1.Petrus 2, 21b-25
Denn auch Christus hat für euch gelitten, und er hat euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.
22 Er hat keine Sünde getan; keine Lüge ist je über seine Lippen gekommen.
23 Beschimpfungen ertrug er ohne Widerspruch, gegen Misshandlungen wehrte er sich nicht; lieber vertraute er sein Leben Gott an, der ein gerechter Richter ist.
24 Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie selbst zum Kreuz hinaufgetragen. Das bedeutet, dass wir für die Sünde tot sind und jetzt leben können, wie es Gott gefällt. Durch seine Wunden hat Christus uns geheilt.
25 Früher seid ihr herumgeirrt wie Schafe, die sich verlaufen hatten. Aber jetzt habt ihr zu eurem Hirten zurückgefunden, zu Christus, der euch auf den rechten Weg führt und schützt.
Zurückgebracht
Manches vergißt man ein ganzes Leben lang nicht.
Da war der schöne Abendspaziergang auf der schwäbischen Albhochfläche.
Na ja, Wegweiser gab`s dort keinen, aber der kleine Pfad am dicken Baum – da geht`s runter, das würde ich auf jeden Fall ja wiederfinden; und ein bißchen alleine die Landschaft erkunden – das mußte einfach mal sein.
Langsam rückt der Termin näher, wo wir uns treffen wollten – also Zeit zum Abstieg. Welcher war jetzt denn der richtige dicke Baum – und wo war der Weg?
Im Dunkelwerden gerät die Sache zum Alptraum, und so langsam kommt die Angst, nie wieder zurückzufinden. Da ist es eine ungeahnte Erleichterung, wenn es jemanden gibt, der sich auf die Suche macht und den man rufen hört, wenn es immer dunkler wird.
In Christus macht Gott sich auf die Suche nach uns, die wir unsere eigenen Wege gehen wollen, weg von seinen Wegweisern, weg von seinen Ordnungen, weg von der Gemeinschaft mit ihm, weg von dem Platz, den er uns für unser Leben zugedacht hat.
Auf der Suche nach uns selbst, unseren eigenen Wünschen und der großen Freiheit haben wir die Orientierung verloren.
„Sünde“ nennt das die Bibel. Ein Wort, mit dem wir uns so ungern identifizieren.
Verirrt sein
Gescheitert sein
Verloren sein
Haltlos sein
Ziellos sein
Wir doch nicht!
Wir haben`s doch im Griff!
Wir sind doch keine Schafe!
Wir machen doch nicht wirklich was falsch!
Wir brauchen doch keinen, der für uns stirbt.
„Man kann auch auf illustre und noble Art verirrt und verloren sein, anfällig und verletzlich, glückshungrig und sensationssüchtig, mit den Menschen und sich selbst zerfallen, mißgelaunt und enttäuscht, gelangweilt und hoffnungslos – weil man an dem Gott vorbeilebt, mit dem personenhaft verbunden zu sein die eigentlich Würde und das Wesen unseres Mensch-Seins ausmacht.“ sagt der Theologe Voigt
Personenhaft verbunden sein mit Gott
hoffen dürfen, daß der Pfad, den er mir zeigt, mich aus dem Dickicht meiner Alltagssorgen führen wird.
Personenhaft verbunden sein mit Gott
erfahren dürfen, daß seine Kraft mich trägt, wenn Schmerzen und Krankheit, Alter und Schwäche den Boden unter meinen Füßen wanken lassen.
Personenhaft verbunden sein mit Gott
fragen können an den Wegkreuzungen meines Lebens, wohin ich gehen soll
Personenhaft verbunden sein mit Gott
zu ihm kommen können mit all dem, was schiefgegangen ist trotz aller meiner guten Vorsätze
Personenhaft verbunden sein mit Gott
in Freiheit den Tag beginnen können, weil ich sie ihm abgeben kann, die Last all dessen, was gestern nicht richtig war.
Personenhaft verbunden sein mit Gott
aus seinen Händen Gelingen und Glück erfahren in den großen und kleinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die er für mich bereit hat.
Zurückgebracht leben,
bei dem Hirten, der mehr weiß als die Schafe.
Zurückgebracht leben,
mit dem Hirten, der mehr kann als die Schafe
Zurückgebracht leben
bei dem Hirten, der für uns ein Zuhause geschaffen hat, in dem wir die Geborgenheit finden, die niemand sonst uns geben kann. Amen.