Der Liebe Wert

 

Markus 14,3-9

3  Jesus war in Betanien Gast bei Simon, der früher einmal aussätzig gewesen war. Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und salbte mit dem Öl den Kopf Jesu.

4 Darüber regten sich einige Gäste auf: „Das ist ja die reinste Verschwendung!

5 Dieses Öl ist mindestens 300 Silberstücke wert. Das Geld hätte man lieber den Armen geben sollen!“ So machten sie der Frau Vorwürfe.

6 Aber Jesus sagte: „Lasst sie in Ruhe! Warum kränkt ihr sie? Sie hat etwas Gutes für mich getan.

7 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben. Ihnen könnt ihr jederzeit helfen. Ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch.

8 Diese Frau hat getan, was sie konnte. Mit diesem Salböl hat sie meinen Körper für mein Begräbnis vorbereitet.

9 Und ich sage euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft verkündet wird, da wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat!“

Der Liebe Wert

Der Blumenkohl sei schlimmer – sagt Franz, noch schlimmer als  Diesel. Er koste ihn im Ankauf schon über zwei Euro. Da weiß er gar nicht, wieviel man dafür noch verlangen soll –  für einen Kopf Blumenkohl.

Schon teuer geworden, das ganze Leben.

Da hat man gar keine Zeit mehr zu fragen, wieviel die Liebe wert ist.

Selbst in Schweizer Franken ist es nicht leicht, den Wert einer Liebe zu bestimmen, die kommt oder geht, oder auch länger noch bleibt als ein ganzes Leben.

Was ist sie wert, was ist sie mir wert oder uns wert?

All das sind Fragen, die es sich lohnt zu stellen in der Erinnerung an eine Frau, die man ohne rot zu werden als eine tolle Frau bezeichnen kann.

Sie handelt

1.Nicht schottisch und nicht schwäbisch

2.Mit verschwenderischer Kraft

3.Der einzige Wert, der bleibt

1. Nicht schottisch und nicht schwäbisch

300 Silberstücke für was? Salböl!

Motorölpreise kenne ich, Salatöl geht noch, Olivenöl ist eine Qualitätsfrage.

Da tanzt eine wildfremde Braut in einen gemütlichen Herrenabend und sorgt für Randale.

Zur Zeit des Textes ist es nicht üblich, daß eine Frau bei so einem Gastmahl auftaucht, geschweige denn einen Textbeitrag leistet. Es ist eine Männerrunde, exklusiv.

Da kommt also eine daher und vernichtet in einem einzigen Augenblick ein Monats- oder Jahresgehalt.

Die Auslege sind sich nicht ganz sicher, wie hoch genau der Wert von dreihundert Silberstücken heutzutage einzustufen ist. Bitcoin gab es ja noch nicht.

Sind wir also vorsichtig und sagen: 2.000.-, möglicherweise aber auch 30.000.- für einen Kosmetikartikel.

Dolce und Gabana hätte sich gefreut: Endlich mal Kundschaft für Exklusivartikel.

Da entsteht nicht Verwunderung, da ist Wut. Es ist ein Eklat.

Ich hatte nie ein Problem, jemand seinen Porsche oder Benz zu gönnen, der hart dafür gearbeitet hat. Es ist eher die Art von Wut, die entsteht, wenn man in Nizza an den millionenschweren Luxusjachten vorbeigeht, bei denen allein der Ankerplatz 4.500.- kostet – im Monat.

Man schuftet sich ab und liest in der Zeitung, daß die armen Piloten schon wieder streiken müssen, um im Ruhestand überhaupt noch die Raten für den teuren Swimmingpool bezahlen können. Die Armen!

Hier findet Verschwendung statt. Das muß einen aufregen, wenn man südlich des Mains geboren ist und so wirklich verstanden hat, wie das so ist, wenn man „Schaffe, schaffe, Häuslesbaue“ muß.

Wut, Wut der Tüchtigen, die die Welt am Drehen  halten. Wut gegen eine Geste der Liebe, Wut ohne zu verstehen, was diese Frau tut.

2.  Mit verschwenderischer Kraft

Man hätte sollen…

Das Geld den Armen …

Sie tickt anders, ganz anders als die Herrenrunde.

Sie rechnet nicht, sie führt etwas aus, was in ihr ist, was keiner verstehen kann, weil es auch nicht dazu da ist, um verstanden zu werden.

Sie denkt nicht an Kalkulation von Kosten und Nutzen.

Es geht nicht um ein Ritual oder eine Zeremonie.

Es geht um Bewegung des Herzens tief von innen heraus, die einen Ausdruck sucht, sich nicht anders ausdrücken kann als in dieser Verschwendung.

Die Frau fragt nicht, was es bringt und ob es lohnt.

