Meer-Nähe

Wir sind von unfassbarer Nähe eingehüllt.
„Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.“

Ps. 107, 23-24, 31
Um die Nähe Gottes aufzumalen gibt es kaum ein besseres Bild als das Meer. Wenn Gott das Meer ist, dann ist jedes Schiff von nichts anderem als von Gott getragen. Wer sich auf das Meer begibt, schwimmt auf Nähe. Jeder Augenblick wird zum Wunder, weil die scheinbare Gefahr, von Gottesgegenwart erfüllt ist. Es besteht nur das eine Risiko, dass wir in Gott fallen. Das Hinausfahren zu unbekannten Ufern wird nicht zur Lebensbedrohung, sondern zu einem Hineinfahren in den sichersten Halt. Je mehr wir die Stürme zu fürchten haben, umso mehr hüllen uns die Wellen in die Nähe Gottes. In den Gefahren des Alltags ist mehr Gott drin, als wir je vermuten. Das Unberechenbare wird zum Gottesereignis. Die Herausforderungen unserer Tage zum Wunder.
Nähe Gottes ist absolut. Im Lehrtext heißt es: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Woher kommt es dann, dass uns Gott manchmal so weit weg erscheint? Wenn Gott da ist, der Christus in Brot und Wein in uns eingeht, dann ist er sogar mitten in uns. Er ist uns näher als wir uns selbst sind. Nähe Gottes ist so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wenn Gott da ist, können wir uns nur fragen, wo sind wir dann? Wo Gott uns weit weg vorkommt, können wir den Spieß nur umdrehen und die Frage an uns richten. Nähe Gottes ist nicht die Frage an Gott, sondern an den Menschen. 
Wir sollen die Wunder unserer Tage entdecken. Es geht um ein Hineinspüren in die Güte, die uns umgibt. Wir werden zu Wunder-Suchern in unseren Stürmen. Die Dankbarkeit wird zum Klangkörper in den Wellen, die über uns zusammenschlagen. Die scheinbare Gottesferne wir zur Erfahrung von Nähe, weil das Unheil von dem Heil aufgefangen wird. So gilt es dankbar zu werden, weil wir wissen und erfahren, dass Gott seine Schiffe auch bei Gegenwind in den Hafen bringt.
Wenn so viel Nähe in uns ist, wo sollten wir da über Verlassenheit klagen?

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