Apostelgeschichte 2, 1-8 + 11
Zum Fest waren viele gottesfürchtige Juden aus aller Welt nach Jerusalem gekommen. Sie liefen von allen Seiten herbei, als das geschah. Fassungslos hörte jeder die Apostel in seiner eigenen Sprache reden.
„Wie ist das möglich?“ riefen sie außer sich. „Alle diese Leute sind doch aus Galiläa, und dennoch reden sie in unserer Muttersprache; ganz gleich woher wir sind. Jeder von uns hört diese Männer in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!“
Und plötzlich ist er da
Urlaubsstimmung – Menschen am Strand, ausgelassen, nichts ahnend. Und plötzlich ist er da – der Tsunami, die Riesenflutwelle, die Tausende in den Tod reißt.
Oder: Wie oft haben wir schon davon gehört oder es selbst miterlebt. Wunderbarer blauer Himmel in den Bergen und schlagartig ein Wettersturz – plötzlich und unerwartet sieht alles anders aus.
Von einer plötzlichen Verwandlung mit gewaltigen Auswirkungen berichtet unser heutiger Text.
Anhand von drei Punkten wollen wir uns das Ereignis anschauen:
- Unverhofft
- Voll
- Wirkend
1 Unverhofft
Die Jünger sind beieinander. Sie hatten sich zurückgezogen, um nicht aufzufallen, um miteinander die Glaubenserfahrungen auszutauschen. Sie warteten auf die Zusagen Jesu. Und plötzlich kam ein Brausen, ein gewaltiger Wind, ein Sturm. Doch es ist nicht die Gewalt des Sturmes, der Dächer abdeckt, Bäume entwurzelt. Es ist vielmehr ein Brausen, das das ganze Haus und jeden Einzelnen erfasst.
Unverhofft – keiner kennt seinen Anfang, keiner weiß, woher er kommt und wohin er geht.
Zusätzlich erscheinen Feuerflammen über jedem einzelnen – Feuer, das reinigt, das Altes vernichtet oder läutert, das wärmt, das Neues entzündet, Herzen in Brand setzt.
Der Geist Gottes ist plötzlich da – Kraftzuwendung, Energieentladung aus der Welt Gottes. Unsichtbare, geheimnisvolle Kraft voller Dynamik. Sie lässt sich nicht binden oder einfangen.
Heiliger Geist – Gott in dritter Person – eins mit dem Vater und dem Sohn, Vermittler, Übermittler der ewigen Werte. Mit ihm, durch ihn können wir begreifen. Er ist der Übersetzer.
Unverhofft – der Geist weht wo er will. Der Geist schafft neue, ewigkeitliche Werte, ohne Zeitmaß, ohne menschliche Grenzen.
Gottes Geist ist aber nicht lernbar oder künstlich durch Übungen herbeizuführen.
Voigt: Der Heilige Geist kann weder von uns erzeugt noch von uns vereinnahmt, gehortet oder unter unsere Regie gestellt werden.
Gottes Geist kommt unverhofft. Plötzlich ist er da.
Wo der Geist wirkt, wo er weht, geschieht Neues:
2 Voll
So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt
Jesus Christus schenkt seinen Jüngern den Heiligen Geist, wie er es zugesagt hat. Sie haben alle ein Wehen gespürt und Feuer kommen sehen.
Pfingsten – Gottes Ewigkeit trifft menschliche Enge, schafft Weite in die Zukunft.
Somit ganze Fülle in Jesus, durch Jesus, durch den Heiligen Geist. Gottes Geist, Gottes Schenken – nicht kleinlich, häppchenweise, bruchstückhaft, sondern vielmehr total, absolut, uneingeschränkt.
Sie wurden erfüllt – die Jünger waren nicht mehr sie selbst, sondern überwältigt von einer anderen, von einer neuen Macht.
Gott spricht sein „es werde“ wie er es gesprochen hat, bei der Schöpfung genauso bei der Zeugung und bei der Taufe Jesu. Gottes Geist absolut.
Gottes Geist, der Beginn, der Ursprung, aber auch der Garant des Glaubens. In ihm, mit ihm und durch ihn erhalten wir die Gewissheit. Er schenkt die Gaben.
Plötzlich ist er da – Gottes Heiliger Geist. Eine neue Dimension ist aufgebrochen. Nicht menschliche Schwäche, nicht Schuld oder Versagen sind im Vordergrund, sondern Gottes gewaltiges Schenken.
