Überraschend anders

Gott kommt zu denen, die ihn missverstehen.

„Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den Herrn und uns von ihm abwenden.“

Jos. 22, 29
Glaubenskriege, es gab sie im alten Judentum bis heute. Dabei geht es nicht einmal fromm gegen nicht fromm, sondern Glaubende gegen Glaubende. Bis heute sprechen die einen, den anderen den Glauben ab. Die eine Rechtgläubigkeit, bricht über die andere das Schwert. Auffassungen wie bei Josua. Die einen grenzten die anderen aus. Ihr vom Stamm Ruben, da hinter dem Jordan gehört nicht zu unserem Volk. Da gibt es Glaubende, die haben Gott für sich gepachtet. Wer nicht so glaubt wie wir, ist ein Abweichler oder meint es nicht so ernst. Da betet oder singt einer etwas anders, dann wird er mit Verachtung gestraft. Da müssen Glaubende ihre Gottesbeziehung bezeugen: Das sei ferne von uns… Willkommen im richtigen Leben. 
In der Ausbildungsstätte unseres Prios in Unterweissach wurde den jungen, angehenden Predigern vermittelt: Das erste Verständnis, das wir von Gott haben ist ein Missverständnis. Soll heißen, mit all seinen Vorstellungen von Gott, liegt der Mensch daneben. Gott ist für den Menschen nicht fassbar, erklärbar oder in eine Schublade einzuordnen. Gott ist so souverän, dass sich der Mensch immer infrage stellen muss. Er begegnet dem einen so, dem anderen anders. Christus kommt zu uns in der Eucharistie und in dem syrischen Flüchtling, der Bett und Schrank sucht, für eine Wohnung, die er bekommen hat. Gott lässt sich nicht in eine Schablone pressen, die Menschen aus einer persönlichen Begegnung mit ihm gemacht haben. Da braucht der Ordensmensch nicht gegen den Charismatiker antreten. Auch die Emmaus Jünger verstanden die Welt Gottes nicht mehr. Sie erlebten Jesus, der ihnen das Wort auslegte und große Hoffnungen für die neue Gottesherrschaft machte, und waren fassungslos, als für sie am Kreuz alle Lichter ausgingen. In ihrem enttäuschten Rückzug, dann die Nachricht, der Auferstandene befindet sich in Jerusalem. Angesichts dieser göttlichen Tatsachen kann sich der Glaubende immer nur infrage stellen, weil er die Geschichten um Gott nicht verstehen wird.
Gott kämpft nicht um die Rechtgläubigen, sondern kommt zu den Offenen, die sich immer neu, vielleicht durch eine Begegnung an der Krippe überraschen lassen. Er besucht nicht die Festgelegten, sondern die Bereiten, denen er immer wieder anders begegnen kann. 
Wo steht unser eigenes Verständnis von Gott, einer überraschend anderen Begegnung im Wege?

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