Von bösen Buben und lieben Mädchen

Meditative Betrachtung vom 13.07.2025

Lukas 6, 36-42

36  „Seid so barmherzig wie euer Vater im Himmel!

37 Richtet nicht über andere, dann werdet ihr auch nicht gerichtet werden! Verurteilt keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht verurteilt! Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird auch euch vergeben werden.

38 Gebt, was ihr habt, dann werdet ihr so reich beschenkt werden, dass ihr gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man auch euch messen.“

39 Wenn Jesus zu den Menschen sprach, gebrauchte er immer wieder Gleichnisse: „Wie kann ein Blinder einen anderen Blinden führen? Werden sie nicht beide in den Abgrund stürzen?

40 Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer. Im besten Fall kann er werden wie sein Lehrer, wenn er alles von ihm gelernt hat.

41 Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?

42 Du sagst: ‚Mein Bruder, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!‘ Dabei erkennst du nicht, dass du selbst einen Balken in deinem Auge hast. Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.“

Von bösen Buben
und lieben Mädchen

(andersrum geht`s auch)

Du! Du! Du!
Du böser Bube, Du!

Ich! Ich! Ich!
Ich liebes Mädchen, ich!

So tickt nun mal die Menschheit.

So ticken meistens auch wir Christen.

Was der andere verbrochen hat – eine Katastrophe!

Was bei uns schiefläuft – bestenfalls ein Kavaliersdelikt.

Christus will es anders.

Wir sollen

erkennen, aber nicht verurteilen

nicht schönreden, aber verzeihen

tragen helfen, statt nachzutragen.

nicht abwerten, sondern wertschätzen.

Denn: Gott mag uns beide: den bösen (lieben) Buben und das liebe (böse) Mädchen.

Uns beide hat er geschaffen und begabt.

Wir beide sind nicht immer so, wie er uns gerne hätte.

Uns beide liebt er trotzdem.

Uns beiden will er verzeihen.

Uns beide will er beschenken.

Deshalb sollen wir nicht nach Splittern suchen, die im eigenen Auge immer kleiner ausfallen als im Blick des anderen.

Deshalb sollen wir den anderen nicht tiefer stellen, um selber mehr zu gelten.

Sondern:

Wir sollen „im Kraftfeld der Barmherzigkeit Gottes leben“ wie es der Theologe Voigt sagt.

Das deckt die Fehler nicht zu – meine nicht und auch nicht die des manchmal nicht so lieben Nächsten neben mir.

Das entschuldigt nicht die bösen Worte, die mißgünstigen Gedanken, die eifersüchtigen Taten und das Streben nach eigenem Gewinn und eigener Größe.

Das ist keine Rechtfertigung für Mord und Totschlag, Diebstahl und Verleumdung, Mißbrauch und Mißachtung.

Es ist kein Ablaßbrief für alles, was böse Buben und liebe Mädchen so anstellen können an Zerstörung und Verletzung des gottgewollten Guten in dieser Welt.

„Im Kraftfeld der Barmherzigkeit ergreift Gott Partei für meinen Mitmenschen, obwohl ich so viel gegen ihn einzuwenden habe. Übrigens ergreift er Partei z. B. auch für mich, gegen den so viel einzuwenden ist.“ sagt der Theologe Voigt.

Dort, wo lieber Bub und böses Mädchen sich von dieser Barmherzigkeit prägen lassen, heißt es nicht mehr „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ – „Wie du mir, so ich Dir“

Sondern:

Wer dahingibt, der empfängt

Wer sich selbst vergißt, der findet

Wer verzeiht, dem wird verziehen.

Das ist der Aufbruch in eine neue Lebensform, in die Gemeinschaft aller bösen Buben und lieben Mädchen, denen das Erbarmen Gottes widerfahren ist.

Geht nicht!

Kann ich nicht!

Will ich nicht!

Seh ich nicht ein.

Ist viel zu schwer.

Tut viel zu weh!

„Gebt, was ihr habt, dann werdet ihr so reich beschenkt werden, dass ihr gar nicht alles aufnehmen könnt.“

Aus der Kraft des schenkenden, barmherzigen und verzeihenden Gottes können und sollen wir es jeden Tag neu wagen und neu üben.

Das allein verändert unsere  Welt zum Guten. Amen.

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