Von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all ihrer Kraft schenkt sie – einfach so, wie man ein paar Blumen verschenkt, um jemand eine Freude zu machen, frei von Hintergedanken, frei von anderer Absicht.

Es ist ihr Geheimnis, warum sie schenkt. Es ist ihr Recht, zu tun, was sie will.

Es ist aber völlig anders, als die Religionsausübung ihrer Zeit, in der die Liebe zu Gott durch fromme Pflichterfüllung nach außen in Erscheinung tritt.

Die Liebe zum Nächsten, die Ausdruck von Liebe zu Gott ist, steht plötzlich in Konkurrenz – oder scheint zu stehen.

Es geht um unmittelbare Liebe zu Christus, die sich nicht beweisen muß, auch nicht in der Hinwendung zu den Armen, selbst, wenn das ihr Kennzeichen ist.

Es geht um Zuwendung zu Gott, die allein darin ist, daß sie ist und sich durch nichts und vor niemandem rechtfertigen muß.

Es ist die Form von Zuwendung, die wertvoller als alle Berechnung ist und die erst dann anfängt, wenn man aufgehört hat, Kosten neben Nutzen zu stellen.

Es geht um Anbetung, die eben darin wertvoll ist, daß sie ansonsten nutzlos ist, weil sie nur Christus meint.

Einen Blumenstrauß kann man nicht essen. Er dient zur Freude allein.

Es hagelt ja immer wieder Kritik an den zu protzigen Kirchen, zu aufwendigen Zeremonien usw. Natürlich ist es schwierig, wenn Kathedralen von hungernden, ausgebeuteten Tagelöhnern erstellt wurden.

Es ist gerade deshalb wichtig zu verstehen, daß sich die Liebe zu Christus nicht in Konkurrenz mit sozial-ethischer Aktivität stellen läßt.

Das, was Christus für die Welt tut, ist es wert, mit höchstem Aufwand gefeiert zu werden. Das muß man auch in eine Welt hineinsagen, in der vielfach nicht verstanden wird, wie hoch dieser Wert ist.

Auf mich wirkt es unanständig, wenn ungläubige Menschen den Glaubenden vorschreiben wollen, wie sich deren Liebe zu Gott zu äußern habe.

Eine kritische Betrachtung darf durchaus sein, eine Bevormundung aber nicht.

Die Frau im Text hat ihr kostbares Geschenk selber bezahlt. Damit kann sie machen, was sie will.

Wenn ich als Nichtraucher mein durch Nichtrauchen gespartes Geld in einen goldenen Kelch investiere, ist es allein meine Sache, weil es ja mein gespartes Geld ist.

Natürlich hätte man können es den Armen geben. Man kann es aber auch oder parallel dazu in wertvolle Gottesdienstgestaltung investieren.

Die direkte Liebe zu Christus unterliegt nicht der Zensurpflicht durch andere, nicht einmal durch Mitchristen.

Es gibt eine Verschwendung für Christus, die allein darin gerechtfertigt ist, daß er sich für uns mehr als nur verschwendet hat. Das genau ist eine Sache, die man nicht begreifen, nur erleben kann.

Das ist genau das, was durch diese Frau so eingeschlagen hat wie der berühmte Elefant im Porzellanladen – nicht, weil sie es getan hat, sondern weil es

3.  Der einzige Wert, der bleibt

ist

Es sieht aus, wie Verschwendung, es fühlt sich an, wie Verschwendung, es scheint Verschwendung zu sein – ist aber mehr.

Für Christus kann man sich gar nicht verschwenden, selbst wenn man alles gibt.

Er ist in der Vorleistung, er hat mehr gegeben, als irgendein anderer geben kann.

Daraus entsteht die Kraft, diese unglaubliche Energie, die uns antreibt, ein kleiner Schatten von dieser Hingabe zu sein, ein ganz kleiner Schatten nur  – selbst, wenn einer wirklich alles gibt, um so zu sein, wie er, der diese große Liebe gibt, die soviel mehr ist, als die Welt glauben kann.

Dieser unendliche Wert, ohne den die Welt wäre wie ein Goldbarren, der dunkel und kalt in einem Tresor mit sich selbst alleine liegt, ohne erkennbaren Nutzen daran, außer daß alle möglichst viel von ihm haben wollen.

Der Mehrwert, den Christus der Welt gibt, ist der einzige Wert, der bleibt, weil Gott kein Geizkragen ist, kein verspannter alter Erbsenzähler, der Münze um Münze ausrechnet, wieviel ihm der Einzelne schuldet.

Weil er verschwenderisch gibt, kann ich eine kleine Großzügigkeit wagen. Selbst wenn ich alles dabei verliere, gewinne ich mehr, als ich tragen kann.

Das ist die göttliche Mathematik, die man von einer tollen Frau lernen kann – und von der man deshalb immer und überall reden wird, vor allem von dem, was sie getan hat. Amen.

 

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