Jeremia 1, 4-10
Ich aber erwiderte: „O nein, mein Herr und Gott! Ich habe keine Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!“
Doch der Herr entgegnete: „Sage nicht: Ich bin zu jung! Zu allen Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden, was ich dir sagen werde. Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.“
Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: „Ich lege dir meine Worte in den Mund und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!“
Ohne Blockade
„Das kann ich nicht!“ – „Das will ich nicht!“ – „Das klappt bei mir nicht!“ Diese Aussagen zeigen Blockaden bei Menschen an.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Mensch wahrscheinlich nur 20 % seines Gehirns ausnutzt, jeder also mehr Möglichkeiten hat, als er im ersten Moment meint.
Um eine Blockade geht es auch in unserem Text: „Ich habe keine Erfahrung, ich bin viel zu jung.“ An Hand von vier Punkten wollen wir uns diese Blockade anschauen.
- Im Auftrag von
- Ohne wenn und aber
- Immer dabei
- Licht und Schatten
1 Im Auftrag von
Hier ist einer, der alles sieht, alles im Griff hat. „Ehe du …“ – Er steht über dem, den er ruft, den er im Mutterleibe wachsen lässt. Gott, der Herr, Jahwe, der einzig wahre Gott, der ist, der war und der immer sein wird.
In seiner Liebe ist er zum Menschen getrieben, will er ihn als Gegenüber haben. Er erschafft ihn nur wenig geringer, als er selber ist. Der Schöpfergott will Gemeinschaft mit dem Menschen, dieser läuft ihm aus der Schule. Genauso sein Volk, das er als Zeugnis in die Heidenwelt setzt. Immer wieder wendet es sich ab von ihm, hin zu den Götzen ringsum.
Um sein Volk zurückzuholen an sein liebendes Herz beruft er Menschen, rüstet sie aus mit einem klaren Auftrag und sendet sie als seine Boten.
Heute in unserem Text: Jeremia. Er wird wie folgt beschrieben.
25 Jahre jung, schüchtern, zurückhaltend; im Jahr 650 vor Christus als Sohn eines Priesters geboren, von Gott gemeint, von Gott gerufen.
Jeremia – Prophet wider Willen – Prophet im Auftrag eines Höheren – Prophet mit klaren Anweisungen. Gott beruft – er sondert aus – er stellt in Dienst – er rüstet zu.
„Ich bin zu jung – die Worte werden mir fehlen“ entgegnet Jeremia. Er sieht die Schwierigkeiten, die negativen Erfahrungen, die Stunden der Einsamkeit, die Situationen der Verkennung jetzt schon vor sich. Er hat Angst.
Gott setzt in frei.
2. Ohne Wenn und Aber
Gott erkennt Jeremia, er blickt bei ihm durch. Und so setzt er seinen Ausflüchten entgegen:
„Du sollst gehen und predigen, allen alles, das, was ich will“.
Nicht: „Würdest du vielleicht, ich kann ja verstehen, dass du dir mit der Beauftragung schwertust, ich bin doch stärker, lasse dich nicht entmutigen.“
Klar, knapp, konkret die Anweisung von Gott. Er reißt die Blockade bei Jeremia nieder. „Geh“ heißt es einfach.
Da zählt das „Ich bin zu jung“ nicht mehr – Gott setzt sich darüber hinweg.
Bei uns: „Ich bin zu jung, ich bin zu gestresst, zu beschäftigt, zu vermögend, zu verheiratet, zu resigniert, zu entrüstet, zu enttäuscht, zu alt, zu unerfahren, zu, zu, zu ….“
Was alles schieben wir vor, wenn Gott uns persönlich meint, wenn er zu uns sagt: „Geh!“ Wie leicht verfallen wir dann den Ausreden: „Gott kann doch mich nicht gemeint haben, Gott sieht doch, dass ich keine Gaben habe, Gott weiß doch, dass ich mich um … kümmern muss, Gott kann doch nicht erwarten, dass ich diesen Auftrag wahrnehme.“
Anrufe – Berufungen Gottes: Mit Trauer stehen mir Lebensschicksale von Menschen vor Augen, die berufen waren und Gott aus der Schule liefen und dann letztendlich mit ihrem Leben gescheitert sind.
