Gewinne den Himmel

Mark. 8, 34-36

Warum sind wir heute Morgen hier? Einfach weil es Sonntag ist, und es dazugehört in den Gottesdienst zu gehen? Oder ist da nicht viel mehr der Wunsch zu feiern und zu erleben wie Reich Gottes sich unter Menschen ereignet? Ich gehe davon aus, dass wir es wirklich wissen wollen, wie dieses einzigartig erfüllende Geheimnis, bei einem jeden von uns, in seinen aufopfernden Alltag kommt.

Daher ist das heutige Thema: „Gewinne den Himmel

Wir schauen darauf, weshalb wir oft so wenig von dieser Wirklichkeit bei uns sehen. Wir gehen dem nach, wie sehr wir uns abrackern und doch so wenig von dieser Erfüllung erfahren. Wir entdecken das eigentliche Hindernis, das uns ausbremst, das zu leben, was wir in der Tiefe sind. Und wir erfahren, was der Dreh- und Angelpunkt ist, das Gottes Vermächtnis unter uns sichtbar wird.

1. Der vergebliche Kampf

Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?

Wir alle wollen doch unser Leben behalten, oder? Die Angst ums Überleben, sitzt irgendwo jedem in den Knochen. Ja, wir wollen leben, deshalb kämpfen und arbeiten wir. Das ist der Grund, weshalb wir uns ohne Ende einsetzen und alles geben. Selbst ein Machthaber der einen Krieg anzettelt will leben, will seine Macht erhalten, will Ländereien schützen, will Eindringlingen Grenzen setzen. Das Behalten ist der Lebenstrieb im Menschen, für das er bereit ist alles zu tun.

Wir haben uns an ein Leben im Festhalten gewöhnt. Wir wollen Leib und Leben behalten. Wir wollen Hab und Gut behalten. Wir wollen unsere Meinung behalten. Wir wollen einen Lebensstil, wir wollen gute Strukturen behalten. Was passiert beim Festhalten? Fängt da nicht alles an zu verkrampfen? Kommt da nicht eine unliebsame Spannung ins Spiel?

Wir beißen uns an etwas fest. Jesus sagt: Da liegt das Problem! „Wer behalten will, verliert.“

Wir können nicht verhindern, dass uns das Haus abbrennt. Verkäuferinnen können sich nicht dagegen wehren, dass ein Geschäft schließt und sie sich auf eine neue Arbeit einstellen dürfen. Eine Organisation wie die Kirche, kann sich nicht auf ihre Tradition berufen, wenn ein derartiger gesellschaftlicher Umbruch, wie wir ihn gerade erleben, stattfindet. Selbst unser Leben können wir nicht festhalten, weil wir nicht wissen, wann unsere letzte Stunde geschlagen hat.

Dieser Kampf, den wir führen fordert bittere Opfer. Die Seele als der ursprüngliche Taktgeber unseres Lebens wird krank. Mit dem Festhalten schneiden wir innigsten Lebensnerv zu unserem Schöpfer ab.

2. Stelle dich infrage

Jesus sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich.

Was Jesus hier für einen Lebensentwurf auf den Tisch legt, hat nicht im Geringsten etwas mit unserem normalen Denken zu tun. In dem, wie er einlädt, breitet er das größte Geheimnis für uns alle aus. Diesem Angebot lohnt es sich, richtig auf den Grund zu gehen. „Will mir jemand nachfolgen,…“

Wer folgt hier wem? Die Kinder Gottes folgen dem Sohn Gottes. Jesus stellt uns auf die gleiche Ebene wie sich. Nachfolge heißt: Dem Christus gleich sein. Heißt: zu erkennen, dass es zwischen Jesus und uns, vom Ursprung keinen Unterschied gibt. Wir sind wie Christus das Gehäuse, in dem Gott Mensch geworden ist.

Jesus sagt: Will jemand sein wie ich, will jemand die Sichtbarmachung Gottes auf Erden sein, der lebe nach diesem Christus-Prinzip. Das ist Nachfolge.

An welcher Vorstellung halten wir fest, dass wir uns kleiner, weniger und unvollkommener sehen? Will jemand wie ich nachfolgen, der verleugne sich selbst. Was dieser Nachfolge im Weg steht ist das Ich. Das sich verleugnen ist keine Demütigung des Jüngers, es ist die Zurücknahme des Egos, das dem Christus-Prinzip widerspricht. Christus ist Gottesgegenwart. Wo wir dieser Gegenwart folgen, erkennen wir, dass es kein „Mein“ oder „Dein“ gibt. Gottesgegenwart ist eins.

Dazu muss die menschliche Vorstellung des Menschen sterben. Schauen wir auf das bekannte Augustinus Wort: Der Mensch ist so lange unruhig, bis er seine Ruhe findet, Gott in dir. Anders ausgedrückt:

Wir kämpfen so lange um unser Dasein, um unser Recht, bis dieser Kampf des Egos am Kreuz stirbt und in der Gottesgegenwart aufersteht.

Unser Menschsein, das sich nicht als Gottesgegenwart erkennt, muss sterben. Nachfolge ist ein ständiges, diesen Selbstbehauptungstrieb des Egos infrage zu stellen. Sie löst alle menschlichen Vorstellungen von Gott und Glaube bis an ihren Kern auf.

Diese Kreuzigung führt uns an die Essenz unserer Seele, die Gottes reine Gegenwart in uns ist. Da sind wir wieder unsere ursprüngliche Schöpfung, wie die Blume, die kein Ich kennt.

Haben wir jemals eine unglückliche Blume oder eine gestresste Eiche gesehen? Ist dir jemals ein depressiver Delphin begegnet oder eine Katze, die nicht entspannen kann?
Jesus will uns zu unserem Sein einladen.

Lass alles an dir sterben, bis nur noch das übrig bleibt, was echt ist, was du von Natur aus bist.

3. Deine Seele kennt den Weg

wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten.

Jesus bahnt dem Weg zum Himmel. Er macht ein Heilsversprechen, weitab unserer vorstellbaren Realität. Er verspricht alles, was Gott besitzt. Seine Vorstellung von Leben ist die von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der lebendige Austausch, mit dem schaffenden Wort, das von Anfang war und immer sein wird. Es ist das heilige Leben, das tief im Innersten heil ist, weil dort die Welt in Ordnung ist. Jesus gab den Kranken den Glauben, dass ihr Leben ein sichtbar werden des göttlichen Lebens ist. Jesus hat es verstanden, die Kranken wieder an dieses ihr Innerstes anzuschließen. Dieses Leben ereignet sich in der Christus-Gesinnung. Jesus schließt die Menschen an die hintergründige Wirklichkeit ihres wahren Lebens an.

Denn die Quelle des Heils ist in uns. Es ist unsere Seele, die um dieses Geheimnis weiß.

Heil geschieht, wir machen es nicht, es geschieht, wenn wir uns für unser wahres Wesen öffnen. Es geschieht, wenn wir unsere krampfhaften Vorstellungen verlieren. Unsere Seele ist eins mit Christus, sie ist eins mit der der Dynamik des Evangeliums. Hier beginnt das schwere Wechselspiel zwischen Seele und unserem menschlichen Geist. Reich Gottes ereignet sich, – unser Verstand will machen. Wer festhält, verliert, wer nicht stirbt, kann nicht leben, wer Formen verteidigt, vergewaltigt die Seele. Das Himmelreich gehört den Gepäcklosen, denen, die keine Konzepte mitbringen.

Wo wir in den größten Herausforderungen unserer Geschichte stehen, ist da nicht die Frage, was will gerade in uns sterben, damit Wahres entstehen kann? Wo will uns unsere Seele den Weg zeigen, den wir noch nicht kennen? Wie können wir dem zarten inneren Reden den Raum geben, um den ganzen Himmel zu gewinnen?

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