Predigt vom 21.12.25
2. Kor. 1, 18-22
18 Gott ist mein Zeuge, dass wir niemals etwas anderes sagen, als wir wirklich meinen.
19 Auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, den Silvanus, Timotheus und ich euch verkündet haben, war nicht gleichzeitig „Ja“ und „Nein“. Er selbst ist in seiner Person das Ja Gottes zu uns,
20 denn alle Zusagen Gottes haben sich in ihm erfüllt. Und auf das, was Christus für uns getan hat, antworten wir zur Ehre Gottes mit Amen.
21 Gott selbst hat unser und euer Leben auf ein festes Fundament gestellt, auf Christus, und uns mit seinem Geist erfüllt[[A]].
22 So drückte er uns sein Siegel auf, wir sind sein Eigentum geworden. Das Geschenk des Geistes in unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand dafür, dass er uns noch viel mehr schenken wird.
Eindeutig Ja
Ja sagen und ja meinen können zwei völlig verschiedene Dinge sein.
Da gibt es das berühmte „Jaja“, „Ja aber“, „Ja schon“ „ja wenn“, jaaaaaaaaaaaaaa, dann mmmmmmmm, ääääääääääääääääääääh oder jein.
Die großen Gurus behaupten, Ja und Nein existiere überhaupt nicht. Irgendwie sei immer alles gut und richtig, alle Wege führten nach Rom und Christus sei auch nur eine Art von Buddha.
Deshalb braucht man in diesen Kreisen auch Drogenkonsum, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, daß es Ja und Nein überhaupt nicht gibt.
Ohne Drogen hat Paulus seinen Korintherbrief geschrieben. Das ist was für den kokainfreien Glauben oder für ganz schlichte Leute wie uns.
Gottes Ja ist
1. Eindeutig
2. Qualitätsversprechen in Christus
das
3. Befreit
1. Eindeutig
Menschliche Ja-Worte haben einen kleinen Nachteil: Sie haben ein Verfallsdatum wie Joghurt – mindestens haltbar bis das, was klein auf der Unterseite eingestanzt ist.
Wenn bei uns eine Gruppe zur Freizeit angemeldet ist, kommen immer 2-3 Leute weniger. Menschen, die im letzten Augenblick ihr Ja-Wort zurückziehen. Manchmal ist es höhere Gewalt, daß es nicht klappt. Vom Hund ins Bein gebissen oder schlimmer noch: einfach keine Lust gehabt.
Manchmal ist es nicht menschenmöglich, sein Ja-Wort auch zu halten. Plötzlich, wenn über Nacht alles Kopf steht, alles ganz anders läuft als geplant, wenn es sich anders anfühlt, wenn nichts mehr so ist, wie gedacht, ja dann…
Gottes Ja-Wort ändert sich nicht. Was aber nie heißt, daß er unflexibel wäre. Gottes Ja-Wort ist ein anderes Wort mit ganz anderer Qualität.
Gottes Wort ist zu allererst ein Ja-Wort: Ja, es geschehe also. Licht werde – Licht ward! der Schöpfungsbericht.
Da steht nicht: Nee … ich laß es lieber! Sondern: Es geschehe also!
Gottes Haltung ist zutiefst geprägt von einer positiven Einstellung.
Nicht, daß er keine schlechten Erfahrungen hätte – die hat er zuhauf.
Gott denkt anders. Ich will nicht sagen: positiv, denn sein Wort, das er spricht, ist nicht zu verwechseln mit Psychopampe unserer Tage.
Gott ist positiv, aber kein oberflächlicher Optimist.
Wo positives Denken den Glauben ersetzt oder durchmischt, entsteht ein grauenhafter Mix.
Auch wenn ich noch so sehr an mich glaube, schaffe ich im Weitsprung die 10 m–Grenze nicht. Gott macht Unmögliches möglich – nicht ich und mein positives Denken.
