Predigt vom 11.01. 2026
Matthäus 3, 13-17
Auch Jesus kam aus seiner Heimat in Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Aber Johannes versuchte, ihn davon abzubringen: »Eigentlich müsste ich doch von dir getauft werden! Und nun kommst du zu mir?« Jesus erwiderte: »Lass es jetzt so geschehen, denn wir müssen alles tun, was Gott will.« Da gab Johannes nach.
Ein Neues beginnt
Wir kommen gerade vom Jahreswechsel. Das neue Jahr hat begonnen – für viele mit entsprechenden Vorsätzen und Zielen. Die anderen gehen in ihrem Trott weiter.
Ein Neues beginnt – die Erfinder träumen immer davon, dass ihr Produkt die Welt oder wenigstens Abläufe verändert.
Eine neue Regierung wird eingesetzt – auch sie hat ein Programm, mit dem Grundlegendes geändert werden soll.
Kriegsende, Waffenstillstand – Neues kann beginnen im Wiederaufbau, mit vereinten Kräften.
In unserem heutigen Text beginnt ebenfalls ein Neues.
Zwei Punkte
1. Die Begegnung
2. Der Aufbruch
1. Die Begegnung
Zwei Welten treffen aufeinander: Johannes der Täufer und Jesus.
Johannes, der Mann in der Wüste, der Wegbereiter, ruft zur Umkehr, zum Neuanfang, verkündigt Gericht. Mit harten Worten, mit einer scharfen Botschaft bis hin zu „Schlangenbrut“ rüttelt er die Menschen wach, die zu ihm kommen. Er weiß um seine Berufung und erfüllt diese. Die Bereiten und Umkehrwilligen tauft er. Ihre Schuld wird symbolisch mit dem Wasser abgewaschen. Die jeweilige Taufe besiegelt diesen Schritt.
Dazu kommt Jesus, der Gottessohn, der Reine, der Mann ohne Fehl und Tadel. Er tritt heraus aus seinem bisherigen Erdendasein als Zimmermann.
Er reiht sich ein in die Schlange der Menschen, die sich taufen lassen wollen.
Er steht in der Mitte derer, die einen Neuanfang wagen wollen, die sich Ermutigung erhoffen, neue Ziele. Menschen, die bereit sind, das Alte zurückzulassen.
Und Jesus? – Er verzichtet auf das, was ihm zusteht an Status, an Achtung, an Respekt. Er ist einfach einer von ihnen.
Johannes erkennt, wer vor ihm steht.
„Eigentlich müsste ich doch von dir getauft werden!“
Der Höchste will sich von ihm taufen lassen. Das widerstrebt ihm. Der Geringe, der Schuldbeladene, der Beauftragte, soll den Sündlosen taufen?
Für Jesus, den Retter, ist sein Auftrag klar. Zur Befreiung und Erlösung muss er die Last auf sich nehmen, die ihn bis ans Kreuz führt, dass Neues beginnen kann.
Er ist Mensch unter Menschen und stellt sich unter ihre Abwege, unter all ihr Nein gegen Gott. Er tritt auf die Seite der Sünder, ohne dass er Sünder wird.
Jesus erkennt, dass Johannes geschockt ist und bringt gleich die Argumente für die Tat, die geschehen soll.
„Wir müssen alles tun, was Gott will“.
Indem Jesus sich unter Gottes Willen beugt, öffnet er die Möglichkeit für den Beginn des neuen Heils.
„Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!“
Als Mensch ohne Sünde lässt er sich taufen, erfüllt er seine Pflicht. Er wird der Eine für die „vielen“.
Johannes gibt nach – wenn der Retter tut, was Gott will, dann will er nicht im Wege stehen und tauft Jesus.
Daraus entsteht:
2. Der Aufbruch
Jesus steigt aus dem Wasser und der Himmel öffnet sich. Gott nimmt Wohnung unter den Menschen.
Aufbruch – der Himmel öffnet sich – oder wie es Stählin ausdrückt: überirdische Weltenräume öffnen sich.
Himmel – Gottes ewige Welt ist um uns, umringt uns – für uns nicht fassbar.
Nur in den Zeiten des Aufbruchs, wenn Gott in unser sichtbares Feld hereinkommt, können wir ihn gewahren, erahnen, bei seinen Heilstaten, bei Visionen und Träumen, bei seinem Wunderwirken.
Gott handelt aus seiner Welt und Zeit in unser begrenztes Zeit- und Raummaß hinein. Wir kennen nur drei Dimensionen: Länge, Breite und Höhe – Gott ist aber die vierte Dimension, die Unendlichkeit, das Ohne-Ende-sein von Raum und Zeit.
Neues beginnt – in einer scheinbar alltäglichen Situation am Jordan.
Bei der Begegnung zwischen Johannes und Jesus kommt es zum Aufbruch.
