Derf der des?

Meditative Betrachtung vom 26.10.2025

Johannes 5, 1-16

1 Bald darauf feierten die Juden ein Fest in Jerusalem, und auch Jesus ging hin.

2 In der Stadt befindet sich nicht weit vom Schaftor entfernt der Teich Betesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen umgeben.

3 Viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Gebrechliche lagen in diesen Hallen und warteten darauf, dass sich Wellen auf dem Wasser zeigten.

4 Von Zeit zu Zeit bewegte nämlich ein Engel Gottes das Wasser. Wer dann als Erster in den Teich kam, der wurde gesund; ganz gleich, welches Leiden er hatte.

5 Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit achtunddreißig Jahren krank.

6 Als Jesus ihn sah und erfuhr, dass er schon so lange an seiner Krankheit litt, fragte er ihn: „Willst du gesund werden?“

7 „Ach Herr“, entgegnete der Kranke, „ich habe niemanden, der mir in den Teich hilft, wenn sich das Wasser bewegt. Versuche ich es aber allein, komme ich immer zu spät.“

8 Da forderte ihn Jesus auf: „Steh auf, roll deine Matte zusammen und geh!“

9 Im selben Augenblick war der Mann geheilt. Er nahm seine Matte und ging seines Weges.

Das geschah an einem Sabbat.

10 Einige der Juden, die den Geheilten sahen, hielten ihm vor: „Heute ist doch Sabbat! Da darf man keine Matte tragen!“

11 „Aber der Mann, der mich heilte, hat es mir ausdrücklich befohlen“, antwortete er ihnen.

12 „Wer hat dir so etwas befohlen?“, fragten sie nun.

13 Doch das wusste der Mann nicht, denn Jesus hatte den Teich wegen der großen Menschenmenge bereits wieder verlassen.

14 Später traf Jesus den Geheilten im Tempel und sagte zu ihm: „Du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit du nicht etwas Schlimmeres als deine Krankheit erlebst!“

15 Da ging der Mann zu den Juden und berichtete: „Es war Jesus, der mich geheilt hat!“

16 Von da an lauerten die Juden Jesus auf, weil er sogar am Sabbat Kranke heilte.

Derf der des?

Kranke heilen

Sünden vergeben

Gebote mißachten

Sich als Gottessohn ausgeben

Altgewohnte Ordnungen brechen

Außenseitern helfen

Da braucht er sich doch nicht zu wundern, wenn`s da Leute gibt, die ihn nicht mögen.

Christus tut etwas, was man in der Augen der frommen Gesetzeshüter „net derf“.

Er heilt einen Mann durch sein bloßes Wort, der seit 38 Jahren krank ist und dem kein noch so frommer Jude hilft, an die Heilquellen, die seine ganze Hoffnung sind, auch nur heranzukommen – und was noch schlimmer ist: Christus tut das an einem Sabbat, an dem Arbeit mit tausend kleinen und großen Detailausführungen verboten ist und fordert ihn auf, die Matte, auf der er gelegen hat, mitzunehmen.

Dabei soll es eine Verordnung gegeben haben, die  nicht mal das Tragen eines Taschentuchs erlaubt hat – man mußte es an der Kleidung annähen.

Christus handelt  sehr bewußt.

Er tut es aber nicht, um Gesetze zu brechen, sondern um die gnädige Liebe Gottes zu verkünden.

Er tut es nicht, um die Pharisäer zu ärgern, sondern um die Menschen vom Zwang des aussichtslosen „Aus-sich-selbst-perfekt-sein-Müssens“ zu befreien.

Er tut es nicht, um Schuld und Sünde gut zu heißen, die zur damaligen Zeit – und vielfach auch noch heute – als Ursache  für Krankheit galt – sondern um uns alle, die wir selbst nicht fähig sind, aus eigener Kraft gerecht und fehlerlos zu leben, die Tür zu Gottes Güte zu öffnen.

Derf der des?

Der Christus, den Gott zu den Juden der damaligen Zeit und darüber hinaus zu allen Menschen schickt, will sie aufheben, die Trennung zwischen Gott und Mensch, die auch und gerade dort sein kann, wo wir versucht sind, uns „durch unsere eigene Korrektheit vor Gott in Sicherheit zu bringen“ – wie Gottfried Voigt das sagt.

Wir können sie nicht leisten

Wir können sie nicht verdienen

Wir können sie nicht erwerben

die Richtigkeit, die vor Gott gilt.

Sie ist heilendes Geschenk dessen, der uns erschaffen hat.

Geschenk der Vergebung für unsere unguten Taten und unterlassenen Hilfen

Geschenk der Befreiung von unserer Angst um unser eigenes Wohlergehen.

Geschenk der Großmut, die geben kann, statt für sich selbst zu fordern

Das heißt nicht:

Du kannst tun, was Du willst und brauchst Dich nicht mehr an Ordnungen zu halten.

Aber es heißt: Du kannst tun, was gut ist – weil Gott Dir in Christus dazu die Freiheit schenkt.

„Liebe – und dann tu, was Du willst“ – sagt der Kirchenvater Augustin.

Man könnte auch sagen: Wer sich von Gottes Liebe bestimmen läßt, der derf des. Amen.

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