Gnade macht enttäuschungsresistent

wer Barmherzigkeit erfahren hat, kann selbst barmherzig sein.
„Ruben sprach zu seinen Brüdern: Vergießt nicht Blut!“

1. Mose 37, 22
Blut vergießen ist nicht nur eine Frage von Krieg und Terror, sie beginnt ganz im Kleinen bei uns. Wir kennen die alltäglichen Situationen, der offenen und versteckten Beleidigungen und Vorwürfen. Wenn manche Leute schon den Mund aufmachen, fängt in uns etwas zu Kochen an. Da schaffen es ein paar Worte, unsere fromme Seele in Wallungen zu bringen. Eine Stichelei, und schon braut sich in uns ein Gewitter zusammen. Da kennen wir uns plötzlich selber nicht mehr und erschrecken, welche Hassgefühle in uns aufkommen können. Eigentlich dachten wir, wir hätten uns fest im Griff und stehen darüber. Hier erleben wir den Selbstverteidigungswahn des Menschen. Die Theologie spricht von der Rechtfertigung. Wir stehen ständig unter dem Eindruck, wir müssten uns vor Gott und aller Welt rechtfertigen. Wir müssten uns selbst zum Recht verhelfen. Quasi, wenn wir das jetzt richtig stellen, ist die Welt wieder in Ordnung.
Rechtfertigung war Luthers großes Thema. Nicht der Mensch schafft Recht, sondern Gott schafft Recht. Wir sind nicht für die Reaktionen und Handlungen des anderen verantwortlich, wir sind für uns selbst verantwortlich. Der Umgang Gottes mit unserem inneren Aufbäumen, mit all den Abgründen die sich auftun, ist Barmherzigkeit. Gott schafft Recht durch Christus. Die Gnade ist das Auffangbecken für unser Hasspotenzial. Weil Gott liebt, sind wir gerecht gemacht, stehen wir im Richtigen.
Hier beginnt Heiligung. Hier wächst der unvergorene Mensch in die Gnade. In der Heiligung endet die Selbstrechtfertigung, weil wir bereits gerecht gemacht sind. Die erfahrene Barmherzigkeit macht an den Abgründen zur Liebe fähig. Auf dem Weg der Heiligung werden wir mehr und mehr enttäuschungsresistent, weil wir geliebt sind und nichts zu verlieren haben.
Ist die Barmherzigkeit nicht entwaffnend in allem Hass?

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Eine Antwort

  1. wenn man angegriffen, beleidigt wird und nichts rührt sich im Bauch, das ist ein gutes Gefühl, da kann einer sagen, was er will, glauben, was er will, das ist der Weg und da sind sich ja auch Christentum und Buddhismus sehr einig…
    nicht vergessen, Grenzen zu setzen…. aber ich glaub, das lern ich auch langsam….
    UND
    Eintreten für Gerechtigkeit – so weit wir das eben einschätzen können,
    aber das ist für mich auch wichtig:
    Nicht Feigheit oder Trägheit verstecken unter dem Deckmäntelchen der Friedfertigkeit !

    Einen guten Tag dir <3

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