Der Kontrapunkt

Die Lehre der Harmonie und dessen, was man als schön definiert, kennt in er gewöhnlichen Linienführung die unerwartete Wende.
„Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.“

Jes. 65, 18
Immerdar fröhlich zu sein, ist ein Schönheitsideal, das offensichtlich nichts mit unserer alltäglichen Wirklichkeit zu tun hat. Studieren wir einmal die Gesetze von gelungener Architektur, wie der des Baltasar Neumanns, entdecken wir, sich immer wiederholende Grundformen, die an bestimmten Stellen von einer Gegenbewegung geschnitten werden und sich so zu einer genialen, faszinierenden Bewegung entwickeln. In der Musik gibt es Tonfolgen und Melodien, die dem Ohr eine gewisse Hörerwartung vermitteln, wie der Verlauf des Stückes sich fortsetzten wird. Doch wenn unerwartet eine Gegenbewegung einsetzt, die in eine ganz andere Richtung verläuft, als vorausempfunden, wird eine Spannung erzeugt, die einfache, schöne Musik zur Kunst werden lassen. Diese Gesetzmäßigkeit haben die alten Meister wie J.S. Bach bis zur Vollendung beherrscht.
Immerdar fröhlich sein, ist die unerwartete Gegenbewegung zur Banalität unserer Tage. Die sich wiederholenden Schläge, menschlicher Ohnmacht, tragen in sich kein Potential für eine hoffnungsvolle Wende. Da brauchen wir nur am Blütenmeer des Grabes eines geliebten Menschen stehen. Fröhlich sein hat seinen Schnittpunkt in dem „was ich schaffe“. Wo Gott schafft, löst sich die Leier des Menschlichen auf. Da ist ein Kreuzungspunkt, bei dem das Leben eine radikale Wende nimmt und zu einem Höhenflug ansetzt. Wo der Schaffensprozess Gottes die Grundlinie des Menschen tangiert, wird das Kreuz zur Auferstehung. Wo die Jünger dachten, das mit dem neuen Messias Glauben sei auf Golgatha alles gelaufen, schafft Gott das Unerwartete und Undenkbare. 
Die Wirklichkeit des Menschen erfährt seine Genialität in diesem Schnittpunkt. An diesem Kreuzungspunkt wendet sich die Trauer in Freude. Gottes Schaffen gibt dem Unscheinbaren und Unglücklichen, einen fröhlichen Verlauf. Dadurch kann ab heute auch unser trauriges Dasein, zu einem großen Kunstwerk Gottes werden.
Warum sollte da auf unserer eingefahrenen Grundlinie, dieser Umbruch nicht eine ganz fröhliche Bewegung ins Spiel bringen?

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