Unverdient

2. Timotheus 1, 7-10

7 Denn der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft, sondern er erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit. Schäm dich also nicht, dich in aller Öffentlichkeit zu unserem Herrn Jesus Christus zu bekennen. Halte weiter zu mir, obwohl ich jetzt für ihn im Gefängnis bin. Sei auch du bereit, für die rettende Botschaft zu leiden. Gott wird dir die Kraft dazu geben.

9 Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn schon vor allen Zeiten war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine erbarmende Liebe zu schenken.

10 Das ist jetzt Wirklichkeit geworden, denn unser Retter Jesus Christus ist gekommen. Und so lautet die rettende Botschaft: Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht. AMEN

Unverdient

„Dem dümmsten Bauern wachsen die größten Kartoffeln.“ Dieses Sprichwort kennen wir alle. Man hat mehr Glück als Verstand.

Unverdient, ohne Zutun zu Ehren kommen – manch einer fällt die Treppe hinauf und wird zum Vorgesetzten. Oder man zieht das große Los.

Das Leben schreibt Geschichten, die für den einen oder anderen nicht nachvollziehbar sind. Beim einen scheint es nur bergauf zu gehen während der andere sich nur von Problem zu Problem durchhangelt.

Unverdient – unser Text heute berichtet von unverdienter Zuwendung, von einem, der sich auf schwache, bankrotte Menschen einlässt und sie mit Gaben überschüttet.

Drei Punkte zeigen dies auf:

  1. Gerettet
  2. Beschenkt
  3. Beauftragt

1 Gerettet

Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn schon vor allen Zeiten war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine erbarmende Liebe zu schenken.

Er hat – hier sind wir beim Kern. Gott, der liebende, sich verschenkende Vater, ist der Handelnde. Er ist getrieben von seiner nie endenden Zuwendung zum Menschen.

Unverdient beschenkt er uns,  ohne dass wir ihm etwas vorweisen können.

Gott erwartet nicht, dass wir die Perfekten sind. Er sieht all unsere Fehler, unser Versagen, dort wo wir enttäuschen oder scheitern. Er heißt dies nicht gut, aber ist uns zugewandt aus freiem Entschluss.

Für ihn müssen wir nicht Stufe um Stufe erklimmen und Leistungen vorzeigen. Gott sieht uns mit allen Abgründen, dort wo wir auf die schiefe Bahn geraten. Aber er lässt uns nicht fallen. Sein Unterfangen und sein Zurechthelfen sind da – unverdient.

Allem setzt er die Krone auf, indem er Jesus Christus als Zeichen seiner Liebe, seiner Rettung uns schenkt.

In ihm haben wir alles, was wir brauchen: seinen Sieg für unsere Niederlage, seine Kraft für unsere Schwachheit, sein „Ich will“ wo wir „nein“ zu ihm sagen. In ihm überwindet Gott unsere Grenzen.

Er kommt uns entgegen, er nimmt uns an und auf. Er handelt unverdient in Gnade an und mit uns.  

„Wir sind keine Zufallsprodukte, sondern Geschöpfe der Liebe Gottes.“ sagt Voigt.

„Geschöpfe der Liebe Gottes“ – wir sind einmalig, besonders, jeder anders. Gott will immer mehr, weil er sich ganz verschenken will.

„Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt.“ führte Friedrich von Bodelschwingh aus.

Und es ist so. Gott hat einen Plan. In aller Unterschiedlichkeit der Menschen hat er ein Ziel. Er will retten, uns an sein Herz führen, letzte Erfüllung schenken.

Gott liebt uns und will uns in seinen Auftrag nehmen. Jeder Gerettete hat einen Auftrag. Gott stellt dabei immer in die Entscheidung. Er stülpt nichts über – er befiehlt nicht, sondern er überlässt dem Menschen den freien Willen.

Aber nur der kann die Rettung erfahren, der bereit ist. Wenn ein Ertrinkender seinen Helfer aus Angst in die Tiefe zieht, kann er nicht das rettende Ufer erreichen.

Wo wir seine rettende Liebe wirken lassen, dort werden wir beschenkt.

2 Beschenkt

Denn der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft, sondern er erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Unser Retter Jesus Christus ist gekommen. Und so lautet die rettende Botschaft: Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht.

Nicht nur, dass Gott uns liebt und rettet, nein er schenkt uns unverdient noch viel mehr: Seinen Geist – den Heiligen Geist, unseren Helfer und Tröster, unseren Führer und Leiter, unseren Mahner.

Er lenkt uns in den Entscheidungen, er macht uns offen und bereit.

Dieser Geist führt heraus aus aller Enge, aus der Negation und all dem was nach unten ziehen will. Er zeigt uns neue Horizonte auf.

Er erfüllt uns. Wir bekommen also nicht häppchenweise, bruchstückhaft, sondern in vollem Umfang.

Kraft – sicherlich ist nicht die körperliche Kraft gemeint, sondern vielmehr die Kraft zu tragen, zu ertragen.

