Wer ist wie du?

Micha 7, 18-20

18 Wer ist, Gott, wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein.

19 Er wird sich unser wieder erbarmen, er wird niedertreten unsere Schuld. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden.

20 Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit.

Wer ist wie du?

Wer ist wie du? – Persönlichkeiten werden emporgehoben, verglorifiziert, verherrlicht.

Oft ist es Lobhudelei, wenn sie verstorben sind. Plötzlich erscheinen sie in einem anderen Bild als sie je wahrgenommen wurden.

Wer ist wie du? – Erinnerungen trüben die Realität, zeichnen ein glorreiches Bild. Da erstehen Helden. Sie sind unerreicht, ohne Fehler, hoch erhaben über den anderen.

Auch Micha, der Prophet, macht sich Gedanken: Wer ist wie du?

Er muss Gericht und Unheil verkünden, weil die Menschen, weil das auserwählte Volk sich von seinem Gott entfernt hat und Grundordnungen durcheinandergekommen sind.

In unserem Predigttext stellt er die Frage: Wer ist wie du, Gott? Micha findet in seinen Worten drei klare Aussagen.

  1. Gott ist gütig
  2. Gott erbarmt sich
  3. Gott ist treu

1 Gott ist gütig

Gott verzeiht Schuld, hält nicht fest am Zorn und hat Wohlgefallen an seiner Güte.

Güte Gottes – sie ist absolut, weil nur Gott gut und weil er von seiner unermesslichen, freien Liebe getrieben ist.

Er ist allen Geschöpfen zugewandt. Er will ihr Heil, ihre Glückseligkeit, ihre Rettung.

Seine Güte währt ewiglich, sie ist tröstlich, allumfassend.

Gottes „Gutsein“ – er empfindet Hinneigung und Wohlwollen für alles, was er geschaffen hat. Er lässt sich dabei nicht aufhalten von Schuld, von Widerstand, von Verneinung, von Missgunst, Übertretungen und Abwegen. Immer ist er um seine Geschöpfe bemüht, opfert sich auf, geht ihnen entgegen, umfängt, unterfängt, beschützt und bewahrt.

Gott drängt es in unendlicher Güte zum Menschen. Nichts hält ihn davon ab. Sein Herz schlägt für die Menschen, brennt für sie.

Gott ist gütig – er erzeigt uns seine Huld, seine Gnade:

Langenberg:  Gnade ist diejenige Seite der göttlichen Liebe, die nur auf dem Wege der Erlösung sich voll auswirken kann. Gnade ist das souveräne Heilshandeln Gottes mit dem bankrotten, ohnmächtigen Menschen.

Dabei ist die Gnade keine Ausrede für sittliche Laxheit, sondern eine wunderbare Kraftquelle für das Heiligungsleben.

Das heiß: Dort, wo wir von Gottes Güte getroffen werden, muss es zu Auswirkungen kommen.

Sie treibt zum Lob und Dank, treibt aber genauso zur Umkehr. Sie weckt unser Vertrauen und unsere Hoffnung, weil er es immer gut mit uns meint.

Gottes Güte – in den positiven Erfahrungen, wo er uns sichtbar wohltut, genauso in den Krisen, den Nöten und Problemen, in den Prüfungen. Gottes Güte in menschlichen Aussichtslosigkeiten, in Rätseln und ungelösten Fragen. Gottes Güte in den Tiefen und Engen unseres Lebens.

Voigt: Die Hilfe Gottes besteht sehr oft nicht darin, dass die uns bedrängenden Dinge aus dem Weg geräumt werden; aber sie werden unschädlich gemacht, ja in Segen verwandelt, wo durch Gottes Gegenwart an uns das Notwendige geschieht.   Man sitzt im Finstern; aber wo der Herr ist, da ist es hell.

Gott ist gütig – er weiß, was für uns gut ist, er ist immer wieder Licht und Heil, Hilfe, Trost und Zuversicht.

Gott ist gütig – er hat Wohlgefallen, er hat Freude, hat Lust an uns Menschen. Gott überwindet die Trennung zwischen uns Menschen und ihm, er ebnet die Straße, öffnet die Tür und führt uns.

Für Micha war es teilweise eine Zukunftsvision, für uns letzte Erfüllung und Vollendung in Jesus Christus.

Alles was uns Menschen betrifft, beschäftigt Gott. Damit sind wir bei

2 Gott erbarmt sich

Er tritt unsere Schuld nieder und wirft die Sünden in die tiefsten Tiefen des Meeres.

