Sehendes Herz

Der Mensch sieht nur mit dem Herzen gut.
„Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beides der Herr.“

Spr. 20, 12
Sehen und hören ist nicht in erster Linie eine Frage der Sinnesorgane. Es geht um die Wahrnehmung meiner Innen- und Außenwelt. Da erkenne ich beim Sitzen in einem spanischen Straßencafé den feuerrot blühenden Hibiskusstrauch in der Morgensonne. Ganz spontan entsteht zwischen ihm und mir ein Gespräch. Er hat mich einfach angesprochen mit seinem langen, bizarren rotgelben Blütenstempel, der am Ende fünf samtige Pfötchen in die Sonne reckte. Bei einer Tasse Kaffee bin ich von einer ganz anderen Welt berührt worden. Ich sah die Lichtspiele, das Schöpfungswunder, die Freude dieser feurigen Blüte, die mich einfach anlachte. Ich musste meine Tasse abstellen und die Kamera aus dem Auto holen.

Wer anfängt zu sehen, fängt an die Augenblick zu feiern. Da sind die Sinne offen für Unterbrechungen. Da nehmen wir Dinge wahr, die zwar da sind, doch außerhalb unseres Horizontes liegen. Da sehen wir Kleinigkeiten mit einem weiten Herzen. Gott will uns in das aufmerksame Wahrnehmen des Herzens führen. Er will den Blick hinter die Kulissen schärfen. Wo Herzen zu sehen und hören beginnen, sind wir bei Gott. Da will uns die Liebe geschmeidig machen für das Schöne der Schöpfung und die Not der Welt. Am Herzen Gottes sieht der Mensch Dinge, die ihn in Bewegung setzen. Im Hören auf das Wort, sieht der Mensch die Welt mit anderen Augen. Gutes sehen und hören liegt in der Beziehung mit Gott. Im Einklang mit Gott, gehen dem Menschen Augen und Ohren auf.
Da empfinden wir Glück bei einem braunen Grasknäuel, das vom Meer an den Strand gespült wurde. Da entstehen unvergessliche Begegnungen mit Menschen, mit denen wir nie zu tun hatten. Wo das Herz zu sehen beginnt, werden die Not der Menschen zu Aufgaben. Da kann ein beiläufig erwähnter Satz über irgendeine Schwierigkeit, zu unserer Herausforderung werden. Da können wir manches Unrecht nicht mehr übersehen, oder Klagen überhören. Wo der Herr ein sehendes und hörendes Herz schenkt, werden wir sensibel für das, was in diesem Augenblick dran ist. Dabei spüren wir aller Freude und allem Leid nach. Dafür bekommen wir Augen und Ohren.
Wie offen ist unsere Wahrnehmung, für das, was uns vor die Füße gelegt ist?

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