Osterspaziergang – und der Wecker klingelt wie verrückt

Warum Ostern aus den Federn reißt

Die Natur gibt gerade mit ihrem Blühen Vollgas. Tulpen und Narzissen haben an Ostern Feuer gefangen. Die Kirschblüte im Ermstal, lässt Herzen der Beobachter überschlagen. Aufblühen und Erwachen liegt in der Luft. Als ob ein Wecker alles aus dem Schlaf gerissen hat. Die Sinne können dieses Umgestalten kaum fassen. Wie die kleinen Kinder staunen wir fassungslos über so viel losgelassener Energie. Die Schöpfung wacht auf und zeigt sich von malerischer, unfassbarer Schönheit. Allein der stille Betrachter verwandelt sich selbst unter dieser umwälzenden Kraft. Überall schwebt das Ahnen, dass hier der größte Liebhaber des Lebens ausflippt. Der Schöpfer programmiert das Universum. Kraftfelder entladen und überschlagen sich. Lust, Ektase und Leidenschaft sind voll aus dem Häuschen. 
 
Erlaube dir wach zu werden
Das christliche Abendland feiert Ostern. Das gleiche Schauspiel, das nicht nur Bäume und Blumen wachküsst, sondern Tote auferstehen lässt. Alles trägt die gleiche Handschrift dessen, der nach dem eisigen Winter, jeder einzelnen Blüte zum Durchbruch verhilft. Mit Jesus Christus fängt nicht nur die Tulpe Feuer, sondern fangen Menschen an zu brennen. Mit Ostern feiern wir kein Fest, das uns zweitausend Jahre zurückversetzt, sondern heute aus dem Sessel haut. Der auferstandene Christus, ist keine Geschichte, die von der Kirche weitererzählt wurde, um Bewunderung auszulösen, es ist das Aufblühwunder, das sich heute in mir und dir ereignen will. Es sollen nicht nur Baumblüten wachgekitzelt werden, es sollen ängstliche Seelen aus ihrem Winterschlaf gelockt werden. Ostern ist unser Aufwachen. An Ostern will der Traum unseres Lebens aufplatzen. Da sind dürre, nichtssagende Zweige, da sind schrumpelige Blumenzwiebel mit Erde bedeckt, die nur auf den Startschuss warten. Da ist tonnenweise, schlummerndes Potenzial, für das nun der Wecker klingelt. Gott verzückt die Natur, dass sie in wenigen Tagen nicht mehr wiederzuerkennen ist. Der Spieltrieb Gottes verschüttet seine ganze Fantasie, um verborgene Geheimnisse zu lüften. Jesus Christus ist auferstanden, um unsterbliches Leben zu feiern. Jesus ist nicht Religion, er ist das Wunder in dir. Es wäre bedauerlich, wenn wir ihn nur ans Kreuz nageln und in der Kirche verstecken würden, denn bei Jesus geht es um uns. In uns schlummert Farbe, Duft und malerische Schönheit, die uns in die Wiege gelegt wurde und nur auf Ostern wartet. Wenn wir Auferstehung persönlich nehmen, kommt aus uns raus, was drin ist. Das Feuer der Tulpe leuchtet erst, wenn sie sich erlaubt aufzuerstehen. 
 
Du bist vollkommen und göttlich
Wenn der Oster-Wecker klingelt, stehen oft viele Fragen aus unserer Kindheit auf, mit denen wir uns bis heute schwertun. Wir meinen, wir sind schlecht, dass Jesus dafür ans Kreuz gehen musste. Die Osterfreude ist gedämpft, weil wir daran denken – für meine Schuld gefoltert. Wozu der Tod Jesu? Ist das für die, die sich gegenseitig piesacken und Kriege führen? Wozu ist die Kreuzigung sinnvoll gewesen, weshalb ist Jesus für unsere Sünden gestorben? Kann Gott nicht auch ohne den Tod seines Sohnes vergeben? Fragen, die oft verständnislos wie Blei im Magen liegen. Moralische Antwortversuche bringen in die Zwickmühle. Das globale schuldig gesprochen werden ist für viele zum Stein des Anstoßes geworden, wo sie das Kapitel „Kirche“ zuklappten. Dabei ist Gott „Pro-Mensch“. Er liebte alles was er machte abgöttisch. Gott schlug nach der Erschaffung der Welt Purzelbäume, weil alles so gut war. Gerade der Mensch ist ein Meisterstück. Auf unserem Sigel steht: vollkommen & göttlich. Da entstand etwas Makelloses, ohne Sünde und Qualitätsmängel. Wir sind ein Schöpfungsgedanke ohne Anfang und Ende. Das dürfen wir uns ruhig einmal auf der Zunge zergehen lassen, wie herrlich wir gemacht sind. Ein Unikat für das Paradies geschaffen. Wer ein Leben lang eingeredet bekam, wie schuldig er ist, bekommt hier ein unangenehmes Kribbeln in Bauch. Wenn der Mensch ein genialer Gedanke Gottes ist, als Aufblühwunder in diese Welt gepflanzt, brauchen wir einen anderen Zugang zu Schuld und Vergebung. 
 