Gott denkt positiv. Er blendet sich nicht, auch nicht mit rosaroten Sonnenstrahlen.
Gerade wenn ich glaube, daß ich Berge versetzen kann, muß ich im Hinterkopf haben, daß meine eigene Kraft bestenfalls für einen Sack Zement reicht.
Gottes Ja-Wort ist nicht euphorisch, sondern wohlüberlegt, wohlbemessen, gut gewichtet.
Gott weiß, was er tut. Er ist zuverlässig, nicht stimmungsschwankend, sondern stabil, auch wenn er zornig ist, stabil in seinem Ja – schon deshalb, weil es eigentlich ein Nein sein müsste, weil zu viele Dinge passieren, die ihm widersprechen.
Gottes Ja zum Menschen müsste eigentlich ein Nein sein, weil der Mensch ein Nein-Sager ist.
Wir tun uns eher schwer damit, wirklich gut zu sein.
Jeder denkt nur an sich. Da fällt es schwer, eine entsprechende Antwort zu finden auf Gottes Ja-Wort.
Frei von Hintergedanken, frei von falschen Vorstellungen, frei von Gefühlsschwankungen spricht Gott sein „Ja, ich will.“
Es ist sein
2. Qualitätsversprechen in Christus
19 Auch Jesus Christus, der Sohn Gottes …. war nicht gleichzeitig „Ja“ und „Nein“. Er selbst ist in seiner Person das Ja Gottes zu uns, denn alle Zusagen Gottes haben sich in ihm erfüllt.
In Christus ist und war immer nur Ja. Es ist ein Ja ohne Einschränkung – Ja Gottes ohne kleingedruckte Klausel, ohne Bedingung, ohne Zusätze, einfach nur „Ja“ – so schlicht und einfach wie „Amen“.
In Christus liebt mich Gott, auch wenn ich ihn nicht liebe.
In Christus versteht mich Gott, auch wenn ich ihn nicht verstehe.
In Christus will mich Gott, auch wenn ich ihn nicht will.
Gottes Ja ist uneingeschränkt. Überall, wo wir auf Grenzen stoßen, sind es menschliche Begrenzungen, die ausgrenzen, dunkle Formen von „Nein“ oder „Ich will nicht, kann nicht, fühle nicht, mag nicht …“
Gott will – schon immer, überall, alle.
Das ist völlig grenzenlos. Es ist eindeutig, kein Zweifel.
In Christus schaut mich Gott an, gerade dann, wenn ich mein Spiegelbild nicht mehr aushalten kann, mich klein, hässlich und untauglich fühle und weiß, daß ich nicht so leben kann, wie es sich gehört und ich eigentlich wollte – wenn ich bemerken muß, daß ich nicht Ja sagen und Ja leben kann, daß in mir ein Zwiespalt ist.
In meiner Nacht, in unserer Finsternis, in ihrer Dämmerung und deiner Nacht schaut dich Christus an, um Gottes Ja zur Lebenswirklichkeit werden zu lassen.
Gott sagt Ja – ohne Zweifel, zu uns, obwohl er genauso klar und eindeutig ablehnt, was gegen ihn geht.
Sein Ja ist aber immer und uneingeschränkt die Grundlage für alles, was ist.
Christus ist Gottes eindeutiges Ja in die Zweideutigkeit der Welt, auch in meine eigene, ganz kleine.
Gott will mich, auch wenn ich lieber nicht, heute nicht oder noch nicht sofort oder ich mir das erst noch überlegen muß, ich noch nicht weiß ob oder ob überhaupt, ich nicht wirklich weiß ob sich das lohnt.
In Christus ist Beziehung möglich zwischen einem fehlerlosen und fehlerhaften Wesen, zwischen einem eiskalten und brandheißen, zwischen Hell und Dunkel, Grün und Schwarz, Groß und Klein, Hübsch und Häßlich.
Verrückt, aber wahr.