Gottes Barmherzigkeit – sein innerstes Mitgefühl mit den Menschen –  Beispiel: sein Volk Israel.

In langen Jahren ist er ihm zugewandt, immer wieder bereit zum Neuanfang. Seine Barmherzigkeit gipfelt in Jesus Christus. In ihm hilft er auf, bildet neuen Raum, schafft Zugang zu ihm.

Langenberg:  Barmherzigkeit ist diejenige Seite der Liebe, die nicht nur von Mitleidsgefühlen für das Elend und die Erbärmlichkeit des Armen und Elenden ergriffen wird, sondern auch angetrieben wird, das Mitleiden durch helfende Tat zu bewähren.

Gottes Barmherzigkeit – er lässt uns nicht im Sumpf unserer Schuld, sondern führt heraus.

Er vernichtet das Belastende, tritt es nieder, wie man einen Weg freitritt im hohen Gras oder tiefen Schnee.

Gott erweist seine Barmherzigkeit, indem er unsere Sünde in die tiefsten Tiefen des Meeres wirft.

Für Gott heißt es: komplett gelöscht, ausgetilgt.

Unsere Schuld ist hundertprozentig, vollständig, restlos vernichtet, weil nichts und niemand in die tiefsten Tiefen vordringen kann. Wo er uns zuspricht, „dir sind deine Sünden vergeben“, ist dies absolut.

Gott erbarmt sich unser in Vollendung in der Heilstat Jesu. Er öffnet uns damit neue Horizonte, eine andere Blickrichtung.

3 Gott ist treu

Du wirst Treue und Liebe erweisen, wie du es geschworen hast.

Gott macht Geschichte mit den Menschen, mit seinem auserwählten Volk Israel, mit den Propheten, mit Jesus Christus, seinen Jüngern, mit uns. Er ist immer und ewig der Handelnde.

Gott verbürgt sich. Er hält sein Wort. Er ist der Zuverlässige und Beständige. Er steht zu seinen Zusagen.

Dies zeigt sich in seiner Bundestreue. „Nie wieder will ich alles Leben auslöschen, wie ich es getan habe“ sagt er zu Noah und setzt als Zeichen den Regenbogen.

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ spricht er zu Abraham und schafft mit ihm ein großes Volk.

Gottes Treue – seinem Volk zugewandt. Er lässt es nie aus dem Auge, er steht zu seinem Volk.

Gott spricht zu uns: „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen.“ Oder: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Wenn Gott spricht, dann geschieht es, dann verwirklicht sich es. Bei ihm sind Wort und Tat eins.

Er ist uns Menschen zugeneigt, uns verbunden. In seinem Mahl setzt er ein absolutes Zeichen dieser Treue.

Gott erbarmt sich in Jesus Christus, öffnet immer wieder neu die Tür zur Umkehr und zur Rückkehr.

Er als liebender Vater steht vor der Tür mit offenen Armen und wartet, dass wir heimkehren.

Wer ist wie du, Gott? – Keiner ist so wie du. Du bist würdig zu nehmen Ehre, Ruhm und Preis. Gott, du bist unbeschreiblich gut. Du bist und bleibst der uns Zugewandte, der sein Ja zu uns spricht. Darauf können und sollen wir bauen.

Unser Text will uns wachrütteln, anspornen, aufrichten. Gott sichert uns seine Zusagen zu, er ist untrüglich, verlässlich, erfahrbar.

Wir können ihm vertrauen, wir dürfen ihm alles anbefehlen und hoffen und glauben, dass er richtig handelt.

Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Er ist mit uns auf dem Weg.

Er führt durchs dunkle Tal, er reicht uns seine Hand.

Oder mit Voigt ausgedrückt:  Gott verwandelt die bedrängenden Dinge in Segen.

Selbst da, wo wir menschlich keine Lösung, keinen Ausweg sehen, kann er helfen. Seine Zusage und Treue zu uns gilt für jeden einzelnen, egal in welcher Situation er steckt.  

Wer ist wie du? Gott will und Gott handelt – nach wie vor.

Wagen wir deshalb jeden Tag neu den Schritt auf ihn zu, weil Gott in seiner Güte, in seiner Barmherzigkeit und in seiner Treue da ist.

Wer ist wie du, Gott? – Für uns die hundertprozentige Zusage, dass er ist und war und ewig sein wird.   AMEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert