Predigt Klaus Kienzler
Johannes 3,8
Der Wind weht, wo er will. Und du hörst sein Rauschen, aber du weißt nicht woher er kommt und wohin er geht. So kannst du auch nicht erklären, wie die Menschen aus dem Geist geboren werden.
Wind treibt die großen Windkraftanlagen an, wir gewinnen Strom, aber eben nur wenn er bläst – und das steht nicht in unserer Macht.
Wind – ich kann ihn nicht aktiv einplanen.
Wind trocknet die Wäsche der Hausfrau, sie freut sich – wenn dann Sonne noch dazu kommt, umso besser.
Unser Text heute spricht auch vom Wind.
Johannes 3,8 : Jesus sagt : « Der Wind bläst wo er will und du hörst seinen Rauschen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
Drei Schritte :
1 Das nächtliche Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus
2 Der Geist Gottes
3 Was geht das mich an??
1. Das nächtliche Gespräch
Ich gestehe gerne: Das ist eine Bibelstelle, die mich lange schon und immer wieder anspricht, ja geradezu anzieht und in der Überlegung zu diesem Termin heute war es soweit. Ich entscheide: Das ist der Text, schau ihn dir einfach mal genauer an.
Wer spricht mit wem und warum überhaupt? Wind … Geist …. Wie soll ich das verstehen?
Nikodemus möchte Jesus treffen, er ist Pharisäer und schriftkundiger Lehrer in Israel. Nikodemus ist auch Mitglied des Hohen Rates, er kommt nachts zu Jesus, was für ein ruhiges, ernsthaftes Gespräch üblich war.
„Meister“ spricht er Jesus an, „wir wissen du bist ein Lehrer, von Gott gekommen, denn niemand kann Zeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott ist mit ihm.“
Nun antwortet Jesus: „Das Reich Gottes kann nur sehen, wer von neuem geboren ist.“ – Jesus spricht zu ihm von der Notwendigkeit der Wiedergeburt.
Das hatte Nikodemus nicht erwartet, ja es hatte ihn irritiert.
Das hat Nikodemus elektrisiert. Von neuem geboren? Wie soll das denn gehen? Zurück in den Leib der Mutter? Unmöglich!
Jesus erläutert: Ein Mensch muß aus Wasser und Geist geboren sein, wenn er in Gottes Reich kommen will.
Wind – bleiben wir kurz bei diesem Wort, im hebräischen steht das Wort „ruach“ und im griechischen steht das Wort „pneuma“.
Das bedeutet jeweils Wind, aber auch Geist, Wind und Geist wehen und kommen aus unbekannten Fernen.
Nikodemuns hat nicht sofort verstanden. Jesus redet weiter und erläutert.
Wind … Geist … weht wo er will.
Ich war mal an der an der Nordsee, bei Stürmen, da habe ich auch gefragt: Woher kommen sie, wo werden sie geboren? Woher kommt die scheinbar nicht endende Kraft und Energie, stundenlang, wohin geht der Sturm? Wo wird er enden, abebben, am Schluß nur noch ein laues Lüftchen sein?
Die Meteorologen können hier sicher einiges aufklären, aber wie der Wind wirklich entsteht und was ihn auslöst , wissen sie auch nicht.
Gott macht das Wetter, der Mensch ist hier chancenlos, das Wetter bringt Wind hervor, also ist Gott für mich der Windmacher.
Darf ich einen mutigen Vergleich anstellen?
Es ist wie bei der Entstehung eines Kindes im Mutterleib. Das befruchtete Ei wächst heran, der Fötus gewinnt Gestalt, aber an dem Tag , wenn das erste Mal das kleine Herzlein zu schlagen beginnt, frage ich mich: Wer hat es gestartet? Ich sage: Das ist vom Herrn geschehen. Und das soll nun z.B. 80 Jahre ununterbrochen schlagen?
Geist, Heiliger Geist, der Geist Gottes – wir reden vom dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohn und eben dem heiligen Geist.
Bei Vater und Sohn sind wir nah dran, uns Bilder zu machen, der Sohn lebte und wirkte ja als Mensch auf unserer Welt – aber Geist?? Wie kann ich das greifen, wie begreifen ??
Guter Geist, böser Geist, wer ist er? Woher kommt er? Was tut er? Kann ich über ihn verfügen? – Viele Fragen.
Wir kennen auch diverse Rewendungen:
Von allen guten Geistern verlassen ..
Den Kindern Angst machen
.. da kommt der böse Geist
Gottes Geist treibt mich aber auch an, wenn ich das will.
Geist ist nicht zu personifizieren.
2 Der Geist Gottes
Ja, der Geist Gottes ist’s,der uns Menschen bestimmen, beeinflussen möchte, er, dieser Geist, ist der Tröster, von dem Jesus in Joh. 16 sagt: „Wenn ich weggehe, kommt ein Tröster zu Euch. Es ist der Geist der Wahrheit.“
Gottes Geist ist Gottes freie Gabe, ich als Mensch kann nur darum bitten und diesen Geist auf dem Gnadenwege erlangen. Das ist kein einmaliger Vorgang, sondern spielt sich eigentlich jeden Tag neu ab.
Den Heiligen Geist kannst du nicht per Knopfdruck bestellen. Nur Gott selbst kann Menschen mit dem Heiligen Geist ausstatten. Wer sich auf Gottes Geist einlässt, wer ihm vertraut, wird erfahren, dass der Heilige Geist ganz unvermittelt Veränderungen in seinem Leben bewirkt.
Wir erinnern: Bei der Erschaffung der Erde schwebte Gottes Geist auf dem Wasser. In ihm war die schöpferische Urkraft, die alles schuf. Der göttliche Geist ist gleichsam der Odem Gottes, der Leben schafft.
Das ist es: Auf wen dieser Geist Gottes kommt und wer ihn bei sich aufnimmt, der ist es, von dem in Römer 8 gesagt ist: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“
Neu geboren aus Wasser und Geist – Wie geht das? Für mich ist der Heilige Geist der Überbringer der Antworten von Gott auf Fragen, die ich ihm vorlege. Gott gibt Rat durch den Heiligen Geist, auch wenn ich ihn noch gar nicht gebeten habe. Gott weiß schon von meinen Aufgaben, Herausforderungen, anstehenden Entscheidungen, lange bevor ich ihn darauf anspreche, das habe ich x – fach erleben dürfen.
Seither rede ich mit dem dreieinigen Gott und in meinen Bitten.
In meiner Standleitung zum Herrn hat dieser Heilige Geist seinen festen Platz.
3 Gottes Geist – Was geht das mich an?
Wenn du zufrieden bist mit deinem Leben, deinem menschlichen Umfeld, mit dir selbst auch, dann ist ja alles gut, aber ist es das wirklich ?
Wichtig ist nicht, wie lange wir leben, sondern wie wir leben, nicht seine Dauer, sondern die Tiefe ist entscheidend.
Wenn du da noch Chancen siehst, das eine oder andere zu ändern, dann kannst du dich ja auf Gottes Geist einlassen,
Aber, wie beim Wind, der Geist Gottes weht, wie er will, du kannst nicht erklären woher er kommt und wohin er geht, er ist einfach da.
Wenn du bislang ohne Gott gelebt hast oder Gott nur eine Rolle am Rande deines Lebens spielte, dann probier einfach mal, aktiv mit Gott zu leben, du wirst Erfahrungen machen, aber hallo…….
Ergebnisse können sein: Dein Umfeld bemerkt und registriert Veränderungen an dir, natürlich positive, du bist anders geworden . z.B. in der Art des Denkens… mehr Positives macht sich breit, Ideen, Vorschläge, das Gute suchen, in der Art zu handeln, ich sehe die Chance, dem Anderen zu helfen, eben nicht ihn sich selber zu überlassen, ich freue mich, wenn ich dem Anderen helfen kann und es ihm danach besser geht. Anteil nehmen….nachfragen ….. ernst nehmen …. in meine Fürbitte einbeziehen, ich reagiere nicht mehr immer spontan, was mitunter nötig und gut ist, sondern lasse mir auch Zeit zu reagieren.
Was will denn der Geist Gottes? Er regt an.. Wie stehe ich im Geist Gottes zu der Aussage in Galater 5: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit. Güte Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ Das ist ein ganzes Bündel, das ich niemals in seinem vollen Umfang als fehlerhafter Mensch erfüllen kann, so von jetzt auf gleich, aber…. Probieren, Beginnen in Teilen etwa – das kann ich schon.
Der Leitung dieses Geistes darfst du dich anvertrauen. Dieser Geist vollbringt mächtige Taten und stellt menschliches Bemühen in den Schatten. Du bekommst urplötzlich Ideen zu aktuellen Themen, auch durch Begegnungen mit anderen Menschen.
Am Ende, gestehe ich: ein nicht ganz leichtes Thema, nicht ganz einfacher Text.
Dennoch: In unserem Glaubensleben wollen wir uns ja entwickeln und weiter kommen, näher an Gott, den dreieinigen Gott heranrücken – und da bleibt es nicht aus, immer ein Stückchen mehr über ihn zu erfahren.
Nimm das Bild vom Wind mit, ersetze Wind durch Geist, gehe damit aktiv um, und du wirst es niemals bereuen.
Ich kann von mir sagen mit Worten aus Psalm 73: „Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, daß ich verkündige all dein Tun.“
Zum Schluss noch ein Zitat von Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Ev. Kirche: „Rede von deinem Glauben nur dann, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass du gefragt wirst. Amen