Nicht durch mich, sondern durch Christus ist die Verbindung zu Gott möglich mit so einem kranken Tier wie mir – so lautet das Evangelium.
Gottes Ja-Wort ist in Christus konkret für mich.
In ihm werden die Verheißungen wirklich.
Suchet, so werdet ihr finden
Bittet, so wird euch gegeben
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Ich will ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
Wir kennen die Verheißungen, die unter uns ja schon Wirklichkeit geworden sind.
Dort, wo man dabei an Grenzen stößt, sind es die selbergemachten, die eigenen, die Grenzen, die ich ziehe, meine menschengemachten Grenzen.
Nicht Gott begrenzt mich, sondern ich.
Es ist Gottes Ja, das
3. Befreit
Und auf das, was Christus für uns getan hat, antworten wir zur Ehre Gottes mit Amen.
schreibt der Apostel.
„Ja, es geschehe also.“ – Wir sind zum Ja-Sagen geboren, nicht als Ja-Sager. Es geht um wirkliches Einverständnis, weder um gedankenloses Hinterhertrotteln, noch um geheuchelte Zustimmung.
Das ist ein weiter Weg, eben weil es dabei keine bequemen oder ausgetretenen Pfade gibt. Es ist die neue Bahn, die an Advent aufleuchtet, auf der es zu fahren gilt.
Wir sind dazu befreit, diese Wege des Glaubens zu gehen, die man nur gehen kann, wenn man sich befreien lässt von aller Angst, auf diesen Wegen zu verunglücken.
Die Grenze meiner Angst ist immer eine ganz natürliche Grenze – gerade wenn mein Herz nicht aus Stein ist.
Befreien heißt nicht: wegsuggerieren. Befreien heißt: überwinden.
Christus ist für Menschen mit Angst gekommen, nicht für Supermann und Superfrau.
Es ist keine Schande, Angst zu haben, wohl aber, so zu tun, als hätte man keine.
Gerade da, wo ich nicht mehr so tun muß als ob, werde ich frei.
Ich bin frei. Gottes Ja-Wort macht mich frei, zu mir Ja zu sagen und zu denen, die ich ablehne.
Das ist das Geschenk des Geistes, daß ich es erkenne. Gott löst die Grenze auf, nicht ich.
In unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand dafür, daß er uns noch viel mehr schenken wird.
Das ist unser Auftrag: sich viel mehr schenken lassen, nicht viel, sondern viel mehr.
Das krempelt die Welt um, verwandelt unser Nein.
In Christus müssen wir uns nichts holen. Wir müssen es uns schenken lassen. Viel mehr – wieviel „viel mehr“ ist, erkenne ich erst dann, wenn ich mich befreien lasse.
Im angstfreien Raum erlebe ich mehr.
Es geht nicht darum, die Welt zu umarmen.
Es geht nicht darum, sich zu verbiegen.
Es geht nicht darum, ja zu sagen, wo man nein sagen will.
Es geht darum, sich von Gott berühren zu lassen.
Gerade, wenn in mir alles „nein“ schreit, überall Sackgassen sind, Zäune und Sumpf, gerade dann braucht es nicht meine Spiritualität, sondern nur ein kleines Wort, ein Ja-Wort, mein Einverständnis, daß es so laufen kann, wie geplant ist: gemeinsam von Anfang an – befreit von meiner Angst, nicht die oder der zu sein, der ich sein könnte.
Es kostet uns nur ein Wort, ein ganz kleines, völlig unscheinbares, uraltes Wort, das grenzenlose Auswirkungen hat, ein Wort nur, das am Ende jeder Predigt steht und sie eigentlich nicht abschließt, sondern bestätigt und startet, um gemeinsam aufzubrechen, Gestalt zu gewinnen, zu mehr.
Sprechen wir dieses kleine Wort bewußt, mit ganzer Ernsthaftigkeit: unser Ja-Wort: Es geschehe also! Amen.