Der Theologe Bürki sagt: „Der Geist der Kraft ist der Geist,  der Freimut, Kühnheit, Unbefangenheit, Furchtlosigkeit zum Zeugnis und zum Dienst schenkt.“

Liebe – hier geht es um die Liebe von und durch Gott.

Liebe, die dem anderen das tut, was ihm weiterhilft, was für ihn hilfreich ist.

Liebe, die nicht den eigenen Vorteil sucht, die willig erträgt und duldet.

Liebe aber, die ganz in der Wahrheit und Offenheit ist, die nicht herumschleimt oder beschönigt.

Wo Gott uns beschenkt ist diese Liebe frei von Nebenzwecken oder Herausredereien.

Besonnenheit – getrieben von Gott.

Wieder Bürki:  „Der Besonnene ist der vom Geist unter Kontrolle Genommene. Durch den Geist bekommt er einen Sinn für das Maß, was jetzt zu tun oder zu lassen ist.“

Gottes Geist macht uns somit frei. Er schenkt uns das Aufmerken auf sein Führen und somit die Klugheit, das Richtige zu tun.

„Unverdient beschenkt“ bedeutet:  Wir können uns willig in sein Denken und Handeln hineingeben. Gott macht es richtig. Gott ist uns zugewandt, so weiß er, was wir bedürfen, was wir ertragen, was uns hilft.

Gott überwindet in seinem Schenken alle Grenzen und Schranken, die Grenzen der sichtbaren und der ewigen Welt.

Christus hat dem Tode die Macht genommen, so dürfen und können wir hinüberschreiten in seine unendliche Welt, wo er sein wird alles und in allem.

Beschenkt – Gott hat uns in Christus die ewige Garantieleistung gegeben. Nicht nur für ein Jahr, für fünf Jahre, sondern für immer.

Das Schöne und Wichtige dabei ist:  unverdient, allein von und durch ihn. Nicht wir haben die Vorleistung dazu erbracht oder müssen sie erbringen. Wir sind und bleiben Sünder.

Dort, wo wir uns auf ihn einlassen, dort kommt es zur Beauftragung.

3 Beauftragt

Sei auch du bereit, für die rettende Botschaft zu leiden. Gott wird dir die Kraft dazu geben.

Starker Tabak oder starke Herausforderung an Timotheus von Paulus.

Sei auch du bereit zu leiden – Wer auf dem Weg mit Christus ist, muss damit rechnen, dass er wie Christus Schmach und Verfolgung, Missachtung erleiden muss.

Dazu einige Ausführungen von Henri Nouwen:

Der Weg durchs Leid besteht nicht darin, es zu leugnen, sondern ganz und gar mitten darin zu leben.

Wir neigen dazu, unseren Schmerz um jeden Preis loswerden zu wollen, wir möchten ihm unbedingt entkommen. Wenn wir jedoch lernen, durch ihn hindurchzugehen, statt zu vermeiden, nehmen wir ihn ganz anders auf. Wir werden bereit, etwas von ihm zu lernen. Wir fangen sogar an zu erkennen, wie Gott ihn zu einem umfassenderen, größeren Zweck benutzen kann.

In Christus kommt Gott uns mitten in unserem Leiden ganz nah.  Es gibt kein menschliches Leid, das nicht auf irgendeine Art Teil der Erfahrungen Gottes ist.

Paulus, selbst im Gefängnis, will Timotheus weiterhelfen, in dem er sagt: Gott wird dir die Kraft geben.

Diesen Zuspruch hat er und haben wir immer wieder nötig. Jeder an einem anderen Punkt.

Gott wird  – Er ist in den Tiefen unseres Lebens der Halt, die Rettungsstange. Gott, unser Retter und Befreier, genauso unser Helfer. Er führt nicht immer aus der Tiefe heraus, aber hindurch.

Gott wird – Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch, so bezeugt sein Wort.

Sein Wort – der Trost, die Hilfe, die Orientierung, das Licht im Dunkel.

Sein Wort mit seinen Zusagen und Aufmunterungen, mit seinen Verheißungen.

Gott wird – Er hat es bewiesen in langen Jahren der Geschichte mit seinem Volk Israel, genauso in der Kirchengeschichte bis heute in unseren Tagen.

Wo er uns zuspricht: „Ich bin bei euch alle Tage“, können wir uns darauf verlassen.

Er hat uns gerettet, beschenkt und beauftragt.

Wir – seine Boten im Dienst des liebenden Gottes.

Wir – mit der starken Verheißung und dem großen Ziel.

Nehmen wir die Herausforderung an, wie Timotheus. Lassen wir uns vom Retter Jesus Christus zurüsten, uns führen und leiten – hinein in all unsere Schwachheit, in unser Leiden, unser Unvermögen und in all unseren Mangel.

In Christus kommt Gott uns ganz nah, in jeder Situation.

Wir als seine Geschöpfe können ihm vertrauen, weil er uns unverdient zugewandt ist. AMEN

 

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