Mache nicht schlecht, was genial ist
Wenn an Ostern alles zu blühen beginnt und alles von Leben strotzt, spricht das für einen Gott, der aus allen Katastrophen aufbrechen will. Christus musste nicht sterben, weil der Mensch doch nicht so gut war, wie er dachte. Wir müssten den Menschen, als die Krone der Schöpfung und Gottes Ebenbild, so schlechtreden und ihm ständig ein schlechtes Gewissen einjagen, um die Kreuzigung zu rechtfertigen. Ein grausames Gewaltverbrechen an einem Unschuldigen, stünde dennoch in keinem Verhältnis zum Fehlverhalten des Menschen. Gott, der derart wohlwollend, barmherzig und heilend mit Menschen umgeht, ist kein kleinlicher Gott, der bei jedem Fehltritt rachsüchtig ausflippt. Damit würden wir aus dem Herrscher über Zeit und Ewigkeit, eine empfindliche Mimose machen, der niederste menschliche Züge trägt. 
 
Blühe in ewiger Schönheit auf
Der Mensch ist ein unfassbares Wunder. Er ist mit der Fähigkeit ausgestattet, ungeahnte Energien aus einer anderen Welt zu empfangen. Im Gegensatz zu jedem anderen Lebewesen, kann sich sein Geist mit dem ewigen Geist verbinden. Er ist wie eine Tulpenzwiebel, die im Boden steckt und die Strahlen der Sonne empfängt. Dieser Lichtstrahl setzt die Zwiebel auf Go und es kommt zum Durchbruch. Der Mensch ist genauso prall gefüllt mit Energie, mit Kraft, mit Leuchten wie die Zwiebel, hat jedoch vergessen, dass das was im Boden steckt um des zigfache über sich hinauswachsen will. Die Zwiebel, die im Boden bleibt und nicht austreibt, verfault. Das ist das Drama der Menschen. Die Erde ist voller schöpferischer Genialität und das Licht schafft es nicht, diese Schätze aus der Reserve zu locken. Der Mensch stirbt, bevor eine Knospe das Licht der Welt erblickt. Die Zwiebel bleibt im Boden und rührt sich nicht. Schuld ist die Potenzialverschwendung, das nicht interagieren mit dem Licht, das sich kleiner halten als man wirklich ist. Wir vergeuden das Blühen. Wir bleiben Mensch und lassen das Heilige nicht austreiben. Das ist Zielverfehlung, das ist die Tragik, die Durchbruch verhindert. Das muss gekreuzigt werden, das muss sterben, das muss aus dem Leben verbannt werden. Die Liebe ging für das Allerheiligste ans Kreuz. Christus trägt das nicht Austreibende ans Kreuz, all das, was Menschen im Boden hält und mit vergänglicher Erde verbindet. Am Karfreitag will unter schmerzvoller Auflösung, Neues geboren werden. Das Folterwerkzeug ist der Schlüssel zum Himmel. Jesus Christus hat dieses umwälzende Geheimnis in die Erde gepflanzt. Er hat sein bisheriges Leben, sein auf und in der Erde sein aufgegeben – weggebeben – losgelassen, um aufzusteigen in seine grandiose Bestimmung. Er hat sich aufgelöst, um vollkommen im Licht aufzugehen. In seiner Auferstehung ist der leiblich, gebrechliche Mensch, in seiner ewigen Schönheit aufgeblüht. Dieser Geist will an Ostern in uns auferstehen. Unsere rein irdische Gesinnung soll sterben, dass wir herrlich werden. Christus ging ans Kreuz, nicht dass wir davor verschont bleiben, sondern durch ihn erkennen, wie auch unsere Kreuzwege uns heilig machen wollen. In der Vergebung gibt Gott dem Menschen diesen Christus-Geist. Dieser Heilige Geist fliegt wie Blütenstaub über die Erde und will wie ein Virus infizieren, dass Altes stirbt und Neues wird. Vergeben ist das Weggeben unserer alten Bestimmung, unserer bisherigen Gewohnheiten, unseres natürlichen Denkens, um der Mensch zu werden, der voll in seiner gedachten Größe aufgeht. Ostern will, wie das Frühjahr ganze Landstriche auf den Kopf stellt, einfache Menschen zu Christus-Gestalten machen. Nach ihrer Auferstehung sind sie nicht wiederzuerkennen. Aus ihnen zieht satte Fruchtbarkeit übers Land. Ostern kann nicht anders, als Menschen aus den Federn reißen, damit sich heiliger Segen über die Welt ausbreitet. 
 
Bereichere durch dein Leuchten
Wer an Ostern spazieren geht, hört den Wecker klingeln. Es ist Zeit, unsere traditionellen Vorstellungen, von Vergebung, Schuld und Sterben von der Auferstehungskraft auflösen zu lassen. Von nun an leben wir in unsere Größe hinein. Osterfreude befreit von der Sorge, nur in und unter der Erde bleiben zu müssen. Wir dürfen befreiend erleben, dass wir die Zwiebel im Boden sind, die jetzt zu ihrer ganzen Schönheit unterwegs ist. Es wäre traurig, wenn wir uns nach dem Startschuss an Ostern, nicht erlauben würden, zu dem großartigsten Geschöpf zu werden, zu dem wir in diese Erde gedrückt worden sind, um die Welt mit unserem Leuchten zu bereichern. 

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