Voigt: Jesu Hinaufsteigen ans Ufer und das Herabsteigen des Geistes auf ihn sind bedeutungsvoll aufeinander bezogen. Auf Jesu Selbsterniedrigung antwortet Gott mit seiner Erhöhung, indem der Geist Gottes auf Jesus herabkommt.
Der Geistbesitz ist das Besondere bei Jesus. Wer Gottes Geist hat, der denkt wie Gott, urteilt wie Gott, will wie Gott, ist von Gott selbst getrieben wie ein Schiff, in dessen Segel sich der Wind legt.
Gott, der Vater und Gott, der Sohn werden eins mit dem Geist. Es besteht kein Unterschied.
Mit der Taufe beginnt für Jesus Neues in seinem Erdendasein. Er wirkt unter den Menschen, verkündigt, heilt, vollbringt Wunder, setzt sich auseinander mit den Schriftgelehrten und Pharisäern.
Sein Auftrag ist klar vorgezeichnet bis hin zum Tod am Kreuz und seiner Auferstehung.
Dies bezeugt die Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Stählin: Dass der Vater Freude an seinem Sohn hat, dass der Sohn dem Vater „gefällt“, ist in dieser Ausdrucksweise nicht gemeint, sondern dies, dass der Vater ihn erwählt und berufen, seinen Ratschluss auf ihn gerichtet hat, und dass es Gott „beliebt“, in dem Gott-Menschen als dem Sohn des Vaters zu wohnen, in ihm und durch ihn zu wirken.
Gottes Allgewalt bricht herein in das Erdenleben Jesu. Er stellt klar: Ich will durch Jesus Neues wirken.
Der Zugang zu Gott wird wieder möglich. Altes vergeht – neues geschieht.
Dabei wird deutlich, wer Jesus ist, vor allem was er für uns ist. Er bekennt sich zu uns, zu unserer Schwachheit, zu unserer Ohnmacht und zu unserem Versagen.
Jesus ist und wird solidarisch, eng verbunden und zuverlässig mit uns Menschen. Er steht für uns ein.
William Baclay: Während der Taufe empfing Jesus die Gewissheit, dass vor ihm der Kreuzesweg lag. In diesem Augenblick erkannte er, dass er zum König auserkoren sei und dass sein Thron das Kreuz sein werde. Er erkannte, dass er siegen werde, dass seine einzige Waffe die Kraft sein werde, die von seiner leidenden Liebe ausging.
Jesus – die Proklamation Gottes, des Vaters. „Mein Sohn erfüllt seinen und somit meinen Auftrag.“ Er schafft neue Grundlagen.
Jesus kommt wie die Sünder zu Johannes und stellt sich ihnen gleich.
Er verwirklicht Gottes unendliche Liebe – er macht kund, Gott will uns Menschen, brennt für uns Menschen, für einen jeden einzelnen von uns.
Gott kommt zum Anfassen, zum besseren Begreifen auf diese Erde.
Gott macht in Jesus Geschichte mit uns Menschen. Er kommt herein aus seiner Ewigkeit in unser begrenztes Dasein.
Jesus, der Erlöser und Befreier, an dem Gott Wohlgefallen hat, weil er in und mit ihm wirken kann.
Voigt Den Christus, der es sich so schwer macht, weil er retten will, den haben wir nötig.
Lassen wir uns ein auf diesen Christus, auf Jesus, der Gott der hilft und rettet, damit bei uns immer wieder Neues – Ewigkeitliches – beginnen kann.
Wir haben ihn nötig. Er ist die Kraftquelle, die Möglichkeit des Neuanfangs, der Beginn der Ewigkeit in unserer Jetztzeit.
Sicherlich beginnt damit nicht eine Zeit ohne Probleme, Ängste und Gefahren. Auch keine Zeit, in der alles in Ordnung ist und es keinen Streit, keine Feindschaft oder keine Kriege mehr gibt.
Wir bleiben verwurzelt in dieser Welt, aber wir haben die Gewissheit, dass Gott uns in seiner Liebe und Barmherzigkeit zugewandt ist.
Wir sind dabei die Empfangenden aus der Zukunft für unsere Gegenwart. Wir empfangen Trost und Ansporn für unser Leben jetzt und für das Zukünftige.
Am Anfang im Johannes-Evangelium heißt es:
„In Jesus sind Gottes Gnade und Wahrheit zu uns gekommen.
Aus seinem göttlichen Reichtum hat er uns immer wieder mit seiner grenzenlosen Liebe beschenkt“ oder wie Luther übersetzt: „Wir dürfen nehmen, Gnade um Gnade“
Neues hat begonnen und Neues kann immer wieder beginnen, wo wir uns mitnehmen lassen. Christus, der Auferstandene, will retten. AMEN