Heiliger Geist – Fülle des Vaters – vermittelt durch Jesus. Gott füllt die zerbrochenen Herzen aus, richtet die verzagten Seelen auf, schafft Licht in der Dunkelheit.
Voll – Heiliger Geist – neue Horizonte eröffnen sich. Verwandlung geschieht. Aus Gott fernen Menschen werden Menschen, die sich von ihm in Dienst nehmen lassen. Aus Versagern werden standhafte Männer, die für sein Reich kämpfen, leiden und sterben.
Nichts bleibt mehr in den gewohnten Bahnen.
Daraus ergibt sich:
3 Wirkend
Und sie redeten in fremden Sprachen; denn der Geist hatte ihnen diese Fähigkeit gegeben. Jeder von uns hört diese Männer in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!
Für die Pfingstkreise der Beweis: Die Zungenrede ist die wichtigste Frucht des Heiligen Geistes. Sie übersehen dabei aber, dass dies nur eine Auswirkung ist.
Vorrangig wirkt der Heilige Geist mehr. Er wirkt einen Herrschaftswechsel im Inneren des Menschen. Nicht mehr das Ich oder die Sünde, sondern Christus wirkt in uns.
So macht er aus einem Verleugner einen Bekenner – aus Petrus wird der Fels.
Petrus bekennt und bezeugt seinen Meister, er wird Wortführer für die ganze Versammlung. Der Geist wirkt neue Dimensionen.
Dazu die Konkordanz: Heiliger Geist – dieser reinigt die Herzen, erneuert, erforscht die Tiefe der Gottheit und durchdringt, erleuchtet, erweicht die Herzen.
Geistgewirkt – ich kann glauben, ich erkenne die Tiefen meines Lebens, die Abgründe, all die Dinge, die nichts taugen. Der Geist wirkt die Offenbarung meiner selbst mit allen Höhen und Tiefen, mit allen Licht- und Schattenseiten.
Der Geist wirkt die Erkenntnis: IUch bin ein ständiger Versager – ich von mir aus schaffe es nicht. Er wirkt auch dahin, dass ich die mir zugesprochene Vergebung annehmen und ausleben kann.
„Dir sind deine Sünden vergeben“ – durch den Geist wird dies in meinem Leben eine Wahrheit, eine Realität.
Der Geist wirkt weiterhin das Ja zu den Führungen Gottes. In die Höhen wie in die Tiefen. „Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen.“ – Genauso: „Herr hilf, denn ich kann es nicht nicht mehr.“
Außerdem wirkt der Geist in uns die Erkenntnis, dass unser irdisches Leben nicht das Letzte ist. Er wirkt die Hoffnung auf die vollkommene Befreiung.
Der Heilige Geist handelt hinein in unseren Alltag, in unsere täglichen Verrichtungen. Er zeigt zielstrebig auf, wo der Weg lang geht.
Der Geist ist somit nicht ein Wischi-Waschi-Mechanismus – „So genau kann man es nicht sagen“ – oder so ähnlich
Voigt: Der Heilige Geist liebt nicht den Nebel, sondern die Klarheit.
Der Heilige Geist schafft Ordnung, Ordnung nicht nur im Äußeren, sondern genauso in den Gedanken, bei unseren Handlungen. Der Heilige Geist durchdringt alles.
Der Geist Gottes – Umwandler, Verwandler, Neuschöpfer, Mahner und Tröster. Er wirkt Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit, wobei die Liebe die größte Frucht ist.
Plötzlich ist er da – wir können nur staunen und dankbar sein Schenken und Helfen registrieren.
Die Jünger redeten von Gottes großen Taten: Sie sind überwältigt vom Wirken des Heiligen Geistes und vergessen dabei alles um sich her. Sie können nur noch Gott anbeten, loben, rühmen und preisen.
In diesem außergewöhnlichen Fall tun dies die Jünger in Zungenreden. Für uns: Wenn wir überwältigt sind von Gottes Wirken, fehlen uns oft die Worte. Deshalb die Weihrauchdarbringung am Ende unseres Gottesdienstes. Gott steht über allem, einzigartig, gewaltig und stark.
Lassen wir uns mitnehmen vom Wirken durch den Heiligen Geist.
Plötzlich ist er da – „Heiliger Geist, durchdringe uns, nimm uns in dein Handeln mit hinein, gebrauche uns als deine Werkzeuge, dass Gott allein Ehre wird“ – dies kann und soll unsere Pfingstbitte sein. AMEN