Wen Gott nimmt, begabt er

Der Herr nimmt sich was er braucht.
„Amos sprach: Ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!“

Amos 7, 15-15
Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Da ist ein einfacher Landwirt, macht seine Arbeit und verdient sein Geld damit, und Gott funkt dazwischen. Berufung schmeißt ein Lebenskonzept über den Haufen. Wer oder was ich bin, spielt für Gott keine Rolle. Er nimmt sich einfach jemand heraus und sagt: „Ich habe eine ganz andere Aufgabe für dich. Lass deine Rinder Rinder sein und zeige meinem Volk wo es lang geht.“ Wir sind Gottes Hoheitsgebiet. Was sich der Herr wie und wo nimmt, ist seine Sache, egal was der Mensch denkt und plant. Gott wählt sich hier einen Propheten, der keine akademische Laufbahn vorweisen kann. Ein Landwirt wird zum Visionär eines Volkes bestimmt. Das erlaubt sich Gott ganz einfach. Jesus wählt ganz normale Fischer, die er zu seinen Jüngern macht, dass sie dann den Menschen zu predigen und sie heilen. Da kommt keine Rückfrage, ob die Jünger, ob Amos das überhaupt wollen. Gott nimmt einfach von der Herde oder den Netzen weg, fragt nicht nach Auskommen oder sozialem Umfeld. Für ihn ist es das Selbstverständlichste von der Welt, in ganzer Radikalität die Lebensplanung seiner Kinder zu bestimmen. 
Doch was hier ganz normal ist, bereitet vielen Glaubenden Bauchschmerzen. Das passt alles gar nicht so sehr in unser Selbstbestimmungsrecht. Viele haben ein Problem, wenn Gott nach ihrem Leben greift. Da sind dann plötzlich Pläne und Vorstellungen, die es an den Nagel zu hängen gilt. Vor ein paar Tagen las ich in der Totenchronik einer mir gut bekannten Diakonisse: Eigentlich wollte ich heiraten und eine Familie haben, doch Gott wollte, dass ich in einer Lebensgemeinschaft Schulen und Krankenhäuser aufbaue. Wo Gott sich unser Leben für sich herausnimmt, geht es ans Eingemachte. Als lebenslustiger, freiheitsliebender Mensch, konnte ich mir nie ein Leben im Kloster vorstellen, Gott aber schon. 
Was sich Gott herausnimmt, erhält einen weit größeren Auftrag, als sich der Mensch selbst erwählt hätte. Gott hat hohe Maßstäbe und große Ziele. Rinderhirte zum Propheten. Wo er ruft, qualifiziert er. Er schafft die Bedingungen. Wo Amos sich darauf einlässt, erfährt er die Gabe der Weisheit, der Menschenführung und der Verkündigung. Er bringt das lebendige Wort dem Volk, um es aufzubauen, zu ermahnen und zu trösten. Da entsteht Reich Gottes pur und einfach dadurch, dass Menschen sich herausnehmen lassen.
Warum sollten wir dieses großartige Schaffen, durch unsere Vorstellungen ausbremsen?

Gott segne euch an diesem Sonntag.

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