfang an klar. Er hat es sich schon vorher überlegt, ob oder ob nicht.

Sonne, Mond und Sterne wären nicht, hätte Gott nicht gewollt oder noch überlegt, ob er nun will oder nicht.

Gott will, Gott will Leben haben, Gott will Menschen haben, Gott will uns da haben.

In ihm ist die erste Absicht für alles, was sich auf der Erde dreht.

Er will uns, nicht nur für den Funkenflug oder den Augenblick, sondern für immer und ewig.

Gott will – nicht um zu besitzen oder zu vernaschen, sondern zur Freude an uns und mit ihm.

Wir sind sein Plan. Uns hat er sich in den Kopf gesetzt. Wir sind seine Leidenschaft.

Er will uns auch dann noch, wenn keiner uns haben will, wenn alle anderen nicht wollen oder können, noch nicht entschlossen sind.

Er will uns im schlimmsten Augenblick, wenn alles, aber auch wirklich alles gegen uns spricht, in unserer schlimmsten Verfassung.

In unserer Ablehnung und Armut vor Gott will er uns noch. Er will uns, wenn wir verwelken und verblühen, vereinsamen und stranden, kämpfen oder krampfen.

Immer noch will uns Gott. Selbst wenn es gar nichts zu lieben gibt an mir und um mich herum, will mich Gott.

Ich bin sein Sohn – ob ich es glaube oder nicht.

Gott fragt nach Dir, Mensch, in der hintersten Ecke des Menschseins, im verlorensten Winkel der Nacht und im Haus am Ende der Straße.

Gott will uns haben für den Augenblick, in dem keine Zeit mehr verrinnt, in dem nicht die Angst, sondern seine Zuneigung uns Heimat gibt.

Gott will. Dieser Wille durchbricht

2. Das Schwanken der Welt

Gottes erste Absicht trifft auf sein Volk Israel in grauer Vorzeit.

Das Volk Israel – das ist, wie andere Völker auch – schwankend, nicht sicher, nicht entschlossen, nicht immer glaubend, daß es Gott ist, der da ist, voll ernster Absicht. Es ist Wesenszug aller Menschen, menschlichen Seins, daß wir nicht glauben können, uns mindestens schwertun damit, zu glauben, daß es einen gibt, der uns liebt.

Das ist unser aller Defizit, unser wahrer Mangel, der schlimmer als Vitaminmangel ist, daß wir Gott nicht glauben können, nach dem altisraelischen Prinzip.

Wir sind, wie Israel, eine eher wankelmütige Braut, die sich schon schwer damit tut, dem Bräutigam überhaupt in die Augen zu schauen.

Wir verunsichern uns selbst, lassen uns verunsichern von allem, was nicht so zu laufen scheint, wie wir es gerne hätten.

Wir verschaukeln uns selbst damit.

Es ist eben nicht die Pflicht Gottes, uns eine Wohlfühloase zu kreieren, in der es all das nicht gibt, was uns auf die Nerven geht.

Gott liebt in eine Welt hinein, in der es eben Ablehnung gibt, all das, was Menschen produzieren, wo sie sich nicht lieben lassen, sondern hassen.

Es holt uns sehr schnell ein.

Vor vierzehn Tagen konnten wir beinahe den Nürtinger Markt nicht ausliefern, weil vier Polizeiautos im Weg standen. Es wäre gerade ein Mord passiert, sagte man uns, in einer friedlichen Stadt, am Samstag morgen, wo normalerweise niemand was Schlimmes macht.

Gott beweist seine Zuneigung nicht dadurch, daß er das Böse unmöglich macht, sondern daß er Freiheit schenkt, selbst zu entscheiden.

Wir sind von Gott geliebt, genau dadurch, daß er uns Entscheidungsfreiheit gibt.

Er will, daß wir ihn wollen.

Er will nicht, daß wir nicht anders können.

Er will gewollt sein.

Gott kann man nur dann lieben, wenn man die Möglichkeit hat, ihn abzulehnen. Ohne Alternative wäre es keine freie Entscheidung.

Wo es nur einen Kandidaten gibt, ist eine Wahl keine Wahl.

Ein Staubsaugerroboter käme nie auf die Idee, jemanden zu ermorden oder morgens in die Kirche zu gehen. Er kann das einfach nicht. Er ist dafür nicht programmiert.

Wir können das. Wir sind dazu fähig gemacht, die schlimmsten Dinge oder die besten zu tun – je nach dem, wie stark wir die Liebe Gottes in uns werden lassen.

Gott läßt uns wollen. Er macht uns nicht zu dumm dazu.

Wir sind dazu nicht versklavt, sondern frei gemacht in

3. Jesus Christus

Gott will. Er will das freie Ja-Wort, das allen Menschen möglich ist, die sich erreichen lassen.

Das ist die entscheidende Botschaft des Römerbriefs.

Es gibt keinen Unterschied mehr. Es ist für alle uneingeschränkt möglich.

Das, was für uns selbstverständlich ist, aber für das alte Israel eine Gotteslästerung darstellt.

In Christus wird Gottes Zuneigung konkret. Sie fragt direkt bei uns an, ob wir noch schwanken oder nicht, ob wir ihn wollen oder nicht.

„Was ein Wunder ist, darf nicht zur Selbstverständlichkeit verflachen.“ und „Wem die Möglichkeit des Verlorengehens nicht zu schaffen macht, dessen Heilsgewißheit ist eine Dreistigkeit oder Gedankenlosigkeit.

Gott will. Er läßt uns Zeit damit, in Ruhe zu entscheiden, vor allem, selber zu sagen, ob wir wollen oder nicht.

Er läßt uns Zeit und freut sich aber auch, wenn es nicht lebenslänglich dauert, ob wir uns trauen oder nicht.

In Christus liegt die Kraft zum Ja, zu dem Ja-Wort, das das Leben ist, das unser Zuhause für immer und ewig ist, speziell dann, wenn alle anderen nein zu uns sagen, gerade dann ist der göttliche Augenblick.

An uns kann man dann sehen, was die göttliche Barmherzigkeit ist. Amen.

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