Versöhnte Vielfalt

Wer einen gemeinsamen Nenner hat, kann mit vielen Ungereimtheiten klar kommen.

Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!“
Jer. 14, 9

Das klingt nach erstaunter Verwunderung; du bist ja doch unter uns. Das kann nur einer sagen, der von Gottes Nähe überrascht ist. So quasi, ich hätte nicht damit gerechnet, dass du dich zu deinem Volk stellst, trotzdem wir mit dir und untereinander nicht miteinander können. Gott verbindet was Menschen auseinanderreißen. Nicht nur in den Parteien der Politik gibt es einen Richtungsstreit, auch unter den Frommen können mächtig die Fetzen fliegen. Da sind die Konservativen, die sich auf alte Traditionen berufen und Bewährtes bewahren wollen, und da sind die Modernen, die gerne neue Antworten des Glaubens auf die Fragen der heutigen Zeit geben wollen. Da sind die, die schöne, reich gefüllte Liturgien lieben und die, die gerne alle Formen auflösen wollen, um dem Heiligen Geist viel Raum zu lassen. Bei Paulus waren es die Spannungen zwischen den Juden und den Christen, die oft für Zündstoff in den Gemeinden sorgten. Alles unter der Frage: Was ist Wahrheit? Darüber können sich selbst die Christen so richtig herrlich in die Wolle kriegen. Alt gegen Jung, Pop gegen Choral, Arbeit gegen Kontemplation. Genau an dem Punkt, wo manch einer sagt: Das ist nicht mehr meine Gemeinde, ich stelle mir Kirche anders vor, in der Umgebung kann ich meine Berufung nicht leben, bekommt unser heutiges Wort seine Bedeutung. Du bist ja doch unter uns zeigt, dass Gott da ist, auch wo die Verhältnisse nicht unserem Geschmack entsprechen. Gott ist da, weil die Alten und die Jungen nach seinem Namen heißen. Das Fundament von Kirche und Gemeinschaft ist nicht die Einheit in Geschmacksfragen, sondern die Einheit in Christus, dessen Namen wir tragen. Über den Christus-Namen verbindet Gott die Verschiedenheit. Im Glauben sind wir die Kinder Gottes, vom frommen Hippie, bis zum seriösen Stundenbruder. Dieser Name verbindet etwas, was sich normalerweise gar nicht verbinden lässt. Durch die Kindschaft, hat auch der eine Berechtigung, der mir menschlich nicht schmeckt. Christus und das Wort bringen die größten Unterschiede an einen Tisch.

Wo die Verschiedenartigkeit den gleichen Namen trägt, wächst zusammen, was zusammen gehört. Da ist der Andere ein Teil von mir, auch wenn er mich herausfordert und unangenehm ist. Christus liebt ausgerechnet den, mit dem ich mir schwer tue. Kann ich da noch so einfach ausgrenzen wo Gott verbindet? Kann ich da sabotieren, wo er Brücken baut? Kann ich da Schuld anrechnen, wo er verzeiht? Gelten da immer noch meine Maßstäbe, wo er ganz neue setzt? Wo wir nach seinem Namen heißen, verliert unser Name an Gewicht. Mit diesem Namen sind wir die Geliebten des Versöhners. Wir wachsen in eine Liebe hinein, die die Verschiedenheit verbindet. Das ist die Kirche der Zukunft. Das ist Reich Gottes, in dem die ganze Farbigkeit der Schöpfung, die Vielfalt der Auffassungen, vereint an seinem Altar steht.

Wo wollen wir differenzieren, was Gott versöhnen will?

Auslegungen für jeden Tag
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