Hebräer 13,1-3
Liebt einander weiter als Brüder und Schwestern.
Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn ohne es zu wissen haben manche auf diese Weise Engel bei sich aufgenommen.
Kümmert euch um alle, die wegen ihres Glaubens gefangen sind. Sorgt für sie wie für euch selbst. Steht den Christen bei, die verhört und misshandelt werden. Leidet mit ihnen, als würden die Schläge euch treffen.
Koinonia
Eine meditative Betrachtung
„Einer spinnt immer“ – Antwort eines Ordensbruders auf die Frage: „Was nervt am Klosterleben?“
Koinonia – „Gemeinschaft“, „Teilhabe“, „Partnerschaft“. … Nicht nur ein lockeres Zusammensein, sondern eine tiefe, fürsorgliche Verbundenheit, die auf dem gemeinsamen Teilen von Glauben, Leben und Gütern beruht.
Koinonia – Christus will, daß die, die sich nach ihm nennen, diese Gemeinschaft leben.
- Liebt einander!
- Sorgt für einander!
- Leidet miteinander!
1. Liebt einander
Ja, da ist auch der gemeint, der mir gerade mal wieder tierisch auf die Nerven geht.
Der, der mir auf den Wecker fällt, weil er so ganz anders denkt, als ich.
Der, der meine Gefühle nicht versteht.
Der, der nicht sieht, wie ich mich abmühe.
Der liebe Bruder neben mir, den ich mal wieder am liebsten auf den Mond schießen würde.
Die liebe Schwester neben mir, ohne die das Leben doch viel angenehmer und streßfreier wäre – oder nicht?
Koinonia – nehmt Anteil aneinander.
Versuch zu verstehen, warum er nur noch schwarz sehen kann, der Bruder neben Dir.
Versuch sie zu teilen, die Freude an dem Gelingen und dem Segen, der auf der Arbeit Deiner Schwester liegt.
Hilf tragen und tröste, wenn Du siehst, daß Kraft und Mut bei dem nicht reichen wollen, der mit Dir auf dem Weg ist.
Schrei nicht zurück im Streit, sondern verleugne deinen Egoismus und gib dem anderen den Vortritt.
2. Sorgt füreinander
Mach Platz bei dir für den, den Du nicht kennst.
Gib ihm, was er zum Leben braucht, von Deinem Tisch.
Tu was du kannst, damit er sicher an sein Ziel gelangen kann, wenn seine Rast bei Dir zu Ende ist.
Gastfreundschaft
- auch und gerade für den, der ganz woanders herkommt
- auch und gerade für den, der so ganz anders aussieht, redet und betet.
- auch und gerade für den, der deine Ruhe stört und deine Gewohnheiten durchbricht.
Gastfreundschaft – sieh den, der zu Dir kommt, als Bruder und Freund, als Bote und Engel des Christus, dem Du dienen willst.
3. Leidet miteinander
Er hat am Klavier gesessen und ein Lied gesungen – in Nigeria beim Gottesdienst.
Plötzlich sind sie gekommen. Sie haben seine Mutter, seinen Vater, seine Brüder und seine Schwestern erschossen – und noch viele andere aus der Gemeinde.
Jedes Mal, wenn er sich wieder ans Klavier setzt, sieht er sie wieder, diese Bilder.
Das ist nicht vor tausend Jahren passiert – sondern vor einem Monat.
Das ist nicht einem Menschen passiert, der uns nichts angeht.
Das ist nicht in einer Welt passiert, die uns nicht betrifft.
„Leidet mit ihnen, als würden die Schläge euch trefffen“.
Schaut nicht weg.
Wendet euch nicht ab.
Kümmert euch um die Geschlagenen, Geängstigten, Verfolgten und Geknechteten, tragt ihr Schicksal in euren Herzen und helft, wo es euch möglich ist.
„Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist allen geholfen“ – hat mal ein junger Mann gesagt, der ins Kloster wollte, weil er für das Kind, das er in die Welt gesetzt hatte, die Alimente nicht zu zahlen bereit war.
Koinonia – kümmert euch nicht zuerst um euch selbst, sondern um den, der neben euch
am Leben verzweifelt
vor Schmerzen weint
vor Angst schreit
so grenzenlos alleine ist.
Tut es aus der Kraft des auferstandenen Christus und aus seiner Barmherzigkeit, die für jeden Menschen gleich groß ist und von uns allen nicht gepredigt, sondern gelebt und weitergegeben werden will. Amen.