Verlässlichkeit schnappen

Wer von Treue umschlossen ist, den kann nichts umhauen.

„Auf dich hoffen, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich Herr suchen.“
Ps. 9,11

Da ist jemand hocherfreut und überglücklich. Und das, weil er kein Verlassenheitsgefühl mehr kennt. Du verlässt nicht, ist eine der wertvollsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Jemand an der Seite zu haben, dem mit einem durch dick und dünn geht, ist mehr als beruhigend. Das ist das Große an Gott, dass er erst recht zu denen steht, die einen Bock geschossen haben, die ihm gegenüber mit Untreue glänzen. Dort wo wir uns vom anderen zurückziehen, wenn das Miteinander nicht mehr funktioniert, bleibt Gott unbeirrt. Wo wir meinen, das wird nichts mehr, das hat sowieso keinen Wert weiter zu hoffen und sich Mühe zu machen, da muss eine Trennung her, ist Gott nicht abzuschütteln. Du verlässt nicht, ist ein Ja-Wort in Stein gemeißelt. An ein Abrücken ist nicht zu denken. Gott ist mit einem Menschen verheiratet; und einmal verheiratet ist immer verheiratet. Wer nicht verlässt, auf den ist tausendprozentig Verlass. Gott hat sich zu diesem Ja verpflichtet und somit gilt es für alle Zeit. Die wahre Liebe kann nicht untreu sein. Ich bin dein, ist die Liebeserklärung, die über jedem Leben steht. Geliebte haben eine Rückendeckung vom Feinsten. Darin liegt alles, was das Leben aufbaut. Wer nirgends verlassen ist, hat nicht mehr zu befürchten. Wo zwei wie Pech und Schwefel zusammenhalten, hat die Angst keinen Platz mehr. Wo Gott nicht verlässt, gibt es keine Situation, der wir nicht gewachsen wären. Da steht keiner neben mir, der einem ständig das Gefühl gibt, du bist nicht gut genug, das muss man besser machen, wenn sich das nicht ändert, dann trenne ich mich von dir, sondern da liebt einer trotz Schuld. Wo Gott nicht verlässt, da verlässt uns gerade auch die Vergebung, die Erlösung und das heil machen nicht. Da ist konstant alles da, was ein Mensch in all seiner Schwachheit braucht.

Diese Verlässlichkeit gilt jedem Menschen, sie steht allen ohne Ausnahme allen zur Verfügung, jedoch erfährt sie der Suchende. Nicht verlassen ist derjenige, der sich auf den Namen verlässt. Dieser Name ist Christus. Christus verwandelt das Verlassenheitsgefühl, das jeden Menschen aushöhlt, der seine Ängste mit sich ausmacht. Der Treue müssen wir einfach trauen. Der Glaube beißt sich an dem „nicht verlassen“ Gottes fest. Wenn Gott derart treu und zuverlässig ist, liegt es einzig an uns, wenn wir uns verlassen vorkommen. Wo der Mensch seine Hilflosigkeit beklagt, beklagt er in der Tiefe seinen Unglauben. Wo er sich ausgeliefert vorkommt, hat er sich nicht an den Namen ausgeliefert. Wo alles hoffnungslos erscheint, hat nicht Gott uns verlassen, sondern eher umgekehrt. Was die Treue Gottes auslöst, wie fest sie macht, wie sie den Mut in den Krisen nicht sinken lässt, erfährt der, der sie ergreift. Es ist genügend Verlässlichkeit da, wir brauchen sie nur zu schnappen.

Warum suchen wir nicht gerade dort, wo es uns ans Eingemachte geht, diese Verlässlichkeit?

Auslegungen für jeden Tag
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