Gott ruft uns – manchmal sind es nur die kleinen Dinge, die er von uns verlangt, die er uns zeigt. „Ich muss jetzt erst … das kann doch nicht sein.“
Gott wollte Jeremia ohne Wenn und Aber – er will genauso uns heute Morgen. Schenke er uns die Offenheit für seine Beauftragungen.
Wo wir auf sein Reden eingehen bringt er durch.
3. Immer dabei
Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: „Ich lege dir meine Worte in den Mund und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche.“
Gottes Auftrag: knapp und klar. Auf der anderen Seite seine Zuwendung: umfassend, ausreichend.
Er verheißt Jeremia nicht, dass er ohne Probleme seinen Auftrag erfüllen wird, dass wenn er dabei ist, keine Widerstände da sind.
Das Gegenteil war der Fall – lange Jahre war Jeremia Bote Gottes. Er litt wie kaum ein anderer Prophet an seinem Amt, indem er zuletzt seine Geburt verflucht.
Jeremia – angegriffen, angefeindet, verachtet, verspottet, gehasst, verpönt. Er musste ansehen, wie seine Worte, Gottes Worte, Wahrheit wurden. Jerusalem wird erobert und die Bevölkerung großteils deportiert.
Jeremias Berufung: kein Honigschlecken.
Unser Glaubensweg an der Hand des Höheren kann uns genauso in dunkle Täler, in Tiefen führen.
Gott will oder hat unsere Blockade ihm gegenüber überwunden. In letzter Konsequenz in seinem Sohn Jesus Christus. Er hat erkannt: Wir schaffen es nicht alleine. Deshalb Jesus Christus. Er, der Zugang zum Vater.
Immer dabei – In Jesus Christus ist eine völlig neue Dimension des Priester- und Prophetentums angebrochen, des Priestertums aller Gläubigen, aller Menschen, die sich von Gott zu einer bestimmten Aufgabe rufen lassen.
Er bringt durch – diese Zusage gilt uns allen heute morgen. Ohne Wenn und Aber will er unsere Blockaden niederreißen und uns ausfüllen mit seinem guten Heiligen Geist.
Er rüstet zu – er beschenkt.
Ohne Blockade – Erschrecken wir nicht, wenn Gott uns gebrauchen will, wenn er uns anruft. Gott sieht unsere Ängste, unsere Schwächen, unser Unvermögen, unsere Zweifel, unser Klagen. Er sieht uns heute Morgen in der Situation, in der wir stehen.
Wir werden als seine Boten nicht ohne Probleme sein, aber Gott hat uns in seiner Liebe und Barmherzigkeit seinen Beistand gegeben: Jesus Christus. Lassen wir uns ein auf seine Berufung, auf sein Wollen – ohne Blockade.
4. Licht und Schatten
Du wirst niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!
Gott beruft zum Niederreißen, Einreißen, zum Entwurzeln, Zerstören all dessen, was nichts taugt. Dies bringt Leid und Einsamkeit mit sich, viel Unverständnis und vor allem Anfeindung.
Gottes Dienstleute: Oft als die sturen, engen und extremen Menschen bezeichnet, weil sie sich in ganzer Konsequenz gegen das Negative, das Böse wenden. Sie stellen sich auf Gottes Seite und kommen damit in den Beschuss.
Gott beauftragt hier einen Jeremia und setzt sich über seine Blockaden hinweg. Gott ist heute noch am Handeln und somit geht uns alle die Geschichte des Jeremia an.
„Niederreißen und zerstören ist im Dienste Gottes Notwendigkeit. Bauen und einpflanzen ist Lust und Freude und Teilhabe an der göttlichen Schöpfungskraft“ sagt ein Ausleger.
Das Bauen und Einpflanzen ist eine erfüllende Aufgabe, was für Jeremia im Großen gilt, gilt für uns im Kleinen.
Gott will uns auf seiner Seite haben, er wartet auf unser „Ja“.
Gott will unsere Blockaden niederreißen, dass er zum Zug kommt. In seinen Verheißungen ist er uns nahe, bringt uns durch, damit sein Reich aufgebaut wird.
Gehen wir mit mutigen Schritten seinen Weg. Er schenke uns zu allem Wollen das Vollbringen.
AMEN