„Kann ich nicht, will ich nicht, geht nicht“

Römer 12, 17-21

17 Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Euer Verhalten soll bei allen Menschen als ehrbar gelten.

18 Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen Menschen in Frieden.

19 Liebe Freunde, verschafft euch nicht selbst Recht. Überlasst vielmehr Gott das Urteil, denn er hat ja in der Heiligen Schrift gesagt: „Es ist allein meine Sache, euch zu rächen. Ich, der Herr, werde ihnen alles vergelten.“

20 Handelt so, wie es die Heilige Schrift von euch verlangt: „Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So wirst du ihn beschämen.“

21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.

„Kann ich nicht, will ich nicht, geht nicht“

Eine meditative Betrachtung

Verzeihen – dem, der vor meinen Augen meine ganze Familie erschossen hat?

Vergeben – dem, der mein Haus zerbombt und alles zerstört hat, was ich mir aufgebaut hatte?

Dem was zu essen geben, der mich bekämpft, verleumdet und ruinieren will?

… das ist was für den Heiligen Franziskus  – nix für mich, kann ich nicht, geht nicht, will ich nicht

Wo kommen wir denn hin, wenn man alles mit sich machen läßt?

Was wird denn aus der Welt, wenn man ungestraft auf dem Wochenmarkt die Kassen und Geldbeutel und im  Supermarkt die Ware klauen kann?

Wie kann den Friede werden, wenn der Stärkere den Schwachen ausbeuten und quälen darf, nur weil er mehr Waffen, mehr Möglichkeiten und mehr Kraft  hat?

Das Böse mit Gutem besiegen – ist das nicht ein gewaltiges Hirngespinst?

Gottes Gerechtigkeit ist größer, als wir mit allen Gesetzen ersinnen und erreichen können

Gottes Friede ist umfassender, als alle Waffen dieser Welt zusammenschießen können.

Gottes Barmherzigkeit sucht in Christus einen neuen Weg – in unser Herz, durch unser Herz in diese Welt.

Er will, daß wir es anders machen.

Er will, daß wir es anders sehen

Er will, daß wir es anders wollen.

Er hat es durchbrochen, das alte Gesetz der Blutrache und Vergeltung, das in der Welt ist, seit Kain den Abel erschlug:

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“

„Wie du mir, so ich Dir“

Er will sie durchbrechen, unsere Unfähigkeit, aus seiner Güte zu leben.

Er will uns freimachen vom Zwang der Angst um uns selber,

um unseren Besitz

um unser Ansehen

um unser Glück

um unser Wohlergehen

Er will uns helfen, im Spannungsfeld der Schuld, in das wir alle gestellt sind, seine Barmherzigkeit zu leben.

Wo seine Güte in uns Raum gewinnt, fragen wir nicht, was uns Schlimmes angetan wurde, sondern was wir Hilfreiches tun können.

Wo seine Gerechtigkeit in uns wirken kann, suchen wir nicht nach Raketen der Vergeltung, sondern nach Räumen der Versöhnung.

Wo seine Liebe uns durchdringt, macht sich Neid und Mißgunst auf den Fluchtweg, ist es nicht mehr wichtig, ob der andere schöner, besser, liebenswerter oder begabter ist, mehr hat oder mehr weiß als ich.

Kann ich nicht, will ich nicht, geht nicht

Gott hat in seiner Liebe den neuen Anfang gesetzt. Er gibt mir einen neuen Wert. Er gibt mir die Fähigkeit, das Gute zu tun, das ich aus mir selbst nicht  kann.

Er sagt nicht ja zu den Dingen, die böse sind, aber er will  die Bereitschaft in mir wecken, all das, was mir an Kränkung und Kummer, an Ungerechtigkeit und Schmerz zugefügt wird, in seine Hände zu legen.

Nur darin kann es gut werden, unser Leben.

Nur darin kann sie heil werden, unsere Erde.

Nur dadurch kann Friede werden in unserer Welt.

Kann ich nicht, will ich nicht, geht nicht

Ich nicht, aber die barmherzige Liebe Gottes in Christus. Machen wir ihr Platz, damit sie`s durch uns versuchen kann – anfangsweise, verborgen und angefochten – jeden Tag wieder neu. Amen.

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